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Die Kohlefinanzierung und die Versicherungs- und Finanzbranche: Erste Schritte in Richtung Klimaschutz?

Kohleausstieg als Zeichen für den Klimaschutz?

Die Allianz, einer der größten Versicherer der Welt, wird zukünftig nicht mehr so intensive in Kohle investieren wie bisher: Investitionen in Unternehmen des Bergbau- und Energiesektors, welche mehr als 30% ihres Umsatzes bzw. der Energieversorgung aus Kohle generieren, wird es nach Aussagen von Andreas Gruber, Chefinvestor der Allianz, nicht mehr geben. Entsprechende Aktien werden innerhalb der nächsten sechs Monate verkauft bzw. Anleihen nicht mehr verlängert. Das Gesamtvolumen des Ausstiegs liegt nach Schätzungen bei vier Milliarden Euro. Betroffen sind von dieser Änderung ca. 50 bis 75 Unternehmen weltweit.

Da Kohle als ein besonders umweltschädlicher Energieträger gilt, soll dieser Schritt die Verhandlungen in Paris vorantreiben: „Wir wollen damit die Verhandlungen auf dem Klimagipfel in Paris im Dezember unterstützen, aber auch ein Zeichen setzen an unsere Branche und an die Kapitalmärkte“, so Andreas Gruber. Ein Teil der Geldanlagen – ca. zwei Milliarden –  soll dafür in den nächsten Jahren vermehrt in Windenergie fließen.

Doch kann diese Reduzierung der Investitionen um vier Milliarden Euro nur ein Anfang sein. Überschrift bei N-tv zu diesem Thema lautete: „Allianz steigt etwas aus der Kohle aus“ und das trifft es recht gut. Bei der Tagesschau heißt es „Der Ausstieg ist eher ein Austiegchen – aber immerhin“. Es ist auf jeden Fall ein erster, notwendiger Schritt.

KfW- Förderung in Kohlekraftwerke:  in Deutschland „Pfui“ im Ausland „Hui“!

Betrachtet man die gesamte Finanz- und Versicherungsbranche hat diese im Bereich Klimaschutz viel nachzuholen. Ein negatives Beispiel stellt die staatliche und „grüne“ KfW Bank dar. Diese finanziert in Deutschland Projekte zur Energieeffizienz sowie Umwelt- und Klimaprojekte. Gleichzeitig gehen jedoch große Mengen an staatlichen Gelder in die Förderung von Kohlekraftwerke auf der ganzen Welt. Nach dem Motto: Energiewende nur in Deutschland? So flossen 2006 bis 2013 mindestens 3,3 Milliarden Euro der staatlichen KfW-Gelder in Kohleprojekte; bspw. in Serbien, Griechenland, Indien, Chile und Südafrika (im Zeitraum von 2006-2013).

Die KfW rechtfertigt die Investitionen mit dem Hauptargument, dass nur hocheffiziente und schadstoffarme Kohlekraftwerke als „Brückentechnologie“ gefördert werden, da sich viele ärmere Länder erneuerbare Energien nicht leisten können. Aber liegt darin nicht gerade die Aufgabe der Industrieländer die nachhaltige Branche der Erneuerbaren Energien in anderen Ländern der Welt zu fördern?
In Norwegen ist man schon einen Schritt weiter: Im Juni 2015 wurde beschlossen, dass der norwegische Staatsfond, der weltweit größte seiner Art, Kohleunternehmen aus dem Portfolio verbannen wird. Und auch die Weltbank, Europäische Entwicklungsbank (EIB) und die Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) investieren nicht mehr in Kohlekraftwerke.

Klimaschutz ins Kerngeschäft?

Von den restlichen Medien eher unbeachtet geblieben, sind die weiteren Klimaziele der Allianz, die Ende November 2015 veröffentlicht wurden. Beworben werden diese unter dem Motto „Klimaschutz ins Kerngeschäft“. So sollen erstmals mithilfe von 37 Klima- und Nachhaltigkeitskriterien in den Bereichen Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung die über 600 Milliarden Euro eigener Investments analysiert werden. Zu den Kriterien zählen Treibhausgasemissionen, Energieeffizienz, Datenschutz und Korruption. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltige Geldanlagen. Zudem will die Allianz vermehrt Klimarisiken in den Entwicklungsländern durch sogenannte Mirkoversicherungen decken. Das vierte Ziel ist die Förderung von Investitionen in erneuerbare Energien.
Was machen die Banken?

Am 2. Dezember wurde die Studie „The Coal test: Where Banks Stand on Cliamte at COP 21” veröffentlicht. Der Report zeigt, welche Finanzgeschäfte die größten Banken weltweit mit der Kohleindustrie machen. Ganze 257 Milliarden US-Dollar wurden zwischen 2009 und 2014 durch den Bankensektor investiert. Als größter Investor der Kohleindustrie wurde Citigroup mit 19,6 Milliarde US-Dollar) identifiziert. Auch die Deutsche Bank ist mit 13,8 Mrd. US-Dollar eine der größeren Investoren (7. Stelle des Reports).  Zudem zeigt die Deutsche Bank von den fünfzehn untersuchten Banken die geringsten Bestrebungen die Kohlefinanzierung zu reduzieren und belegt damit den letzten Platz beim „Kohletest“ zur Klimakonferenz in Paris.  

Am 1. Dezember gab die Deutsche Bank bekannt, dass erstmals eine Projektanleihe für einen Offshore-Windpark unterstützen wird. Das Projekt umfasst 55 Windkraftanlagen, die 33 Kilometer nordwestlich von Norderney errichtet werden. Dies kann jedoch nur ein kleiner Trost sein, wenn man die obigen zahlen betrachtet.

Da wir diesen Artikel mit einer erfreulichen Nachricht beenden möchten: Die deutsche GLS Bank wurde zum 6. Mal in Folge zur Bank des Jahres gewählt (Umfrage von n-tv und dem Deutschen Instituts für Service-Qualität). Somit vereint die GLS Bank nachhaltige Investments mit zufriedenen Kunden.

Quellen
https://d3n8a8pro7vhmx.cloudfront.net/rainforestactionnetwork/pages/15042/attachments/original/1449019627/Whos_Passing_the_Coal_Test.png?1449019627
https://www.db.com/newsroom_news/2015/medien/deutsche-bank-unterstuetzt-erste-projektanleihe-fuer-offshore-windpark-de-11351.htm
http://www.windkraft-journal.de/2015/11/21/deutsche-bank-gibt-projektanleihe-fuer-offshore-windpark-fuer-gode-wind-1/74899
https://www.allianz.com/de/presse/news/finanzen/beteiligungen/150926_klimaschutz-ins-kerngeschaeft/
Video: http://www.ardmediathek.de/tv/Panorama/Deutschland-exportiert-Kohlekraftwerke/Das-Erste/Video?documentId=31891924&bcastId=310918
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/norwegen-staatsfonds-kohle-101~_origin-f5b82cfe-1196-4592-82b2-5ad0e9864aaa.html
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/allianz-111.html
http://www.merkur.de/wirtschaft/allianz-muenchen-neuer-strategie-digital-ohne-kohle-5896548.html?cmp=defrss
https://newsburger.de/muenchen-allianz-chefinvestor-gruber-kuendigt-ausstieg-aus-der-kohle-an-91414.html
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kohle-ausstieg-allianz-steigt-aus-kohle-finanzierung-aus-1.2751546?source=rss

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