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BR-Fernsehen interviewt Marcus Reichenberg als Hochwasser-Pass Sachkundigen


Die Greensurance Stiftung mit Marcus Reichenberg wurde am 09.10.2021 durch das BR-Fernsehen, der Sendung »Kontrovers« interviewt. Voraussichtlicher Sendetermin: Mittwoch, 27.10.2021 | 21:15 Uhr

Die Fragestellung war:
Wie wird sich das Leben durch den Klimawandel in Bayern verändern, insbesondere in Bezug auf die Gefahr Hochwasser?
Wie können sich Menschen an den Klimawandel anpassen, so dass aus »Risiko« - »Sicherheit« wird?

Als ausgebildeter ESGberater, Fachberater für nachhaltiges Versicherungswesen© und Hochwasser-Pass Sachkundiger stand Marcus Reichenberg für die Fragen des Reporters Robin Köhler der Sendung Kontrovers zur Verfügung. Gedreht wurde in Polling i. OB. Das Dorf war 2016 von einem Starkregenereignis betroffen. Viele Gebäude wurden überschwemmt, teilweise mit gravierenden Folgeschäden. Lt. Meteorologe Jörg Kachelmann fielen innerhalb von nur sechs Stunden 50 Liter Regenwasser pro Quadratmeter, das entspricht ca. 8 Liter in der Stunde. Somit ist dieses Starkregenereignis als 100-jährliches Hochwasser einzustufen. Zum Vergleich, in der Region Genua in Italien fielen drei Tage vor dem Interview (06.10.2021) binnen 12 Stunden 740 Liter Regen pro Quadratmeter vom Himmel. Das entspricht ca. 61 Liter in der Stunde. Zur besseren Vorstellung der Regenmenge: eine Badewanne hat ein Volumen von ca. 150 Liter. Somit ist in Genua der Inhalt von fünf Badewannen innerhalb weniger Stunden vom Himmel gefallen.

Die wichtigste Frage von Robin Köhler war:

»Was kann ich tun, um mich vor Hochwasser zu schützen?«

Marcus Reichenberg antwortete wie folgt:

1) Sich der Gefahr bewusst werden – frage einen Hochwasser-Pass Sachkundigen

Wer im Bestand lebt oder sich wohnlich verändern möchte, sollte sich der Gefahr von Starkregenereignissen und Überflutung von ausufernden Gewässern bewusst sein. Um die Frage zu beantworten, wie hoch die Gefahr ist, von einem Überflutungsereignis betroffen zu sein, kann ein Hochwasser-Pass Sachkundiger zu Rate gezogen werden. Der Sachkundige prüft das Risiko einen Schaden zu erleiden. Es wird das Gebäude im topografischen Umfeld geprüft. Der durch den Sachkundigen ausgestellte Hochwasser-Pass erläutert die Gefahrenlage bei Flusshochwasser, Starkregen, Kanalrückstau und die Gefahr durch Grundhochwasser.

2) Sichten von Gefahren- und Risikokarten der öffentlichen Hand

Zur Abschätzung der Gefahr und des Risikos halten die öffentliche Hand, so zum Beispiel die Umweltministerien, die Wasserwirtschaftsämter oder auch die Städte und Gemeinden Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten vor. Diese können kostenlos eingesehen werden. So kann ermittelt werden, ob das eigene Haus oder das zu kaufende Objekt in einem Gebiet liegt, welches häufig (HQhäufig), statistisch alle 100 Jahre (HQ100) oder nur selten von einem Extremhochwasser (HQextrem) betroffen ist. Es handelt sich hier nur um statistische Werte, die keine Aussage über die zukünftige Häufigkeit geben.

 3) Naturgefahren-Check durchführen

Der Gesamtverband der Versicherer bietet einen Naturgefahren-Check unter https://www.dieversicherer.de/versicherer/haus---garten/naturgefahren-check an. Hier kann ermittelt werden, wie hoch die Versicherungsbranche das Risiko sieht, dass die zu überprüfende Adresse von einem Fluss-Hochwasser betroffen sein wird. Zukünftig soll dieser Naturgefahrencheck auf Starkregenereignisse erweitert werden.

4) Versicherungsschutz gegen Naturgefahren (Elementargefahren) zeichnen

Eine der wichtigsten Klimaschutzanpassungsmaßnahmen ist mit Sicherheit die Zeichnung einer Versicherungsdeckung gegen Naturgefahren (Elementargefahren) für das Gebäude undfür den Hausrat. Je nachdem in welcher Zonierung das zu versichernde Gebäude bzw. der Hausrat liegt, ist die Versicherungsprämie oder der Selbstbehalt für den Versicherungsschutz der Elementarschadenversicherung höher oder niedriger. Die Versicherer kennen vier Zonierungszonen durch die Gefährdung von Hochwasser und weiterhin drei ergänzende Zonierungszonen durch Starkregengefährdung. Bestenfalls erfolgt die Beratung durch eine/n ESGberater/in, Fachberater/in für nachhaltiges Versicherungswesen©. ESGberater/innen sind dahingehend ausgebildet Versicherungsschutz nicht nur zu vermitteln, sondern auch das Risikobewusstsein zu schärfen und präventive Vorschläge zur Schadensminderung zu erbringen.

5) Versicherungsschutz mit Mehrleistungen für nachhaltigen Schadenersatz und Regulierung nach besserer Art und Güte im Sinne der Nachhaltigkeit

Die Gebäudeversicherung sollte über einen Versicherer gezeichnet werden, der Mehrleistung für nachhaltigen Schadenersatz anbietet. Eine Mehrleistung für nachhaltigen Schadenersatz ist zum Beispiel die Erstellung eines Hochwasser-Passes durch einen Hochwasser-Pass Sachkundigen. Weiterhin sollte der Versicherer nicht nur nach gleicher Art und Güte den Hochwasserschaden ersetzen, was zurzeit noch üblich ist, sondern nach besserer Art und Güte im Sinne der Nachhaltigkeit. Ein Beispiel dafür ist, einen Heizölkessel nicht mehr durch einen Heizölkessel gleicher Art und Güte zu ersetzen, sondern
beispielsweise durch eine solarthermische Anlage mit einem Holz-Pelletofen. Damit können Klimaschutz und Klimaanpassung in Einklang gebracht werden. Klimaschutz, weil kein fossiles CO2 mehr in die Atmosphäre emittiert wird und Klimaanpassung deshalb, weil bei einem Hochwasser nicht mehr die Gefahr eines Ölschadens besteht.

6) Bauliche Maßnahmen treffen

Ist die Gefahr und das Risiko erkannt, sollten bei entsprechender Überflutungsgefahr präventive Maßnahmen vorgenommen werden. Denn durch präventive Maßnahmen wird aus dem Risiko die Sicherheit der Schadensminderung. Präventive Maßnahmen können der Einbau einer Rückstauklappe sein, die Erhöhung des Grundstücksniveaus, der Einbau von druckwasserdichten Fenstern und Türen, die Vorhaltung von Sandsäcken oder weiterer technischer Maßnahmen.

Der Hochwasser-Pass

Hochwasser Pass Haus geschuetzt

Der Hochwasser-Pass erhält eine immer wichtigere Bedeutung. Durch den Klimawandel werden die Starkregenereignisse häufiger und extremer. Hochwasser-Pass Sachkundige helfen nicht nur das Bewusstsein zu schärfen, sondern ermitteln die konkrete Gefahrenlage und geben Vorschläge zur präventiven Risikominimierung.

Eine Forderung der Greensurance Stiftung Für Mensch und Umwelt ist, dass der Hochwasser-Pass von allen Versicherern anerkannt und mit Prämiennachlässen zur Elementarschadenversicherung versehen wird. Ermittelt der Hochwasser-Pass Sachkundige ein niedrigeres Risiko, als die Zonierung der Versicherer vorgibt, bzw. wird ein Gebäude und der darin enthaltene Hausrat durch präventive Hochwasserschutzmaßnahmen geschützt, sollte die Versicherungsprämie sich dem geminderten Risiko anpassen.

Eine weitere Forderung der Greensurance Stiftung Für Mensch und Umwelt ist die Förderung des Hochwasser-Passes von staatlicher Hand, ebenso wie die Erstellung des Energieausweises durch die öffentliche Hand gefördert wird. Dazu gehört auch, dass die empfohlenen Risikominimierungsmaßnahmen aus dem Hochwasser-Pass genauso staatlich gefördert werden wie die energetische Sanierung von Gebäuden.

Definitionen:

Gefahr: Die Gefahr ist das Ereignis selbst, welches Schaden verursachen kann. Somit ist die Gefahr für Überflutung die Wetterlage, bzw. das Starkregenereignis.

Risiko: Das Risiko beschreibt die Eintrittswahrscheinlichkeit, dass die Gefahr einen Schaden verursacht. Das Risiko einer Überflutung steigt mit dem anthropogenen (vom Mensch verursachten) Treibhauseffekt; steigt mit der Dauer eines Starkregenereignisses; steigt oder sinkt mit der topografischen Lage eines Gebäudes (Risiko steigt, im Tal – Risiko sinkt auf einer Kuppe).

Hochwassergefahrenkarte: Diese Gefahrenkarte beschreibt die möglichen Ausmaße eines Hochwassers. Aus den Hochwassergefahrenkarten lässt sich die Eintrittswahrscheinlichkeit (HQextrem, HQ100, HQhäufig) an einem Standort ablesen, wie auch die mögliche Überschwemmungshöhe, die eintreten kann.

Hochwasserrisikokarte: Über die Hochwasserrisikokarte wird eine Abschätzung des Risikos vorgenommen. Es stellt einen erheblichen Unterschied dar, ob eine landwirtschaftliche Fläche, ein Wohngebiet oder ein Gewerbegebiet von einer Überflutung betroffen ist.

 Hochwasserarten:

- Extremhochwasser (HQextrem): Ein HQextrem entspricht in etwa einem HQ1000. Der HQ-Wert wird nach einheitlichen Standards entsprechend der an Gewässern vorhandenen Datengrundlage bestimmt oder abgeschätzt.
- 100-jährliches Hochwasser (HQ100): Abfluss, der an einem Standort im Mittel alle hundert Jahre überschritten wird. Da es sich um einen Mittelwert handelt, kann dieser Abfluss innerhalb von 100 Jahren mehrfach auftreten. Wenn Messzeiträume an Flüssen weniger als 100 Jahre umfassen, wird dieser Abfluss statistisch berechnet.
- Häufiges Hochwasserereignis (HQhäufig): Unter einem HQhäufig wird ein Abfluss verstanden, der statistisch gesehen im Mittel alle 5 bis 20 Jahre auftritt. Ein 5 bis 20-jährliches Hochwasser wird auch als "häufiges Hochwasser" bezeichnet, da es im Vergleich zum HQ100 relativ häufig auftritt. Die Hochwassergefahrenflächen werden in der Regel für ein HQ100 ermittelt und dargestellt. Beim HQhäufig handelt es sich um eine Zusatzinformation, die nur an neu berechneten Gewässerabschnitten bereitgestellt wird und daher nicht in allen Karten dargestellt wird.

 

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