Create-Projekt
Das Forschungsprojekt CREATE
Klimaneutrale Gebäude und nachhaltige Immobilienfinanzierung
Das Forschungsprojekt CREATE entwickelt und optimiert innovative Finanz- und Versicherungsprodukte, die gezielt den Sanierungsrückstand von Immobilien in Deutschland adressieren. Ziel ist es, klimafreundliche und widerstandsfähige Gebäude zu fördern und so einen bedeutenden Beitrag zur Dekarbonisierung des Gebäudesektors zu leisten.
Warum ist das wichtig?
Was untersucht CREATE?
Das Projekt beantwortet die zentrale Frage:
👉 Wie können Banken und Versicherer mit passenden Finanz- und Versicherungsprodukten den größtmöglichen Beitrag zur Klimatransformation des Gebäudebestands leisten?
CREATE steht für „Climate Neutral Buildings and Sustainable Real Estate Finance“ und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) von 2023 bis 2025 gefördert.
Wer steckt hinter dem Projekt?
Das Projekt wird von der Hochschule für Technik Stuttgart (HfT) geleitet. Wichtige Partner sind:
- Verein für Umweltmanagementsysteme bei Finanzinstituten (VfU)
- Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB)
- Die Greensurance Stiftung ist als Unterauftragnehmerin für den Bereich Versicherungen zuständig und entwickelt Lösungen speziell für die Assekuranz.
Mit freundlicher Unterstützung von:
Nachhaltigkeit in der Wohngebäudeversicherung
So viel „grün“ steckt in der Wohngebäudeversicherung!
Je nach Schadenjahr werden laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) über die Wohngebäudeversicherung zwischen fünf und zehn Milliarden Euro an Schäden reguliert, Tendenz steigend. Damit geht ein erhebliches Potenzial für Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen einher. Versicherungen können durch die Einführung von Versicherungsbedingungen im Sinne der Nachhaltigkeit in Kombination mit grünem Schadensmanagement einen aktiven Beitrag leisten. Notwendige Voraussetzungen sind jedoch der Anspruch und die konsequente Anwendung dieser transformativen Leistungen im Schadenfall. Was das genau bedeutet, wollen wir hier genauer vorstellen.
Im Rahmen des NATIVE-Projektes (www.native-rating.de) hat die Greensurance Stiftung zusammen mit der Hochschule für Technik Stuttgart erforscht, in welchen Bereichen Versicherungen einen besonders starken, transformativen Hebel besitzen. Neben der Reduktion der eigenverursachten THG-Emissionen (im Sinne Scope 1&2, derzeit ca. 1/3 Anteil an den gesamten zurechenbaren Emissionen, vgl. GDV Nachhaltigkeitsbericht 2024), sind es vor allem die Aspekte der Kapitalanlage (d.h. wie legen Versicherungen deine Beiträge bzw. ihr Kapital an) an und wie gestalten sie ihr Produkt- & Schadenmanagement, die die größten transformativ wirksamen Hebel besitzen.
- Nachhaltige Kapitalanlage: Mit einem verwalteten Vermögen von rund 1.876 Mrd. Euro (GDV, 2023) verfügen die deutschen Versicherungen über eine enorme Hebelwirkung, um den nachhaltigen Wandel aktiv voranzutreiben. Durch gezielte, nachhaltig ausgerichtete Anlagestrategien und aktive Stimmrechtsausübung in ihren Portfoliounternehmen können Versicherungen einen entscheidenden Beitrag zur Transformation der Wirtschaft leisten. Indem Versicherer Kapital gezielt in klimafreundliche Projekte, erneuerbare Energien und nachhaltige Infrastrukturen lenken, stärken sie die Finanzierung einer zukunftsfähigen Wirtschaft. Gleichzeitig können durch konsequentes Desinvestment (Verkauf klimaschädlicher Beteiligungen) aus fossilen Brennstoffen und umweltschädlichen Branchen, Risiken minimiert und die ökologische Neuausrichtung der Finanzmärkte beschleunigt werden.
- Nachhaltiges Produkt-&Schadenmanagement: Indem Versicherer Klimarisiken systematisch in ihre Prämiengestaltung und Vertragsbedingungen integrieren, setzen sie gezielte Anreize für nachhaltiges Verhalten – etwa durch Rabatte für klimaangepasste Gebäude oder präventiven Maßnahmen. Gleichzeitig ermöglicht ein vorausschauendes Schadenmanagement die Förderung klimafreundlicher Reparatur- und Wiederherstellungsmethoden, beispielsweise durch den Einsatz nachhaltiger Baustoffe oder ressourcenschonender Prozesse. Innovative Versicherungsprodukte – etwa Policen zur Absicherung von Klimarisiken oder nachhaltige Versicherungslösungen für grüne Technologien – können sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen dabei unterstützen, ihre Resilienz gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels zu stärken und fundierte, nachhaltigkeitsorientierte Entscheidungen zu treffen.
Nachhaltige Aspekte im Rahmen des Versicherungsschutzes können über verschiedene Bestandteile in der Wohngebäudeversicherung enthalten sein. Im Folgenden geben wir Ihnen einen strukturierten Überblick über eine mögliche Ausgestaltung nachhaltiger Wohngebäudeversicherungspolicen:
- Deckungserweiterung für versicherte Gefahren wie Elementarschaden bzw. Naturgefahren
- Geändertes Standard-Wording (Versicherungsbedingungen) des GDV: Versicherungen übernehmen im Schadensfall Kosten & Aufwände nicht in Form der üblichen Regulierung nach „gleicher Art und Güte“, sondern folgen dem Prinzip „Nachhaltig besserer Art und Güte“, also umweltfreundlicher und nachhaltiger. Die Greensurance Stiftung hat das im Jahre 2022 im Rahmen der Ostangler erstmalig eingeführt.
- Angebot Mehrleistung für nachhaltigen Schadenersatz: Sogenannte Mehrleistungen für nachhaltigen Schadensersatz integrieren Versicherer zum Teil ihre Standard-Versicherungsbedingungen oder sie bieten zusätzlich spezielle Sonderbedingungen (Sideletter) an.
- (Mit-) Versicherung nachhaltiger und innovativer Technologien: Versicherungen können den Schutz gezielt auf Anlagen der erneuerbaren Energien, nachhaltige Mobilitätslösungen und energieeinsparende Maßnahmen ausweiten – selbst wenn diese nicht fest mit dem Haus verbunden sind.
- Optionale Deckungserweiterungen bieten eine flexible und bedarfsgerechte Erweiterung des Versicherungsschutzes. Dazu gehören spezielle Zusatzbausteine für Photovoltaikanlagen und weitere nachhaltige Energietechnologien sowie spezielle Nachhaltigkeitsbausteine.
- Unabhängig von den reinen „Wordings“, also dem konkreten Versicherungsschutz, bieten Versicherungen noch eine Vielzahl an weiteren nachhaltigen Aspekten. Darunter fallen zum Beispiel eine nachhaltige Kapitalanlage der Beiträge, „aktuarielle Wertigkeit“ bzw. das Setzen von Anreizen zur Risikominderung (z.B. über Förderung von nachhaltigen Verhalten bzw. Umsetzung von präventiven Maßnahmen, Definition von Vor-Bedingungen bzw. Selbstbehalten) sowie die Bereitstellung von Information zu präventiven Maßnahmen / Checklisten und vielen weiteren.
Interessieren Sie sich für weitere nachhaltige Lösungsansätze und konkrete Produkte in der Wohngebäudeversicherung? Dann werfen Sie gerne einen Blick in unsere verlinkten Blogbeiträge zur Produktanalyse.
Im Rahmen der nachhaltigen Mehrleistungen sind es insbesondere Merkmale im Zusammenhang mit der Sanierung von Heizungsanlagen sowie der Verbesserung der Dämmung, die eine zentrale Rolle für die nachhaltige Transformation spielen. Darüber hinaus können bauliche Veränderungen zur Verringerung der Treibhausgasintensität im Schadensfall beitragen, sei es durch präventive Maßnahmen oder den Einsatz THG-reduzierter Schadenbehebungsprozesse und umweltfreundlicher Materialien.
- Die Versicherungsklausel „Mehrleistung für behördlich nicht vorgeschriebene energetische Modernisierung“, zielt darauf ab, dass die Versicherung im Schadensfall nicht nur die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands übernimmt, sondern auch die (Mehr-) Kosten für die energetische Sanierung, die die gesetzlichen Mindestvorgaben übertreffen.
- Als sinnvolle Grundlage gilt das Leistungsmerkmal „Mehrkosten für eine Beratung zur Modernisierung und Sanierung“ bzw. noch spezieller „Beratung durch das BAFA zugelassene Energieberater bzw. qualifizierte baubiologische Berater“. Hier übernimmt der Versicherer die Kosten für unterstützende Leistungen bei der Planung und Umsetzung von zukunftsorientierten Sanierungsmaßnahmen. Gerade nach einem größeren Schadensfall müssen oft zahlreiche komplexe Entscheidungen getroffen werden. Ebenfalls kann es Teil der Beratung sein, Kund:innen auf Fördermöglichkeiten hinzuweisen.
- Die Klausel „Mehrleistung für umweltschonende und baubiologische Baumaterialien“ hat eine nachhaltige Wirkung, indem sie den Einsatz ressourcenschonender, langlebiger und gesundheitlich unbedenklicher Materialien fördert. Umweltschonende Baumaterialien bestehen oft aus nachwachsenden Rohstoffen oder recycelten Materialien. Bei der Herstellung solcher Materialien entstehen in der Regel weniger Treibhausgase als bei konventionellen Baustoffen wie Beton oder Kunststoff.
- Mehrleistungen für Prävention zielen darauf ab, Schäden von vornherein zu vermeiden oder deren Ausmaß signifikant zu reduzieren. Präventionsleistungen können sowohl ex-ante, als vorbeugende Maßnahme, als auch ex-post nach einem Schadenereignis erbracht werden. Hintergrund ist, dass im Schadensfall nicht nur Emissionen durch die direkte Schadenbehebung entstehen, sondern ein erheblicher Anteil bereits als graue Emissionen in der Materialherstellung und der Bauphase anfällt.
- Präventionsmaßnahmen erhöhen die Widerstandsfähigkeit von Gebäuden u.a. gegenüber klimabedingten Schäden, beispielsweise durch die Installation wasserdruckdichter Kellerfenster und -türen. Eine weitere präventive Maßnahme ist die Erstellung eines HKC-Hochwasserpasses, der die Gefährdungslage eines Gebäudes bewertet und risikomindernde Maßnahmen aufzeigt.Auch jenseits klimabedingter Schadenereignisse spielt Prävention eine entscheidende Rolle. Allein im Jahr 2023 entfielen über 50% der gezahlten Schadenleistungen auf Leitungswasserschäden (GDV, 2024). Innovative Sensortechnologien können hier präventiv wirken, indem sie frühzeitig Lecks im Leitungssystem erkennen und Warnsignale auslösen.
- All diese Vorteile kommen vor allem dann zum Tragen, wenn die entsprechenden Schadendienstleister, also Handwerker, Sachverständige/Gutachter, Sanierungsfirmen usw. sich mit diesen Aspekten auskennen. Um auf den aktuellen Stand zu bleiben, sind jedoch regelmäßige Fort- und Weiterbildungen, modernste Geräte (z.B. mit Sensortechnik, Datenübertragung etc.) und zertifiziert nachhaltige Betriebsmittel notwendig. Dies kann (muss aber nicht!) zu höheren Regulierungskosten im Vergleich von „herkömmlichen“ Schadensbehebung führen. Die Klausel „Mehrkostenübernahme für Wiederbeschaffung /Reparatur über nachhaltige Unternehmen“ sichert dies zu.
Versicherungen bieten mittlerweile immer häufiger nachhaltige (Mehr-) Leistungen an. Aber: Damit das im Schadensfall auch zum Tragen kommt, müssen die Leistungen auch tatsächlich angewendet werden – und genau hier gibt es Probleme.
In unserem Blogbeitrag haben wir ausführlich dazu berichtet, hier in aller Kürze:
Es gibt mehrere Hürden:
- Nur für Premium-Kund:innen: Die meisten nachhaltigen Leistungen gibt es häufig nur in den teuersten Tarifen. Wer einen Standard- oder Basistarif gewählt hat, hat oft keinen Anspruch darauf.
- Große Unterschiede zwischen den Anbietern: Selbst in Premium-Tarifen greifen viele der nachhaltigen Leistungen erst ab der Überschreitung festgelegter Mindestschaden. Je nach Anbieter und Tarif variieren diese teilweise zwischen 10.000 Euro und bis zu 100.000 Euro Schadenhöhe, ab der die Leistung aktiviert wird.
- Kostenübernahme teilweise nur in eingeschränktem Rahmen: Auch die Höhe der übernommenen (Mehr-) Kosten ist je nach Versicherung und Tarif verschieden. Das bedeutet: Insbesondere bei stark eingeschränkter Kostenübernahme müssen die Versicherten die darüber hinausgehenden Kosten selbst übernehmen.
- Nachhaltige Mehrleistungen sind selten: Es zeigt sich, dass selbst in den Premium-Tarifen die nachhaltigen bzw. CO2-reduzierenden Mehrleistungen weiterhin die Ausnahme waren.
- Fehlende Transparenz: Viele nachhaltige Klauseln sind tief in den umfangreichen Vertragsbedingungen versteckt. Unsere Mitte 2024 durchgeführte Eigentümer:innen-Umfrage (N= 169) ergab zudem, dass nur 9% der Befragten über Nachhaltigkeit bzw. nachhaltige Aspekte im Beratungsgespräch aktiv informiert wurden. Bei 79% der Teilnehmenden wurden diese Aspekte bisher gar nicht adressiert.
- Online-Vergleichsportale keine Hilfe: Bei all der Komplexität und Vielfalt der Konditionen und Bedingungen unter den unzähligen Versicherungsangeboten könnten die bekannten Online-Vergleichsportale einen guten Überblick schaffen. Leider ist das Thema Nachhaltigkeit bzw. Nachhaltige Mehrleistungen bisher noch kein Auswahl-/ Filterkriterium. Als „grün“ gilt häufig allein das Kriterium „Vertragsunterlagen nur digital“ und ist entsprechend mit einem grünen Blatt gekennzeichnet.
Alles in allem wird es Kund:innen bei den konventionellen Versicherungen alles andere als leicht gemacht! Eine wirklich nachhaltige Versicherung mit fairem Leistungsumfang zu finden, kostet Zeit und ist mühsam. Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf: Auf Kundenseite, aber vor allem bei den Versicherungen, Versicherungsmakler:innen und Online-Vergleichsportalen.
Im Rahmen unserer Produktanalyse (Herbst 2023) haben wir eine Vielzahl an weiteren (potenziell) nachhaltigen Merkmalen gefunden, die keinen direkten Bezug zur (nachhaltigen) Sanierung und Modernisierung haben. Wir haben eine Auswahl dieser Klauseln in die drei ESG-Kategorien (E = Ökologische/Umweltbezogene Aspekte, S = Soziale Aspekte, G = Aspekte der „Guten Unternehmensführung“) eingeordnet.
Wichtig ist, dass nur weil vielleicht eines oder mehrere dieser Merkmale in einer Police enthalten sind, handelt es sich dabei trotzdem nicht zwangsläufig um eine wirklich „Nachhaltige Wohngebäudeversicherung“, so wie es oft suggeriert wird.
| Weitere gefundene (potenziell) nachhaltige Mehrleistungen – OHNE direkten Bezug zu nachhaltiger Sanierung | |
Soziale Merkmale / Aspekte
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Ökologische / Umweltbezogene Aspekte
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Aspekte der „Guten Unternehmensführung“ / Organisation
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Worauf sollte ich bei der Auswahl achten?
Derzeit gibt es keinen einheitlichen Marktstandard, was eine nachhaltige Wohngebäudeversicherung enthält bzw. leisten muss. Dementsprechend handhaben es die Versicherungen auch ganz unterschiedlich. Manche zeigen direkt auf den Produktwebseiten welche nachhaltigen Merkmale in ihren Policen enthalten sind. Bei den meisten Versicherungen ist das aber nicht so einfach: Informationen zu nachhaltigen Merkmalen werden noch zu selten aktiv aufgezeigt bzw. im Beratungsgespräch angesprochen (außer natürlich bei grünen Versicherungsmaklern). Sehr häufig müssen Sie sich selbst auf die Suche machen und diese über Umwege (z.B. Recherche in den Versicherungsbedingungen) herausfinden.
Hier ein paar Anhaltspunkte:
Stellen Sie sicher, dass Ihre Wohngebäudeversicherung nicht nur den Schutz vor den klassischen Gefahren bietet, also „Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel“, sondern auch aktiv gegen die Risiken des Klimawandels absichert. Dies wird häufig in Form einer Auswahloption bzw. kostenpflichtigen Zusatzbaustein zu Naturgefahren bzw. (erweiterter) Elementarschutz angeboten. Dadurch sind Schäden abgedeckt, die zum Beispiel aufgrund von Starkregen, Überschwemmungen, Hochwasser, Erdbeben und Erdrutsche, Lawinen und Schneedruck entstehen. Die Höhe des Beitrags der Elementarschadenversicherung hängt vom Risikogebiet ab, in dem sich die Immobilie befindet.
Immer mehr Versicherer bieten nachhaltige Merkmale in ihren Wohngebäudepolicen an. Eine Auswahl der wichtigsten Leistungsmerkmale, auf die Sie ihren Versicherungsvermittler:in bzw. Makler:in aktiv ansprechen sollten, finden Sie hier: [
3. Bullet oben
Link zu FAQ „Nachhaltigkeit in VGV – Welche Nachhaltigen Mehrleistungen … oder in unserem Blogbeitrag. Falls Sie sich selbst online auf die Suche machen, werden Sie spätestens in den umfangreichen Vertragsbedingungen (separates Dokument, welches Versicherungen verpflichtend veröffentlichen müssen) fündig.
Vorsicht: Gerade bei den Fragen „Ab wann greift eine nachhaltige Leistung?“ und „Wie hoch ist der tatsächliche Anteil der übernommenen nachhaltigen Mehrkosten?“ trennt sich häufig die Spreu vom Weizen.
Wenn Sie in nachhaltige Energietechnologien investieren, wie z.B. in eine Photovoltaikanlage, Solarthermie oder Wärmepumpe, sollte Ihre Wohngebäudeversicherung auch diese Anlagen abdecken (Stichwort: Gefahr der Unterversicherung). Achten Sie darauf, dass Ihre Versicherung Schäden an diesen Systemen ebenso wie an der Gebäudehülle selbst absichert, auch wenn diese nicht fest mit dem Gebäude verbunden sind. In vielen Fällen kann eine separate Versicherung für erneuerbare Energien erforderlich sein, aber es gibt auch Versicherer, die diese bereits in ihren Standardpolicen integriert haben. Prüfen Sie also, ob ein „Zusatzbaustein Photovoltaik (Elektronik- und Allgefahrendeckung)“ bzw. „Zusatzbaustein Erneuerbare Energien“ (manchmal auch im „Zusatzbaustein Smart Home“ enthalten) für Sie Sinn macht. Darin enthalten ist oft auch der Versicherungsschutz gegen Bedienungsfehler, Ertragsausfall etc.
Prämienvorteile für nachhaltiges Verhalten
Nachhaltiges Verhalten lohnt sich – nicht nur für die Umwelt, sondern auch finanziell. Viele Versicherungen belohnen energieeffiziente und widerstandsfähige Gebäude mit attraktiven Prämiennachlässen. Der Grund: Nachhaltige Gebäude sind weniger anfällig für Schäden, was das Risiko für Versicherer senkt. Als Versicherungsnehmer:in profitieren Sie von reduzierten Beiträgen und langfristigen zusätzlichen Einsparungen zum Beispiel durch niedrigere Energiekosten.
Mögliche Prämienvorteile:
- Rabatt für kernsanierte Gebäude – Versicherer bieten oft Nachlässe für Gebäude, die umfassend modernisiert wurden. Dazu gehören z. B. Sanierungen an Wasserleitungen, Heizsystemen, Elektroinstallationen und der Dacheindeckung. (Beispiel: „Bis zu 40 % Rabatt bei Komplettsanierung“).
- Bonus für klimafreundliche Gebäude – Einige Versicherer gewähren einen Energiebonus (z. B. „10 % Rabatt auf den Jahresbeitrag für energieeffiziente Gebäude“).
- Nachlass für präventive Maßnahmen – Wer gezielt vorsorgt, kann sparen. So gibt es bei einigen Versicherern bereits Rabatte für Maßnahmen, die beispielsweise Naturgefahren vorbeugen („Hochwasserpass durch Sachkundigen: Bis zu 20 % Nachlass auf die Naturgefahrendeckung“).
- Rabatt bei Auswahl „Papierloser Schriftverkehr“
- Ökopunkte sammeln à la Greensurance: Die Ökopunkte der Greensurance sind ein nachhaltiges Bonussystem, das umweltfreundliches Verhalten im Versicherungsbereich belohnt. Gesammelte Ökopunkte können zum Beispiel in Form von Prämienrabatten eingelöst werden.
Die Art und Weise, wie eine Versicherung im Schadensfall agiert, ist von hoher Bedeutung. Dies ist aber häufig vorab nicht direkt erkennbar. Auf die folgenden Indizien eines grünen Schadenmanagements könnten Sie bereits bei Auswahl der Police achten:
- Ressourcenschonende Reparatur statt Komplettaustausch: Nachhaltige Versicherer setzen auf Reparatur statt Ersatz, sofern es ökologisch vorteilhaft ist – etwa durch fachgerechte Sanierung von Fenstern oder Dächern anstelle eines vollständigen Austauschs. Dies sollte im Idealfall sogar über den ursprünglichen Wiederbeschaffungswert hinaus geschehen, insofern die Reparaturmaßnahmen nachhaltiger sind. Denn ein Großteil der CO2-Emissionen entstehen bei der Herstellung, dem Transport und der Entsorgung von Gütern (Stichwort: Graue Emissionen bzw. Graue Energie).
- Einsatz regionaler Handwerksbetriebe: Kurze Wege bedeuten weniger Emissionen. Achte darauf, dass deine Versicherung mit regionalen Schadendienstleistern zusammenarbeitet, um Transport- und Fahrtwege zu minimieren.
- Kooperation mit nachhaltigen Dienstleistern: Immer mehr Versicherer arbeiten mit Partnern zusammen, die auf nachhaltige Baustoffe und energieeffiziente Sanierung spezialisiert sind. Seit Dezember 2024 gibt es eine entsprechende Zertifizierung (vds 6038) für nachhaltige Schadendienstleister. Auch das Insurance Certification Center (ICC) bietet nachhaltigen Schadensdienstleistern die Möglichkeit einer Nachhaltigkeitszertifizierung an.
- Papierlose Kommunikation & digitale Prozesse: Ein umweltbewusster Versicherer setzt auf digitale Anträge, Rechnungen und Schadendokumentationen, um Papierverbrauch und Postversand zu reduzieren.
- Digitale Schadenbegutachtung: Moderne Versicherer setzen zunehmend auf Videobegutachtungen und KI-gestützte Schadenanalysen, um unnötige Anfahrten von Gutachtern zu vermeiden. Das spart CO₂ und beschleunigt die Regulierung.
Tipp: Manche Versicherungen kommunizieren ihr nachhaltiges Schadenmanagement nicht aktiv. Fragen Sie gezielt nach Videobegutachtung, regionalen Dienstleistern und ökologischen Baustoffen, um sicherzugehen, dass deine Versicherung auch im Schadenfall nachhaltig handelt.
Durch die stark gestiegene Rolle von Nachhaltigkeit in der Versicherungsbranche erhalten auch weitere, sogenannte Nachhaltigkeitsaspekte, einzug in den Versicherungsalltag. Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze, um ökologische und soziale Verantwortung in das Versicherungswesen zu integrieren:
- Kapitalanlage – Die bewusste Steuerung von Investitionen in nachhaltige und ethische Projekte, um mit dem angelegten Kapital positive ökologische und soziale Effekte zu erzielen.
- Klimacent & Öko-Add-ons – Zusatzoptionen, die Versicherungsnehmerinnen und -nehmern ermöglichen, aktiv zum Umweltschutz beizutragen, z. B. durch eine finanzielle Unterstützung nachhaltiger Projekte oder spezielle Tarife mit ökologischen Vorteilen.
- CO₂-Kompensationsmodelle – Mechanismen zur Reduzierung und Kompensation von Emissionen, beispielsweise durch Investitionen in Klimaschutzprojekte, die die durch versicherte Schäden verursachten CO₂-Emissionen ausgleichen.
- Freiwilliges Engagement & Nachhaltigkeitsprojekte – Versicherungsunternehmen können durch eigene Initiativen, Kooperationen mit Umweltorganisationen oder die Förderung von nachhaltigen Innovationen einen aktiven Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten.
Allerdings muss sichergestellt werden, dass solche Maßnahmen nicht nur als Marketinginstrumente genutzt werden. Greenwashing, also die bewusste oder unbewusste Täuschung über die tatsächliche Nachhaltigkeit von Versicherungsprodukten oder -unternehmen, ist eine ernstzunehmende Gefahr. Daher sind Transparenz, nachvollziehbare Standards und überprüfbare Maßnahmen essenziell, um nachhaltige Versicherungsangebote glaubwürdig und wirkungsvoll zu gestalten.
Unser Beitrag zu CREATE – Schwerpunkt Assekuranz
Unsere Forschungsfragen
Fokus Wohngebäudeversicherung
- Wo stehen die Versicherungen im Bereich Nachhaltigkeit in den Versicherungsprodukten?
- Wie können Versicherungsprodukte zu einer Steigerung der nachhaltigen Sanierungsrate beitragen?
- Welche Hemmnisse, Treiber und Einflussfaktoren auf die nachhaltige Transformation gibt es?
Vorgehen und Ergebnisse
Arbeitspaket 1:
Wo steht die Versicherungsbranche?
Versicherungs-Produkten
regulatorischen Umfeldes
Stakeholder
Nachhaltigkeitskriterien durch LITERATUR-Recherche
Arbeitspaket 2:
Welche Treiber und Hemmnisse gibt es?
Umfragen
Interviews mit
Workshop
Arbeitspaket 3:
Welche Maßnahmen haben die Transformativen Potentiale?
Erkenntnisgewinnung
Handlungsempfehlungen
Öffentlichkeitsarbeit
Das CREATE-Projektteam der Greensurance Stiftung
Martina Gruß-Kilian
Martina Gruß-Kilian arbeitet federführend am Forschungsprojekt CREATE. Unter ihrer fachlichen und inhaltlichen Führung, ab 07/2024 auch als Projektleiterin, wurde das Projekt erfolgreich umgesetzt.
Luca Louis
Luca Louis unterstütze die Umsetzung als Werksstudent über die volle Laufzeit und trug somit zur langfristigen Etablierung dieses einzigartigen Projekts bei.
Marcus Reichenberg
Marcus Reichenberg begleitete das Projekt innerhalb der vollen Laufzeit.
Als Geschäftsführer der Greensurance Stiftung und Experte für nachhaltiges Versicherungswesen hat er das Projekt aus praktischer und wissenschaftlicher Sicht heraus federführend begleitet.
Woran forscht das CREATE-Projekt?
CREATE: „Klimaneutrale Gebäude und nachhaltige Immobilienfinanzierung“
- Eines von 14 Projekten im BMBF-geförderten Forschungsprogramm Klimaschutz und Finanzwirtschaft (Darstellung der Forschungsstandorte)
- Das Verbundprojekt „Klimaneutrale Gebäude und nachhaltige Immobilienfinanzierung“ (Climate Neutral Buildings and Sustainable Real Estate Finance, CREATE) widmet sich der übergeordneten Frage, „Wie und mit welchen Offerings können Banken und Versicherer die größtmögliche transformative Wirkung (Impact) auf den Gebäudebestand erzielen.“
- Ziele: Erforschung des Beitrags zur Dekarbonisierung von Realwirtschaft und Gesellschaft durch die Umlenkung von Kapitalströmen mittels innovativer Sustainable Finance- und Sustainable Insurance-Produkten
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CREATE-Erkenntnisauszug | Auszug der CREATE-Forschungsergebnisse | 1,38 MB | Download |
Create-Kurzvorstellung | CREATE – Climate Neutral Buildings and Sustainable Real Estate Finance | 0.6 KB | View Details |
Transforming Cities: Urbane Transformation | Beitrag der Wohngebäudeversicherung zur klimaneutralen Transformation | 361 KB | View Details |
CREATE-Abschlusspräsentation | Abschlusspräsentation des CREATE-Forschungsprojekts | View Details |