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Schlagwort: Klimawandel

DESERTEC: eine nachhaltige Energiequelle für die Zukunft

Der Klimawandel und die begrenzten fossilen Ressourcen machen nachhaltige Energiequellen immer wichtiger. DESERTEC ist eine internationale Initiative mit einem Konzept, welches das Potenzial hat unsere Art und Weise zur Energiegewinnung in Zukunft zu revolutionieren. Es zielt darauf ab, durch den Ausbau von CSP-Kraftwerken (CSP = Concentrated Solar Power = konzentrierte Sonnenenergie) die starke Sonneneinstrahlung der Sahara zu nutzen, um grundlastfähigen, sauberen Strom zu erzeugen. Die Sahara bietet somit durch ihre Lage ideale Bedingungen, die für diese Technologie essenziell sind: eine hohe Sonneneinstrahlung, eine trockene Umgebung und wenig Niederschläge.

Die DESERTEC Initiative

Die DESERTEC Foundation wurde 2009 in Berlin gegründet und fördert eine nachhaltige Zukunft durch die Nutzung erneuerbarer Energien. Sie entstand auf der Basis eines Netzwerks aus Wissenschaftlern, Politikern und Ökonomen aus Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten. Die Stiftung unterstützt Projekte, die das DESERTEC Konzept umsetzen, und arbeitet an der Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen für die globale Energiewende. Darüber hinaus gründete die Foundation mit Partnern aus der Industrie- und Finanzbranche die Dii Desert Energy, eine Initiative, die über 126 Unternehmen umfasst, darunter Siemens Energy oder auch Thyssenkrupp, mit dem Ziel des Austausches und der Umsetzung von DESERTEC Projekten. Das ursprüngliche Ziel hinter DESERTEC, das den Stromexport aus der Sahara nach Europa vorsah, scheiterte aufgrund verschiedener Herausforderungen. Heute konzentrieren sich die Akteur:innen auf die Entwicklung erneuerbarer Energieprojekte in Nordafrika, dem Nahen Osten u.a. mit dem Ziel, die regionale Energieversorgung nachhaltiger zu gestalten.

CSP-Kraftwerke als Lösung für eine zuverlässige Energieversorgung

Eine der größten Herausforderungen bei der Nutzung erneuerbarer Energien wie Solar- und Windkraft ist die Sicherstellung einer stabilen Grundlastversorgung. Die Grundlast bezeichnet die minimale Energiemenge, die konstant zur Verfügung stehen muss, um einen grundlegenden Energiebedarf zu decken. Sie muss unabhängig von Tageszeiten und Wetterbedingungen zu jedem Zeitpunkt gegeben sein. Da erneuerbare Energien wie z.B. Solarkraft jedoch stark wetter- und tageszeitenabhängig sind, nimmt ihre Produktionsfähigkeit bei Nacht oder schlechten Wetterbedingungen stark bis vollständig ab, was zu Stromausfällen oder sogar Blackouts führen könnte. Aktuell versorgen Atom- Kohle- oder Gaskraftwerke Europa mit Strom, welche durchgehend laufen, um die Grundlast zu gewährleisten. Dabei muss die Netzfrequenz konstant bei 50 Hz gehalten werden, um Schwankungen und damit verbundene potenzielle Ausfälle zu vermeiden. Sinkt die Frequenz, da zu wenig Strom erzeugt wird, kommen zusätzlich Spitzenlastkraftwerke zum Einsatz. Meistens handelt es sich dabei um Gaskraftwerke, die schnell hochgefahren werden können. Bei solarthermischen Kraftwerken wird das Problem der Grundlast durch Wärmespeicher gelöst, die auch unter suboptimalen Bedingungen weiterhin Strom zur Verfügung stellen können.

Technologie und Infrastruktur: von Kraftwerken bis zum Stromtransport

DESERTEC Projekte, die an Wüstenstandorten installiert werden, basieren auf der Nutzung von solarthermischen Kraftwerken (CSP). Diese bestehen aus großen Parabolrinnen (siehe Abbildung), welche das Sonnenlicht bündeln und auf eine Röhre reflektieren, durch die eine Flüssigkeit fließt. Diese Flüssigkeit wird erhitzt und als Wärmemedium benutzt, um in einem Wärmetauscher Wasserdampf zu erzeugen, der eine Dampfturbine antreibt und somit Strom erzeugt.

Ein weiterer zentraler Bestandteil des Projekts ist die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ). Diese Technologie ermöglicht es, den erzeugten Strom mit minimalen Verlusten über längere Strecken zu transportieren, da hier im Vergleich zur traditionellen Wechselstromleitungen der Widerstand entfällt. Dies ist besonders wichtig, da die Wüstenregionen, in denen diese solarthermischen Kraftwerke installiert werden, teils weit von großen Stromverbrauchszentren entfernt liegen.

Der Standort Sahara eignet sich aufgrund der hohen und konstanten Sonneneinstrahlung besonders gut für ein solches Projekt. Zudem ist ein Großteil der Sahara nicht mit Sand bedeckt, sondern besteht aus kargem Stein, wodurch das Risiko von Sandstürmen und wandernden Dünen minimiert wird. Zudem werden die Parabolrinnen so konstruiert, dass diese in eine Schutzposition bewegt werden können, wenn ein Sandsturm droht.

Wirtschaftlichkeit und Potenzial von DESERTEC

Die Kosten für ein DESERTEC Projekt setzten sich aus Investitions- und Betriebskosten zusammen. Die Investitionskosten je Kraftwerk, ohne Berücksichtigung der Stromleitung, betragen etwa 3,5 Milliarden Euro pro Gigawatt Leistung. Insofern das Ziel der Stromexport bspw. in europäische Staaten ist, ist die Installation von Stromleitungen ein wesentlicher Kostenpunkt mit Summen zwischen 2 und 15 Milliarden Euro. Die Betriebskosten von Solarthermieanlagen liegen laut der DESERTEC Foundation bei etwa 6-9 Cent pro kWh (Kilowattstunde), was sie zu einem wettbewerbsfähigen Kontrahenten zu Kohle- und Erdgas-Kraftwerken macht. Langfristig gesehen sind es neben den geringen Betriebskosten v.a. die Fehlenden Folgekosten durch Klimaschäden und Atommüll welche ein solches Projekt wirtschaftlich attraktiv machen.

Parabolrinnenkraftwerk
Abbildung: Prinzip des solarthermischen Parabolrinnen-Kraftwerks (Quelle: https://www.volker-quaschning.de/artikel/konzenson2/index.php)

Unser Besuch im Mar Menor – das erste europäische Rechtssubjekt

Rechtssubjekt Mensch versus Rechtssubjekt Natur

Die Lagune Mar Menor, ein einzigartiges Ökosystem im Süden Spaniens, steht im Zentrum einer bahnbrechenden rechtlichen Entwicklung. Seit 2021 besitzt die Lagune als erstes europäisches Ökosystem den Status einer »Rechtsperson«, wodurch ihr grundlegende Rechte wie Schutz, Erhaltung und Wiederherstellung zugesprochen wurden. Dies markiert einen bedeutenden Schritt in der rechtlichen Anerkennung von Umweltinteressen. Das Beispiel Mar Menor zeigt deutlich den Konflikt zwischen dem Schutz der Natur und wirtschaftlichen Interessen – eine Debatte, die weit über die Grenzen Spaniens hinausreicht.

Die Krise Mar Menor: Ein bedrohtes Ökosystem

Mit einer Fläche von 135 km² und einer einzigartigen Biodiversität war das Mar Menor lange Zeit ein Ökosystem von besonderer Bedeutung. Doch im Jahr 2019 kam es zu einem ökologischen Desaster: Die Lagune „kippte“, ausgelöst durch eine Kombination aus intensiver landwirtschaftlicher Nutzung, Klimawandel und der damit einhergehenden Erwärmung des Wassers. Dies führte zu einem massiven Artensterben, das sowohl das Ökosystem als auch den Tourismus, eine der Haupteinnahmequellen der Region, schwer beeinträchtigte. Tote Fische an den Stränden und stinkende Algen im Wasser wurden zum Symbol einer verfehlten Umweltpolitik.

Ein Ökosystem als Rechtsperson: Ein juristisches Novum

Die Anerkennung der Lagune als „Rechtsperson“ erfolgte nach intensiven Anstrengungen von Umweltschützern und Bürgerinitiativen. Ein Volksbegehren mit über 600.000 Unterschriften zwang die spanische Regierung zum Handeln. Mit der Verabschiedung des Gesetzes „19/2022“ im September 2021 erhielt das Mar Menor den Status einer Rechtsperson, womit es nicht länger nur ein schützenswertes Objekt, sondern ein Rechtssubjekt wurde. Die Lagune hat nun das Recht auf Erhalt, Schutz, Pflege und gegebenenfalls Wiederherstellung, und jedes Verhalten, das diesen Rechten zuwiderläuft, kann rechtlich verfolgt werden.

Agrarwirtschaft und Umweltzerstörung: Die Wurzel des Problems

Neben dem Klimawandel stellt die intensive Landwirtschaft in der Region Murcia die größte Bedrohung für das Mar Menor dar. Die Region ist bekannt für ihre großflächigen Agrarbetriebe und Massentierhaltung, insbesondere in der Schweineproduktion. Diese Agrarpraktiken tragen massiv zur Nitratbelastung der Böden und des Grundwassers bei. Rund 3 Tonnen Nitrat fließen täglich in die Lagune und führen zu einer Eutrophierung, die das Ökosystem destabilisiert. Bereits 2019 zeigte ein Bericht des spanischen Umweltministeriums, dass die intensive Schweinehaltung für etwa 17% der Stickstoffbelastung im Grundwasser verantwortlich ist.

Drohnenaufnahmen und Untersuchungen deckten schwerwiegende Verstöße auf: Schweinegülle wird oft unsachgemäß gelagert, wodurch giftige Stoffe in den Boden und schließlich in die Lagune gelangen. Trotz dieser alarmierenden Situation zeigen die Behörden wenig Bereitschaft, gegen die expandierende Schweineindustrie vorzugehen. Die wirtschaftlichen Interessen der Landwirtschaft stehen dabei häufig über dem Schutz der Natur.

Mar Menor Algen
Algenwuchs an den Stränden von Mar Menor

Widerstand und politischer Konflikt

Das Gesetz zur Anerkennung der Lagune als Rechtsperson wurde nicht von allen als Fortschritt im Naturschutz angesehen. Besonders die rechtspopulistische Partei Vox stellt sich gegen die neuen Regelungen. Sie argumentiert, dass diese das Recht auf Privateigentum und Berufsfreiheit einschränken und die landwirtschaftlichen Aktivitäten der Region gefährden. Dieser Widerstand hat zu heftigen politischen Auseinandersetzungen geführt, die den Interessenskonflikt zwischen Umweltschutz und wirtschaftlichem Fortschritt verdeutlichen.

Im Januar 2022 eskalierte der Konflikt, als Schweinebauern ein Parlamentsplenum stürmten, um gegen strengere Vorschriften zu protestieren, die Mindestabstände zwischen Wohnhäusern und Schweinemastbetrieben festlegen sollten. Diese Vorfälle zeigen, wie tief der Widerstand gegen Umweltschutzmaßnahmen in der Region verankert ist.

Mar Menor als globales Symbol: Ein Präzedenzfall in Deutschland

Die rechtliche Anerkennung des Mar Menor als »Rechtsperson« hat weltweit Aufmerksamkeit erregt und stellt einen Präzedenzfall in Europa dar. Der Fall inspirierte auch die deutsche Justiz. Im August 2024 griff ein Gericht in Erfurt erstmals diese spanische Rechtsprechung auf. In einem Verfahren im Zusammenhang mit dem Dieselskandal erkannte das Gericht die Natur als geschädigte Partei an. Dieses Urteil ist wegweisend, da in Deutschland bisher keine rechtliche Grundlage existierte, die es ermöglicht, im Namen der Natur zu klagen. Richter Dr. Martin Borowsky nutzte Artikel 37 der Grundrechtscharta der Europäischen Union, um die Rechte der Natur in das deutsche Zivilrecht zu integrieren und eine neue Ära des Umweltschutzes in der Rechtsprechung einzuleiten.

Eine globale Bewegung für die Rechte der Natur

Das Beispiel des Mar Menor ist Teil einer wachsenden globalen Bewegung, die darauf abzielt, der Natur rechtliche Anerkennung zu verleihen. Ähnliche Initiativen gibt es in Ländern wie Ecuador, wo die Natur in der Verfassung als Rechtssubjekt anerkannt ist. Dort kämpfen indigene Bevölkerungsgruppen gegen die Ausbeutung der Natur durch multinationale Konzerne, und im Fall des Nebelwaldes konnten bereits entscheidende Erfolge für den Schutz des Ökosystems erzielt werden.

Auch in Deutschland wird diese Debatte immer relevanter. Der Präzedenzfall des Mar Menor könnte Vorbild für zukünftige juristische Entwicklungen sein und den Weg für eine umfassendere rechtliche Anerkennung von Ökosystemen ebnen. Die Frage, ob die Natur denselben rechtlichen Stellenwert wie der Mensch in unserer Gesellschaft einnehmen kann, bleibt jedoch offen.

Ein neuer Weg im Umweltschutz: Musterklage und Engagement

Die Greensurance Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, den Schutz der Natur weiter voranzutreiben. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern, wie der grünen Rechtsschutzversicherung Greensurance®, plant die Stiftung eine Musterklage, um die Rechte der Natur noch tiefer im deutschen Rechtssystem zu verankern. Dieses juristische Vorgehen könnte eine weitere wichtige Entwicklung im internationalen Umweltschutz darstellen und den Schutz von Ökosystemen zu einer globalen Verantwortung machen.

Wir haben das Mar Menor besucht

Im Juli 2024 haben wir das Mar Menor (ohne das Flugzeug zu benutzen,…) besucht, um uns einen eigenen Eindruck zu machen. Es war erschreckend die Lagune zu erleben. Menschen badeten unbekümmert in einem viel zu warmen Wasser und wir hatten das Gefühl, als könnte die Katastrophe jeden Moment wieder passieren – das Umkippen des Mar Menors. Hier der Link zu unserem subjektiven Eindruckhttps://vimeo.com/1026058109

Fazit: Mar Menor – Ein Symbol für den weltweiten Kampf um den Naturschutz

Der Fall Mar Menor verdeutlicht, dass der Schutz der Natur nicht nur eine ökologische, sondern auch eine juristische und ethische Verantwortung ist. Die Anerkennung des Ökosystems als Rechtsperson markiert einen historischen Fortschritt im Umweltschutz und stellt einen wichtigen Präzedenzfall dar, der weltweit Wellen schlägt. Der jüngste deutsche Rechtsstreit, der die Natur ebenfalls als geschädigte Partei anerkennt, unterstreicht die wachsende Bedeutung dieses Ansatzes.

Es ist an der Zeit, dass die Rechte der Natur weltweit ernst genommen werden. Der Schutz unserer Ökosysteme darf nicht länger hinter wirtschaftlichen Interessen zurückstehen, sondern muss als zentrale Herausforderung unserer Zeit anerkannt werden. Die Anerkennung von Ökosystemen als Rechtssubjekte stellt einen bedeutenden Schritt in die richtige Richtung dar und muss als Modell für zukünftige juristische und gesellschaftliche Entwicklungen dienen.

Mehr Informationen zum Mar Menor

Das Mar Menor hat den Autor – Samuel Reichenberg – so bewegt, dass ein größerer Bericht mit mehr Hintergrundfakten hier zu lesen ist: PDF – Das Mar Menor

Spenden für die angestrebte Klimaschutzklage mit Verwendungszweck »Klage Rechtssubjekt« bitte an:

Greensurance Stiftung Für Mensch und Umwelt
IBAN: DE62703900000004537866 

Vielen Dank für Ihre/Eure Unterstützung!

Erfolgreiche Klimaklage von Schweizer Seniorinnen

Jahr: 2024; Status: erfolgreich

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte Straßburg, Az. 53600/20

Großer Erfolg vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg für Schweizer Klimaschützerinnen, welche für schärfere Maßnahmen gegen den Klimawandel geklagt haben. Das Urteil: die Schweiz hat nicht genug gegen den Klimawandel gehandelt.
Die Klägerinnen, eine Gruppe von vier Schweizer Seniorinnen des Vereins KlimaSeniorinnen Schweiz, sorgen sich um die Folgen der globalen Erwärmung um ihre Lebensbedingungen und Gesundheit und sind der Ansicht, dass die Schweizer Behörden keine ausreichenden Maßnahmen ergreifen, um die Auswirkungen des Klimawandels zu mildern.

Das Urteil entschied, dass die Schweizer Regierung sowohl Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens) als auch Artikel 6.1 (Zugang zum Gericht) verletzt hat.

Das Gericht stellte fest, dass gemäß Artikel 8 der Konvention ein Recht auf wirksamen Schutz durch die Staatlichen Behörden vor den ernsthaften nachteiligen Folgen des Klimawandels für Leben, Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität besteht. Die Schweizer Eidgenossenschaft ist ihren Pflichten gemäß der Konvention in Bezug auf den Klimawandel nicht nachgekommen und die bisherigen Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen wurden nicht erreicht.

Bereits im Jahr 2016 wiesen die Antragssteller den Bundesrat und andere schweizerische Umwelt- und Energiebehörden auf Mängel im Bereich des Klimaschutzes hin und forderten eine Entscheidung über die zu greifenden Maßnahmen. Außerdem forderten sie die Behörden auf, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um das im Pariser Klimaabkommen von 2015 festgelegte Ziel für das Jahr 2030 zu erreichen. Die Schweizer Gerichte ignorierten jedoch die wissenschaftlichen Beweise zum Klimawandel und behandelten die Beschwerden nicht angemessen. Somit entschied der Europäische Gerichtshof, dass der Antragssteller-Verein gemäß Artikel 6.1 der Konvektion das Recht auf Zugang zum Gericht hatte, die Schweizer Gerichte legten jedoch keine überzeugenden Gründe vor, warum sie es für unnötig hielten, die Argumente des Antragssteller-Vereins zu prüfen.

Das Urteil hat eine große Signalwirkung, da es potenziell als Präzedenzfall für weitere Klimaklagen dienen könnte, nicht nur vor dem EGMR, sondern auch vor nationalen Gerichten in verschiedenen Ländern. Die Entscheidung des EGMR könnte als rechtlicher Anstoß für ähnliche Klagen dienen und dazu beitragen, die Rechte von Personen und Organisationen im Zusammenhang mit dem Klimawandel weltweit zu stärken. Dies könnte zu einem verstärkten Druck auf die Regierungen und Behörden führen, wirksame Maßnahmen zum Schutz vor den Auswirkungen des Klimawandels zu ergreifen.

Quellen: European Court of Human rightsTagesschau.

COP 27: Klimarisiken und der Kohle- & Ölausstieg

Seit dem 06. November findet in Sharm el-Sheik, Ägypten, die 27. Conference of the Parties der UNFCCC* statt. Aber nicht nur auf  den großen Bühnen der Klimakonferenz gab es spannende Neuigkeiten.

Urgewald e.V. hat ihren Tätigkeitsbericht 2021 mit der „Global Oil & Gas Exit List“ (kurz: GOGEL) vorgestellt, mit erschreckendem Ergebnis! Die GOGEL ist eine Datenbank von Gas- und Öl-Unternehmen. Bereits im Jahr 2017 hat urgewald e.V. die Global Coal Exit List veröffentlicht mit dem Ziel ein Bewusstsein und Wissen um eben diese Unternehmen zu schaffen. Denn nur wenn Investoren (z.B. Banken oder Versicherungen) wissen, dass hinter unscheinbaren Namen Kohle-Unternehmen stecken, können sie aus diesen Investitionen aussteigen.

Das erschreckende: über 90% der Unternehmen auf der GOGEL haben Expansionspläne! Und dass, obwohl ein Ausstieg aus den fossilen Energien dringend nötig ist, um auch nur annähernd das Pariser Klimaabkommen einzuhalten und die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen.

Auch von der Global Resilience Index Initiative (GRII) gibt es Neuigkeiten. Die Initiative beschäftigt sich mit den Risiken des Klimawandels und hat zum Ziel durch die Bereitstellung von Daten und Analysen Entscheidungen zur Klimawandelanpassung zu unterstützen. Sie bringen Daten, Informationen und Akteure zusammen, um die Klimaresilienz unserer Gesellschaft zu erhöhen.

Auf der COP27 stellte die GRII ein neues Tool vor: G-SRAT, ein Tool zur Analyse globaler systemischer Risiken. Hier sind Daten der verschiedensten Quellen gebündelt und in einer interaktiven Karte dargestellt. Von Dürre, bis Überflutungen und von extremer Hitze bis hin zu tropischen Stürmen. Von der aktuellen Situation bis ins Jahr 2080 können Modellberechnungen angezeigt werden, und zwar deren Eintrittswahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit der Betroffenheit. Diese wird z.B. durch Bevölkerungs- und Gebäudedichte angezeigt.

Quellen und weiterführende Informationen:
1)     Tätigkeitsbericht “It’s all about GOGEL“ ; die GOGEL Liste und die Global Coal Exit Liste
2)    Die Global Resilience Index Initiative (GRII)  und das interaktive Tool G-SRAT

*UNFCCC: United Nations Framework Convention on Climate Change

BR-Fernsehen interviewt Marcus Reichenberg als Hochwasser-Pass Sachkundigen

Die Greensurance Stiftung mit Marcus Reichenberg wurde am 09.10.2021 durch das BR-Fernsehen, der Sendung »Kontrovers« interviewt. Voraussichtlicher Sendetermin: Mittwoch, 27.10.2021 | 21:15 Uhr

Die Fragestellung war:
Wie wird sich das Leben durch den Klimawandel in Bayern verändern, insbesondere in Bezug auf die Gefahr Hochwasser?
Wie können sich Menschen an den Klimawandel anpassen, so dass aus »Risiko« – »Sicherheit« wird?

Als ausgebildeter ESGberater, Fachberater für nachhaltiges Versicherungswesen© und Hochwasser-Pass Sachkundiger stand Marcus Reichenberg für die Fragen des Reporters Robin Köhler der Sendung Kontrovers zur Verfügung. Gedreht wurde in Polling i. OB. Das Dorf war 2016 von einem Starkregenereignis betroffen. Viele Gebäude wurden überschwemmt, teilweise mit gravierenden Folgeschäden. Lt. Meteorologe Jörg Kachelmann fielen innerhalb von nur sechs Stunden 50 Liter Regenwasser pro Quadratmeter, das entspricht ca. 8 Liter in der Stunde. Somit ist dieses Starkregenereignis als 100-jährliches Hochwasser einzustufen. Zum Vergleich, in der Region Genua in Italien fielen drei Tage vor dem Interview (06.10.2021) binnen 12 Stunden 740 Liter Regen pro Quadratmeter vom Himmel. Das entspricht ca. 61 Liter in der Stunde. Zur besseren Vorstellung der Regenmenge: eine Badewanne hat ein Volumen von ca. 150 Liter. Somit ist in Genua der Inhalt von fünf Badewannen innerhalb weniger Stunden vom Himmel gefallen.

Die wichtigste Frage von Robin Köhler war:

»Was kann ich tun, um mich vor Hochwasser zu schützen?«

Marcus Reichenberg antwortete wie folgt:

1) Sich der Gefahr bewusst werden – frage einen Hochwasser-Pass Sachkundigen

Wer im Bestand lebt oder sich wohnlich verändern möchte, sollte sich der Gefahr von Starkregenereignissen und Überflutung von ausufernden Gewässern bewusst sein. Um die Frage zu beantworten, wie hoch die Gefahr ist, von einem Überflutungsereignis betroffen zu sein, kann ein Hochwasser-Pass Sachkundiger zu Rate gezogen werden. Der Sachkundige prüft das Risiko einen Schaden zu erleiden. Es wird das Gebäude im topografischen Umfeld geprüft. Der durch den Sachkundigen ausgestellte Hochwasser-Pass erläutert die Gefahrenlage bei Flusshochwasser, Starkregen, Kanalrückstau und die Gefahr durch Grundhochwasser.

2) Sichten von Gefahren- und Risikokarten der öffentlichen Hand

Zur Abschätzung der Gefahr und des Risikos halten die öffentliche Hand, so zum Beispiel die Umweltministerien, die Wasserwirtschaftsämter oder auch die Städte und Gemeinden Hochwassergefahren– und Hochwasserrisikokarten vor. Diese können kostenlos eingesehen werden. So kann ermittelt werden, ob das eigene Haus oder das zu kaufende Objekt in einem Gebiet liegt, welches häufig (HQhäufig), statistisch alle 100 Jahre (HQ100) oder nur selten von einem Extremhochwasser (HQextrem) betroffen ist. Es handelt sich hier nur um statistische Werte, die keine Aussage über die zukünftige Häufigkeit geben.

 3) Naturgefahren-Check durchführen

Der Gesamtverband der Versicherer bietet einen Naturgefahren-Check unter https://www.dieversicherer.de/versicherer/haus—garten/naturgefahren-check an. Hier kann ermittelt werden, wie hoch die Versicherungsbranche das Risiko sieht, dass die zu überprüfende Adresse von einem Fluss-Hochwasser betroffen sein wird. Zukünftig soll dieser Naturgefahrencheck auf Starkregenereignisse erweitert werden.

4) Versicherungsschutz gegen Naturgefahren (Elementargefahren) zeichnen

Eine der wichtigsten Klimaschutzanpassungsmaßnahmen ist mit Sicherheit die Zeichnung einer Versicherungsdeckung gegen Naturgefahren (Elementargefahren) für das Gebäude undfür den Hausrat. Je nachdem in welcher Zonierung das zu versichernde Gebäude bzw. der Hausrat liegt, ist die Versicherungsprämie oder der Selbstbehalt für den Versicherungsschutz der Elementarschadenversicherung höher oder niedriger. Die Versicherer kennen vier Zonierungszonen durch die Gefährdung von Hochwasser und weiterhin drei ergänzende Zonierungszonen durch Starkregengefährdung. Bestenfalls erfolgt die Beratung durch eine/n ESGberater/in, Fachberater/in für nachhaltiges Versicherungswesen©. ESGberater/innen sind dahingehend ausgebildet Versicherungsschutz nicht nur zu vermitteln, sondern auch das Risikobewusstsein zu schärfen und präventive Vorschläge zur Schadensminderung zu erbringen.

5) Versicherungsschutz mit Mehrleistungen für nachhaltigen Schadenersatz und Regulierung nach besserer Art und Güte im Sinne der Nachhaltigkeit

Die Gebäudeversicherung sollte über einen Versicherer gezeichnet werden, der Mehrleistung für nachhaltigen Schadenersatz anbietet. Eine Mehrleistung für nachhaltigen Schadenersatz ist zum Beispiel die Erstellung eines Hochwasser-Passes durch einen Hochwasser-Pass Sachkundigen. Weiterhin sollte der Versicherer nicht nur nach gleicher Art und Güte den Hochwasserschaden ersetzen, was zurzeit noch üblich ist, sondern nach besserer Art und Güte im Sinne der Nachhaltigkeit. Ein Beispiel dafür ist, einen Heizölkessel nicht mehr durch einen Heizölkessel gleicher Art und Güte zu ersetzen, sondern
beispielsweise durch eine solarthermische Anlage mit einem Holz-Pelletofen. Damit können Klimaschutz und Klimaanpassung in Einklang gebracht werden. Klimaschutz, weil kein fossiles CO2 mehr in die Atmosphäre emittiert wird und Klimaanpassung deshalb, weil bei einem Hochwasser nicht mehr die Gefahr eines Ölschadens besteht.

6) Bauliche Maßnahmen treffen

Ist die Gefahr und das Risiko erkannt, sollten bei entsprechender Überflutungsgefahr präventive Maßnahmen vorgenommen werden. Denn durch präventive Maßnahmen wird aus dem Risiko die Sicherheit der Schadensminderung. Präventive Maßnahmen können der Einbau einer Rückstauklappe sein, die Erhöhung des Grundstücksniveaus, der Einbau von druckwasserdichten Fenstern und Türen, die Vorhaltung von Sandsäcken oder weiterer technischer Maßnahmen.

Der Hochwasser-Pass

Hochwasser Pass Haus geschuetzt

Der Hochwasser-Pass erhält eine immer wichtigere Bedeutung. Durch den Klimawandel werden die Starkregenereignisse häufiger und extremer. Hochwasser-Pass Sachkundige helfen nicht nur das Bewusstsein zu schärfen, sondern ermitteln die konkrete Gefahrenlage und geben Vorschläge zur präventiven Risikominimierung.

Eine Forderung der Greensurance Stiftung Für Mensch und Umwelt ist, dass der Hochwasser-Pass von allen Versicherern anerkannt und mit Prämiennachlässen zur Elementarschadenversicherung versehen wird. Ermittelt der Hochwasser-Pass Sachkundige ein niedrigeres Risiko, als die Zonierung der Versicherer vorgibt, bzw. wird ein Gebäude und der darin enthaltene Hausrat durch präventive Hochwasserschutzmaßnahmen geschützt, sollte die Versicherungsprämie sich dem geminderten Risiko anpassen.

Eine weitere Forderung der Greensurance Stiftung Für Mensch und Umwelt ist die Förderung des Hochwasser-Passes von staatlicher Hand, ebenso wie die Erstellung des Energieausweises durch die öffentliche Hand gefördert wird. Dazu gehört auch, dass die empfohlenen Risikominimierungsmaßnahmen aus dem Hochwasser-Pass genauso staatlich gefördert werden wie die energetische Sanierung von Gebäuden.

Definitionen:

Gefahr: Die Gefahr ist das Ereignis selbst, welches Schaden verursachen kann. Somit ist die Gefahr für Überflutung die Wetterlage, bzw. das Starkregenereignis.

Risiko: Das Risiko beschreibt die Eintrittswahrscheinlichkeit, dass die Gefahr einen Schaden verursacht. Das Risiko einer Überflutung steigt mit dem anthropogenen (vom Mensch verursachten) Treibhauseffekt; steigt mit der Dauer eines Starkregenereignisses; steigt oder sinkt mit der topografischen Lage eines Gebäudes (Risiko steigt, im Tal – Risiko sinkt auf einer Kuppe).

Hochwassergefahrenkarte: Diese Gefahrenkarte beschreibt die möglichen Ausmaße eines Hochwassers. Aus den Hochwassergefahrenkarten lässt sich die Eintrittswahrscheinlichkeit (HQextrem, HQ100, HQhäufig) an einem Standort ablesen, wie auch die mögliche Überschwemmungshöhe, die eintreten kann.

Hochwasserrisikokarte: Über die Hochwasserrisikokarte wird eine Abschätzung des Risikos vorgenommen. Es stellt einen erheblichen Unterschied dar, ob eine landwirtschaftliche Fläche, ein Wohngebiet oder ein Gewerbegebiet von einer Überflutung betroffen ist.

 Hochwasserarten:

– Extremhochwasser (HQextrem): Ein HQextrem entspricht in etwa einem HQ1000. Der HQ-Wert wird nach einheitlichen Standards entsprechend der an Gewässern vorhandenen Datengrundlage bestimmt oder abgeschätzt.

– 100-jährliches Hochwasser (HQ100): Abfluss, der an einem Standort im Mittel alle hundert Jahre überschritten wird. Da es sich um einen Mittelwert handelt, kann dieser Abfluss innerhalb von 100 Jahren mehrfach auftreten. Wenn Messzeiträume an Flüssen weniger als 100 Jahre umfassen, wird dieser Abfluss statistisch berechnet.

– Häufiges Hochwasserereignis (HQhäufig): Unter einem HQhäufig wird ein Abfluss verstanden, der statistisch gesehen im Mittel alle 5 bis 20 Jahre auftritt. Ein 5 bis 20-jährliches Hochwasser wird auch als „häufiges Hochwasser“ bezeichnet, da es im Vergleich zum HQ100 relativ häufig auftritt. Die Hochwassergefahrenflächen werden in der Regel für ein HQ100 ermittelt und dargestellt. Beim HQhäufig handelt es sich um eine Zusatzinformation, die nur an neu berechneten Gewässerabschnitten bereitgestellt wird und daher nicht in allen Karten dargestellt wird.

Hier gibt es weiterführende Informationen zum Hochwasserpass.

Klimastreik: Wir sind am 20. September mit dabei!

Wir streiken am 20. September mit FridaysForFuture!

Das Büro der Greensurance Stiftung ist am 20. September 2019 nicht besetzt. Wir nehmen an der Demonstration von FridaysForFuture für den Klimaschutz – weltweit und in Deutschland – teil. Denn am 20. September entscheidet die Bundesregierung über die nächsten Schritte in der Klimapolitik. Daher sind wir an diesem Tag nicht zu erreichen.

Mehr Informationen zum Klimastreik finden Sie hier: https://www.klima-streik.org/.

Nachhaltig unterwegs in Heidelberg, 8 Öko-Tipps für Heidelberg

Nachhaltig unterwegs in Heidelberg | 8 Öko-Tipps für Heidelberg

  1. Tipp: Auf zur Bahnstadt!

Die meisten Klimagase werden oft bereits bei der Anfahrt ausgestoßen. Daher empfehlen wir die Anreise mit der Bahn (ab 29,-EUR mit dem Sparpreis). Und Heidelberg wird auch »Bahnstadt« genannt. Der Weg von der Bahn in die Allstadt ist nicht weit vor Ort. Am Bahnhofviertel kann man zudem die derzeit größte Passivhaussiedlung der Welt besuchen. Auch wenn es nicht das klassische Touristen-Ziel ist, ist es einen Besuch wert.

  1. Tipp: Mit Öko-Träumen im QUBE!

Als grüne Unterkunft haben wir das QUBE Hotel ausfindig machen können. Auf der Webseite werden viele Nachhaltigkeits-Leistungen aufgezeigt. Daher ist ein Blick im Web und dann vor Ort sicherlich kein Fehler, wenn man ein grünes Hotel sucht.

  1. Tipp: Bio, regional, vegan und vegetarisch!

Das ist in Heidelberg wirklich kein Problem. Es gibt viele Bio-Märkte, Bio-Bäcker und eine große Auswahl an Läden mit veganen Speisen (u.a. vegane Currywurst und CupCakes). Eine gute, erste Übersicht zeigt xxxxx, wenn man gezielt etwas sucht. Fündig wird man auch beim Streifen durch die schönen, kleinen Gassen.

  1. Tipp: Mit dem Sonnenschiff unterwegs!

Auf der Neckar kann man mit verschiedenen Anbietern und Schiffen Bootstouren machen. Oft sind diese mit fossilen Brennstoffen betrieben – auch leise sind diese nicht gerade. Ganz anders das Sonnenschiff, NeckarSonne. Eine Fahrt, mit dem durch Sonnenenergie betriebenen Schiff, geht auch an wolkigen Tagen, ist leise und durch die Glasfassade des Schiffes ein wahres Erlebnis!

  1. Tipp: Regionale und nachhaltige Läden besuchen!

Der sonstige Einheitsbrei aus H&M und co findet sich in Heidelberg weniger. Auch viele kleine, alteingesessene Läden haben hier überlebt. Wir waren zum Beispiel im Süß-Laden. Einem Süßwarenladen, des es seit 30 Jahren gibt. Nehmt gute Laune und viel Zeit (15-30 Minuten) mit, dann wird es ein witziger Einkauf. Auch weitere Läden wie den kleinen Weltladen oder den Wolkenseife-Shop sind ein Besuch wert. Vorallem im Vierling sollte man einen Blick werfen. Hier gibt es schöne + nachhaltige Dinge!

  1. Tipp: Heidelberg für nachhaltige Finanzströme!

Der BUND Heidelberg engagiert sich für nachhaltige Geldströme und hat das Netzwerk Geld-Kompass Heidelberg initiiert. Eine Liste mit regionalen Investitionsmöglichkeiten gibt es vor Ort.

  1. Tipp: Stadt von oben und zu Fuß!

In Heidelberg liegen fast alle Sehenswürdigkeiten fußläufig voneinander entfernt. Nur ein paar Stufen sollte man einplanen, wenn man die schöne Sicht von oben genießen möchte. Diese gibt es zum Beispiel vom Kirchturm, dem Philosophenweg oder der Burg.

  1. Heidelberg, eine Ökostadt!

Die Verwaltung, die Universität und auch xxx haben viele Initiativen im Bereich der Nachhaltigkeit mehr informationen gibt es auf den jeweiligen Webseiten.

»Klimawandel & Versicherung« Fachvortrag von Anna Schirpke

Vortrag von Anna Schirpke »Klimawandel & Versicherungen« beim Fachforum »Der Klimawandel verlangt Anpassung«

Der Vortrag zum Thema »Klimawandel & Versicherungen« beim Fachforum »Der Klimawandel verlangt Anpassung« im Bauzentrum München am 03.12.2018 wurde von der Geschäftsführerin der Greensurance Stiftung, Anna Schirpke, gehalten. Themen waren: Auswirkungen von Klimawandel bei Versicherungen, die ESGberater-Weiterbildung zur Vermittlung und Multiplikation von Fachwissen, die Relevanz von Elementar-Versicherungen als Maßnahme der Klimaanpassung, der Hochwasser-Pass als Mittel zur Stärkung der Eigenvorsorge sowie die greensFAIR® ESG-Zusatzbedingungen der Waldenburger Versicherung (u.a. Mehrleistungen für nachhaltigen Schadenersatz) als konkrete Maßnahme zur Klimaanpassung und Steigerung der Nachhaltigkeit in der Versicherungsbranche.

Das Fachforum mit dem Titel „Der Klimawandel benötigt Anpassung“ hatte die Schwerpunkte: „Sommerlicher Hitzeschutz, Schutz vor Starkregen“ sowie „Bauschäden und Versicherung“. Von 14.00 Uhr bis 18.15 Uhr wurde am 03.12.2018 im Bauzentrum der Klimawandel in den Fokus von Gebäuden gerückt. Veränderte Ansprüche durch zunehmenden Starkregen und verstärkte Hitzeperioden, sowie veränderte Nutzungsbedingungen wurden thematisiert. Bauliche Maßnahmen können die Auswirkungen des Klimawandels abmildern. Versicherungsschutz kann die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung wie auch von Firmenkunden erhöhen. Der Deutsche Wetterdienst, das Bayerische Landesamt für Umwelt, das Referat für Gesundheit und Umwelt, die Universität Stuttgart sowie Bauingenieure und die Greensurance Stiftung haben das Fachforum mit ihren Beiträgen bereichert.

Die Kohlefinanzierung und die Versicherungs- und Finanzbranche: Erste Schritte in Richtung Klimaschutz?

Kohleausstieg als Zeichen für den Klimaschutz?

Die Allianz, einer der größten Versicherer der Welt, wird zukünftig nicht mehr so intensive in Kohle investieren wie bisher: Investitionen in Unternehmen des Bergbau- und Energiesektors, welche mehr als 30% ihres Umsatzes bzw. der Energieversorgung aus Kohle generieren, wird es nach Aussagen von Andreas Gruber, Chefinvestor der Allianz, nicht mehr geben. Entsprechende Aktien werden innerhalb der nächsten sechs Monate verkauft bzw. Anleihen nicht mehr verlängert. Das Gesamtvolumen des Ausstiegs liegt nach Schätzungen bei vier Milliarden Euro. Betroffen sind von dieser Änderung ca. 50 bis 75 Unternehmen weltweit.

Da Kohle als ein besonders umweltschädlicher Energieträger gilt, soll dieser Schritt die Verhandlungen in Paris vorantreiben: „Wir wollen damit die Verhandlungen auf dem Klimagipfel in Paris im Dezember unterstützen, aber auch ein Zeichen setzen an unsere Branche und an die Kapitalmärkte“, so Andreas Gruber. Ein Teil der Geldanlagen – ca. zwei Milliarden –  soll dafür in den nächsten Jahren vermehrt in Windenergie fließen.

Doch kann diese Reduzierung der Investitionen um vier Milliarden Euro nur ein Anfang sein. Überschrift bei N-tv zu diesem Thema lautete: „Allianz steigt etwas aus der Kohle aus“ und das trifft es recht gut. Bei der Tagesschau heißt es „Der Ausstieg ist eher ein Austiegchen – aber immerhin“. Es ist auf jeden Fall ein erster, notwendiger Schritt.

KfW- Förderung in Kohlekraftwerke:  in Deutschland „Pfui“ im Ausland „Hui“!

Betrachtet man die gesamte Finanz- und Versicherungsbranche hat diese im Bereich Klimaschutz viel nachzuholen. Ein negatives Beispiel stellt die staatliche und „grüne“ KfW Bank dar. Diese finanziert in Deutschland Projekte zur Energieeffizienz sowie Umwelt- und Klimaprojekte. Gleichzeitig gehen jedoch große Mengen an staatlichen Gelder in die Förderung von Kohlekraftwerke auf der ganzen Welt. Nach dem Motto: Energiewende nur in Deutschland? So flossen 2006 bis 2013 mindestens 3,3 Milliarden Euro der staatlichen KfW-Gelder in Kohleprojekte; bspw. in Serbien, Griechenland, Indien, Chile und Südafrika (im Zeitraum von 2006-2013).

Die KfW rechtfertigt die Investitionen mit dem Hauptargument, dass nur hocheffiziente und schadstoffarme Kohlekraftwerke als „Brückentechnologie“ gefördert werden, da sich viele ärmere Länder erneuerbare Energien nicht leisten können. Aber liegt darin nicht gerade die Aufgabe der Industrieländer die nachhaltige Branche der Erneuerbaren Energien in anderen Ländern der Welt zu fördern?
In Norwegen ist man schon einen Schritt weiter: Im Juni 2015 wurde beschlossen, dass der norwegische Staatsfond, der weltweit größte seiner Art, Kohleunternehmen aus dem Portfolio verbannen wird. Und auch die Weltbank, Europäische Entwicklungsbank (EIB) und die Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) investieren nicht mehr in Kohlekraftwerke.

Klimaschutz ins Kerngeschäft?

Von den restlichen Medien eher unbeachtet geblieben, sind die weiteren Klimaziele der Allianz, die Ende November 2015 veröffentlicht wurden. Beworben werden diese unter dem Motto „Klimaschutz ins Kerngeschäft“. So sollen erstmals mithilfe von 37 Klima- und Nachhaltigkeitskriterien in den Bereichen Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung die über 600 Milliarden Euro eigener Investments analysiert werden. Zu den Kriterien zählen Treibhausgasemissionen, Energieeffizienz, Datenschutz und Korruption. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltige Geldanlagen. Zudem will die Allianz vermehrt Klimarisiken in den Entwicklungsländern durch sogenannte Mirkoversicherungen decken. Das vierte Ziel ist die Förderung von Investitionen in erneuerbare Energien.
Was machen die Banken?

Am 2. Dezember wurde die Studie „The Coal test: Where Banks Stand on Cliamte at COP 21” veröffentlicht. Der Report zeigt, welche Finanzgeschäfte die größten Banken weltweit mit der Kohleindustrie machen. Ganze 257 Milliarden US-Dollar wurden zwischen 2009 und 2014 durch den Bankensektor investiert. Als größter Investor der Kohleindustrie wurde Citigroup mit 19,6 Milliarde US-Dollar) identifiziert. Auch die Deutsche Bank ist mit 13,8 Mrd. US-Dollar eine der größeren Investoren (7. Stelle des Reports).  Zudem zeigt die Deutsche Bank von den fünfzehn untersuchten Banken die geringsten Bestrebungen die Kohlefinanzierung zu reduzieren und belegt damit den letzten Platz beim „Kohletest“ zur Klimakonferenz in Paris.

Am 1. Dezember gab die Deutsche Bank bekannt, dass erstmals eine Projektanleihe für einen Offshore-Windpark unterstützen wird. Das Projekt umfasst 55 Windkraftanlagen, die 33 Kilometer nordwestlich von Norderney errichtet werden. Dies kann jedoch nur ein kleiner Trost sein, wenn man die obigen zahlen betrachtet.

Da wir diesen Artikel mit einer erfreulichen Nachricht beenden möchten: Die deutsche GLS Bank wurde zum 6. Mal in Folge zur Bank des Jahres gewählt (Umfrage von n-tv und dem Deutschen Instituts für Service-Qualität). Somit vereint die GLS Bank nachhaltige Investments mit zufriedenen Kunden.

Quellen

https://d3n8a8pro7vhmx.cloudfront.net/rainforestactionnetwork/pages/15042/attachments/original/1449019627/Whos_Passing_the_Coal_Test.png?1449019627
https://www.db.com/newsroom_news/2015/medien/deutsche-bank-unterstuetzt-erste-projektanleihe-fuer-offshore-windpark-de-11351.htm

Deutsche Bank gibt Projektanleihe für Offshore-Windpark für Gode Wind 1


https://www.allianz.com/de/presse/news/finanzen/beteiligungen/150926_klimaschutz-ins-kerngeschaeft/
Video: http://www.ardmediathek.de/tv/Panorama/Deutschland-exportiert-Kohlekraftwerke/Das-Erste/Video?documentId=31891924&bcastId=310918
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/norwegen-staatsfonds-kohle-101~_origin-f5b82cfe-1196-4592-82b2-5ad0e9864aaa.html
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/allianz-111.html
http://www.merkur.de/wirtschaft/allianz-muenchen-neuer-strategie-digital-ohne-kohle-5896548.html?cmp=defrss
https://newsburger.de/muenchen-allianz-chefinvestor-gruber-kuendigt-ausstieg-aus-der-kohle-an-91414.html
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kohle-ausstieg-allianz-steigt-aus-kohle-finanzierung-aus-1.2751546?source=rss

KlimaUhr für Paris – TIME 2° ACT!

Im  Zuge  der  Klimakonferenz  in  Paris  hat  die  Greensurance  Stiftung  die  greensFAIR®-KlimaUhr entwickelt,  die  verdeutlicht,  wie  viel  Zeit  der  Menschheit  noch  bleibt,  um  die  globale  Temperaturerhöhung  auf maximal 2°C zu begrenzen. Die verbleibende Zeit, aktuell noch 20 Jahre, 8 Monate, 24 Tage, 12 Stunden, 34 Minuten und  20 Sekunden,  19  Sekunden,  18  Sekunden,  17…, rennt  uns  davon.  Es  ist  Zeit  zu  handeln  –  TIME  2°  ACT!  Die Greensurance Stiftung hofft, dass die Verhandlungen in Paris eine Wende in der globalen Klimapolitik einleiten. Die Weltgemeinschaft  soll  sich  endlich  zum  verbindlichen  Handeln  verpflichten,  statt  erneut  nur  unverbindliche Reduktionsziele zu vereinbaren. Die greensFAIR®-KlimaUhr soll die Öffentlichkeit informieren und die Dringlichkeit des Handelns aufzeigen: www.klimauhr.info

Laut  dem  Bericht  des  Weltklimarats  (IPCC)  von  2014  hat  die  Menschheit  eine  Emissionsobergrenze,  die  nicht überschritten  werden  darf.  Wenn  diese  Menge  an  Kohlenstoffdioxid  (CO 2 )  ausgestoßen  ist,  wird  mit  großer Wahrscheinlichkeit der Temperaturanstieg der Erde höher als 2°C ausfallen. Spätestens ab dieser Erwärmung gehen die  Wissenschaftler  von  folgenschweren,  unkalkulierbaren  Klimaänderungen  aus,  wie  heftige  Wirbelstürme  und langanhaltende Dürren. Auch sogenannte Kipp-Elemente, wie das Abschmelzen des Grönländischen Eisschilds wären dann  unumkehrbar.  Die  Emissionsobergrenze  lag  beim  Start  der  UN-Klimakonferenz  in  Paris  (COP  21)  bei 718.477.397.260.274  kg  CO 2 ;  dies  entspricht  718  Gigatonnen  (Gt)  CO 2 .  Pro  Jahr  stoßen  alle  Länder  der  Welt
zusammen  ca.  34 Gt CO 2   aus.  Auf  den  Einzelnen  gerechnet  bedeutet  das  Pro-Kopf-Emissionen  von  derzeit 4,7 Tonnen  CO 2   pro  Jahr.  Um  das  Klimaziel  von  2°C  bis  zum  Endes  des  Jahrhunderts  zu  halten,  dürfte  jeder Weltbürger jedoch nur 1,2 Tonnen CO 2  emittieren. Gerade wir Deutschen weichen von diesem CO 2 -Budget stark ab. Mit  mehr  als  gut  9  Tonnen  CO 2   pro  Jahr  haben  wir  einen  der  höchsten  pro  Kopf-Werte  weltweit;  während  ein Afrikaner weniger als 1 Tonne CO 2  pro Jahr produziert. „Zusammen mit den anderen Industriestaaten müssen wir schnellstmöglich unsere Emissionen reduzieren, denn die Zeit läuft uns davon“, so Prof. Stefan Emeis, Initiator der KlimaUhr  und  Vorsitzender  des  Nachhaltigkeitsrates  der  Greensurance  Stiftung.  Doch  das  ist  meist  gar  nicht  so
einfach.  Weniger  Autofahren,  Langstreckenflüge  vermeiden,  weniger  Fleisch  essen  und  Stromsparen  –  viele Deutsche  wissen  bereits,  wie  es  gehen sollte.  Und  doch  gelingt  es  den  Wenigsten  ihren  CO 2 -Fußabdruck  auf  1,2 Tonnen CO 2  pro Jahr zu reduzieren. Eine Möglichkeit ist die Kompensation solcher unvermeidbaren Emissionen. Mit dem  greensFAIR®-Emissionsrechner  (www.emissionsrechner.de)  kann  die  persönliche  CO 2 -Bilanz  berechnet  und unvermeidbare Emissionen ausgeglichen werden. Das geht für den Stromverbrauch, Heizen, Autofahren und Flüge. Die Kompensationsbeiträge fließen in Klimaschutzprojekte, wie die regionale Moorrenaturierung in Deutschland. So kann sich jeder klimafreundlich stellen und seinen Beitrag zum Erfolg der Verhandlungen in Paris leisten.