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Was ist ein Moor? Von Torfmoos, Moorauge und Moorleichen

Moor zu schützen ist wichtig, sagen wir. Doch was ist ein Moor? Und wie genau schützen Moore das Klima oder tragen zum Schutz vor Hochwasser bei? Was ist eine Wiedervernässung (Renaturierung)? Viele Begriffe im Zusammenhang mit Mooren sind uns nicht geläufig: Hochmoor, Niedermoor, Torf, Moos, Ried, Bulten, Schlenken und was ist eigentlich ein Moorauge? Wir möchten etwas Licht ins Dunkel bringen und Ihnen die wichtigsten Begriffe und Prozesse erklären.

Nasse Moore und Feuchtgebiete wurden früher als düstere, schaurige und nutzlose Landschaftsbereiche angesehen. Als solche wurden sie Jahrhunderte lang (und teilweise immer noch) trockengelegt, mit Gräben durchzogen und abgetragen. Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich das Bild der Moore durch die Wissenschaft stark gewandelt. Man hat herausgefunden: Moore speichern riesige Mengen von Kohlenstoff und schützen das globale Klima als CO2-Senke. Zudem haben natürliche Moore eine wichtige Rolle im regionalen Wasserkreislauf. Sie können Wasser speichern, zurückhalten und tragen damit zum Hochwasserschutz bei. Auch sind Moore ein einzigartiger Lebensraum für viele spezialisierte Tiere und Pflanzen. Moore vereinen somit vielfältige Funktionen für Menschen und Umwelt und werden als solche geschützt bzw. wiedervernässt (renaturiert). Erfahren Sie mehr über die faszinierende Welt der Moore.

Definition: Was ist ein Moor?

Was sind Moore? "Mooore sind ein Übergang zwischen Wasser und Land", Steg im MoorMoore sind vereinfacht gesagt ein Übergang zwischen Land und Wasser. Sie bilden sich nur an Orten, wo dauerhaft Wasser vorhanden ist. Durch den hohen Wasserstand in Mooren entsteht ein Sauerstoffmangel im Boden. Dieser führt zu einem unvollständigen Abbau der Pflanzenreste (oft Torfmoose, sog. Sphagnum). Dadurch bildet sich über lange Zeiten der sogenannte Torf, der Moorboden. Dieser besteht aus nicht oder unvollständig zersetzter organischer Substanz (also aus Kohlenstoff). Dieser Prozess verläuft sehr langsam. Ein intaktes Moor wächst nur um ca. 1 mm pro Jahr. Es dauert also rund 100 Jahre, um eine Torfschicht von nur 10 cm aufzubauen. Beziehungsweise 1.000 Jahre für einen Meter. Damit es für Bodenkundler ein Moor ist, muss die Torfschicht mindestens 30 cm hoch sein. Wie alt ist dann das Moor mindestens (als kleine Rechenaufgabe)?

Wie entsteht ein Moor?

Entstehung von Moore Moorwissent Versumpung VerlandungAls ein Übergang zwischen Wasser zu Land, können Moore generell durch zwei Arten entstehen. Entweder kann ein Moor entstehen, dadurch dass ein See sich nach und nach mit Pflanzenresten füllt. Ein Moor kann aber auch entstehen, wenn ein Boden immer feuchter wird. Dies kann zum Beispiel durch einen Anstieg des Grundwassers erfolgen. Diese zwei Arten nennt man Verlandung (eines Gewässers) und Versumpfung (eines Bodens).

Was ist ein Hochmoor und was ein Niedermoor?

In Mitteleuropa werden zwei Arten von Mooren unterschieden. Hochmoore werden auch Regenmoore genannt. Sie erhalten das Wasser nur durch den Regen und sind daher sehr nährstoffarm. Niedermoore dagegen sind durch das Grundwasser beeinflusst und erhalten über diesen Zufluss mehr Nährstoffe als Regenmoore. Niedermoore können nach der Wasserzufuhr weiter unterteilt werden in: Hangmoor, Überflutungsmoor, Kesselmoor, Verlandungsmoor, Quellmoor und Durchströmungsmoor.

Sumpf, Bruch, Ried, Filz und Moos?! 

Ried Filz Moos Begriffe der MoorweltenEs gibt viele verschiedene Begrifflichkeiten im Sprachgebrauch für den Begriff »Moor«. Ein Sumpf beschreibt wissenschaftlicher gesehen ein eigenständiges Feuchtgebiet, welches immer mal wieder trocken liegt. Der Begriff Moos (bspw. Donaumoos) bezeichnet ein Niedermoor und Filz (bspw. Kendelmühlfilz) sowie Ried (bspw. Wurzacher Ried) in Südbayern ein Hochmoor. In Norddeutschland ist das Wort Bruch für einen Moorwald verbreitet. Zuletzt bleibt noch die Frage: Was ist ein Moorauge? Das ist der nasse zentrale Teil eines Moores; auch Kolk genannt.

Wo überall gibt es Moore?

Ungefähr auf 3% der Landoberfläche der Erde finden sich Moore. Fast in jedem Land gibt es Moore; Ausnahmen sind nach derzeitigem Stand Libyen, Somalia, Saudi-Arabien, Jemen, Oman, Jordanien und Turkmenistan. In Russland, Kanada, Amerika und Indonesien finden sich über 60% der weltweiten Moorflächen. In Deutschland sind ca. 5,1% (entspricht in etwa der Größe Sachsens) mit Mooren bedeckt. Vor allem in der norddeutschen Tiefebene (78%) und im Alpenvorland (20%) gibt es viele Moore. Zu den moorreichen Bundesländern zählen Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Bayern und Schleswig-Holstein.

Zur Geschichte der Moore als Klima- und Kulturbewahrer

Nach der letzten Eiszeit vor ca. 11.500 Jahren entstanden in Europa die heutigen Moorlandschaften. Der Torf, der in solchen Mooren steckt, enthält Informationen, mit denen ein Teil der Klima- und Kultur-Geschichte rekonstruiert werden kann (bspw. Moorleichen oder Blütenpollen). Bis ins 17. Jahrhundert wuchsen die meisten deutschen Moore noch an. Doch ab diesen Zeitpunkt bis in die 1970er Jahre hinein wurden die meisten Moorflächen dräniert, d.h. mit Gräben durchzogen und dadurch entwässert.

Warum wurden und werden Moore zerstört?

Zerstoerung der Moore in Deutschland, Darstellung von Torfabbau mit Erklärung Heute sind nur noch 5% der Moore als natürlich zu bezeichnen. Anders gesagt: 95% der deutschen Moore sind in einem ökologisch schlechten Zustand. Für welche Nutzungen wurden Moore mit Gräben versehen? Eine der ersten Nutzungsformen von Torf war die Verbrennung in kleinen Öfen als Brennstoff (Heizwert vergleichbar mit Braunkohle). Später wurden die Moore sogar industriell abgetorft und zu Heizzwecken verwendet. Auch heute noch Nutzen Länder wie Finnland und Irland Torf zur Energieerzeugung. Doch ist Torf ein problematischer und minderwertiger Brennstoff. Der Hauptgrund für die Zerstörung der deutschen Moore war und ist jedoch die intensive und großflächige Nutzung als Weide- (49%) und Ackerfläche (22%). Weitere Nutzungsformen von Moorböden sind die Holzwirtschaft, Verwendung der Flächen für Urbanisierung (bspw. Straßenbau) sowie für medizinische und kosmetische Zwecke (bspw. Moorbad, -packungen). Heutzutage wird Torf in Deutschland vor allem als Kultursubstrat bei Berufs- und Hobbygärtnern verwendet. Der Einsatz von Torf als Blumenerde muss jedoch gestoppt werden, da es wertvolle Ökosysteme zerstört. Achten Sie beim Kauf von Blumenerde darauf, ob Torf enthalten ist. Es gibt gute Alternativen. Mehr zum Thema »Torffreie Blumenerde« finden Sie in diesem Beitrag »Klimaschutz aktiv«!

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