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Autor: Maria Umlauf

Der ASSESI-Standard nimmt Form an

Die Sommerhitze liegt hinter uns – und mit ihr eine Phase intensiver Arbeit und bedeutender Fortschritte: Die letzten Monate waren für das ASSESI-Team besonders produktiv. Neben der Fortsetzung der Standardentwicklung im Rahmen mehrerer KPI-Workshops wurde die ASSESI-Label-Webseite  neu aufgesetzt und der erste Konsultationsprozess eingeleitet. Zudem fanden zahlreiche Vorträge und Expert:innengespräche statt, die den Dialog mit der Branche vorantrieben. 

Der ASSESI-Standard: Weichenstellungen und Praxisbezug 

Im Rahmen von zwei KPI-Workshops konnten wir bereits wesentliche Eckpunkte zu dem neuen Standard abstimmen. Im ersten KPI-Workshop im April ging es zum Beispiel um die Abstimmung zum Grundgerüst (SCOPE) für das neue ASSESI-Label: Wird es ein einheitliches Siegel geben oder soll das ASSESI-Label mehrere Niveaustufen abdecken? (Ergebnis: Einheitlich) Soll rein das Produkt und seine Leistungen (sogenannte „Wordings“) berücksichtigt werden, oder werden auch Anforderungen an Kommunikation, Vertrieb, Schadenabwicklung etc. gestellt? (Ergebnis: Integration Produktübergreifender Anforderungen). Soll die Kapitalanlage in dem ASSESI-Standard berücksichtigt werden, und wenn ja in welcher Anforderungstiefe? (Ergebnis: Vorerst nicht als hartes Zugangskriterium, ggf. aber zu späterem Zeitpunkt über Ausschlusskriterien) 

Um den Praxisbezug und Anwendbarkeit des zukünftigen ASSESI-Labels für nachhaltige Kompositprodukte bereits von Beginn an mitzudenken, war es sehr wichtig all diese Themen kritisch mit Vertretern von Versicherungen, NGOs/Fachverbänden und unabhängigen Expert:innen abzustimmen. Um eine möglichst breite Abdeckung der unterschiedlichen Sichtweisen und Anforderungen der Versicherungsbranche erreichen, wurden daher Vertreter:innen unterschiedlich großer Versicherungshäuser mit potenziell nachhaltigen Versicherungsprodukten eingebunden. Von großen national agierenden Versicherungshäusern wie der R+V Versicherung oder der BarmeniaGothaer, zu den nachhaltigen Pionieren wie der Waldenburger oder der Ostangler. Ergänzt wurde die Arbeitsgruppe um dezidierte Experten aus dem Feld der Nachhaltigkeit von Versicherungsprodukten und der Einbringung der langjährigen Fach- und Praxisexpertise der Greensurance Stiftung.  

Im zweiten KPI-Workshop Mitte Juni 2026 widmete sich diese Arbeitsgruppe schwerpunktmäßig um die produktübergreifenden Kriterien, also Anforderungen, die spartenübergreifend erfüllt sein müssen, um das ASSESI-Label zu erhalten.  

Im Mittelpunkt des 2. KPI-Workshops stand die gemeinsame Diskussion der Zuordnung potenziell spartenübergreifender Kriterien in eine Machbarkeits-& Wirksamkeitsmatrix. Die folgende Grafik zeigt das vorläufige Ergebnis:  

Als Konsequenz könnte man daraus ziehen, dass vor allem Kriterien, die sowohl als sehr wirksam und in der Umsetzung weniger komplex angesehen wurden, sehr sicher im neuen Standard aufgenommen werden. Aspekte, die von den Teilnehmenden weder als sehr wirksam noch als einfach umsetzbar angesehen wurden (1. Quadrant), werden sehr wahrscheinlich nicht Einzug in die Kategorie der spartenübergreifenden Kriterien finden, d.h. nicht als KO-Kriterien berücksichtigt werden. Möglicherweise könnten diese aber Einzug in die Produktspezifischen Anforderungen halten.  

Start des Konsultationsprozesses 

Seit Kurzem läuft die erste Konsultationsrunde zum ASSESI-Siegel. Drei grundsätzliche Weichenstellungen stehen aktuell zur Diskussion, die sich maßgeblich auf die Ergebnisse aus dem 1. KPI-Workshop beziehen. Stellungnahmen sind bis zum 15. Oktober 2026 möglich.  

Dieser partizipative Ansatz entspricht den Anforderungen an die Entwicklung von DIN ISO EN 14024 Typ I – Umweltsiegeln und soll sicherstellen, dass der Standard branchenweit akzeptiert und praxistauglich ist.  

Ausführlichere Informationen rund um den Konsultationsprozess sind auf unserer neuen ASSESI-Label-Webseite zu finden: Konsultation – Assesi Label

Relaunch der ASSESI-Webseite: www.assesi-label.eu  

Die neu gestaltete Webseite www.assesi-label.eu bietet ab sofort umfassende Informationen zum Standard, den Kriterien, dem Zertifizierungsprozess und den wesentlichen Akteuren. Besonders hervorgehoben werden die Vorteile für Versicherer und Kund:innen: 

  • Rechtssicherheit: Ab September 2026 gilt die EU-Richtlinie gegen Greenwashing (EmpCo) – das ASSESI-Label liefert die geprüfte Grundlage für belastbare Nachhaltigkeitsaussagen. 
  • Wettbewerbsvorteil: Das Label macht nachhaltige Versicherungsprodukte auf einen Blick erkennbar und hebt sie vom Wettbewerb ab. 
  • Unabhängige Prüfung: Third-Party-Verification durch akkreditierte Zertifizierungsstellen schafft Vertrauen und Glaubwürdigkeit.
  • Klare Orientierung: Ein einheitlicher Maßstab statt vieler Eigendefinitionen – das spart Versicherern die eigene Kriterienentwicklung.

In den nächsten Wochen wird die Webseite weiter ausgebaut, unter anderem mit der Vorstellung des Beirats und den Ergebnissen der Konsultationsrunde.  

Austausch und nächste Schritte 

Die Öffentlichkeitsarbeit des ASSESI-Teams zielt darauf ab, die Bekanntheit des Labels zu steigern und den Entwicklungsprozess transparent zu gestalten.  

Weitere Highlights der letzten Wochen:

  • VfU-Webinar am 26.08.2026: „ASSESI – Der Standard nimmt Form an“ 
  • Beiratssitzung am 24.08.2026: Begrüßung der neuen Beiratsmitglieder Svetlana Thaller-Honold und Georg Schürmann 
  • Fachlicher Austausch: Integration der EU-Taxonomie-Anforderungen in den Standard
  • Gespräche mit potenziellen Prüfstellen 

Ausblick 

Der ASSESI-Standard entwickelt sich stetig weiter. Der partizipative Ansatz stellt sicher, dass der Standard praxistauglich und branchenweit anerkannt wird. Feedback und Mitgestaltung sind sehr willkommen: Zum einen durch die aktive Teilnahme an der laufenden Konsultationsrunde (Link), also auch beispielsweise im Rahmen der aktuell anstehenden 3. KPI-Workshops am 8. September von 14-16Uhr. Eine Teilnahme (kostenlos) ist über den folgenden Anmeldelink möglich: https://assesi-label.eu/kpi-workshop/  

Für Fragen oder Interesse an einer Pilotpartnerschaft steht das ASSESI-Team gerne zur Verfügung: rzepecki@assesi.eu bzw. https://assesi-label.eu 

 

 

 

Trotz Hitze und Trockenheit: Warum unser Moorsee noch Wasser führt

Ein Moorsee, der auch in einem heißen und trockenen Sommer noch Wasser führt – Zufall oder Ergebnis erfolgreicher Moorrenaturierung?

Der Sommer zeigt sich von seiner trockenen Seite: hohe Temperaturen, wenig Niederschlag und vielerorts sinkende Wasserstände. Auch unsere Moorflächen sind diesen Wetterbedingungen ausgesetzt. Umso spannender ist der Blick auf die Weilheimer Moorseen der Greensurance Stiftung: Trotz Hitze und ausbleibendem Regen führt unser Moorsee weiterhin Wasser.

Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, erzählt bei genauerem Hinsehen eine wichtige Geschichte über Moorrenaturierung, Wasserrückhalt und natürlichen Klimaschutz.

🎥 Im Video nehmen wir euch mit an den Moorsee und zeigen, wie sich die Renaturierung vor Ort bemerkbar macht.

Zum YouTube-Video: Unser Moorsee trotzt der Hitze

Wasser im Moor – gerade wenn es trocken wird

Moore sind natürliche Wasserspeicher. Wo Moore intakt sind, kann Wasser über lange Zeit im Ökosystem gehalten werden. Genau diese Funktion ist durch jahrhundertelange Entwässerung vielerorts verloren gegangen.

Auch die Moorflächen der Greensurance Stiftung wurden in der Vergangenheit durch menschliche Eingriffe verändert. Ziel der Renaturierung ist deshalb, den natürlichen Wasserhaushalt Schritt für Schritt wiederherzustellen.

Bei der Moorrenaturierung geht es nicht einfach darum, möglichst viel Wasser auf einer Fläche anzustauen. Entscheidend ist vielmehr ein stabiler und möglichst naturnaher Wasserhaushalt. Dafür werden beispielsweise Entwässerungsgräben verschlossen, Wasserstände reguliert und Gehölze entfernt, die dem Moor zusätzlich Wasser entziehen können. (Greensurance Stiftung)

Der Teichmönch: Wasserstand gezielt regulieren

Eine wichtige Maßnahme an den Weilheimer Moorseen war die Installation eines sogenannten Teichmönchs.

Ein Teichmönch ist eine Vorrichtung zur Regulierung des Wasserstands. An unserem Moorsee wurde er im Winter 2023/2024 im Ablauf installiert. Sein Ziel: den Wasserstand zu stabilisieren und damit bessere Bedingungen für die weitere Entwicklung des renaturierten Moorlebensraums zu schaffen. (Greensurance Stiftung)

Das ist insbesondere deshalb wichtig, weil natürliche Dynamiken und menschliche Eingriffe miteinander in Einklang gebracht werden müssen. An einem unserer Moorseen sorgt beispielsweise auch ein Biber für zusätzliche Veränderungen des Wasserstands. Der Teichmönch hilft dabei, den Wasserstand unabhängig von wechselnden Biberdämmen stabiler zu halten. (Greensurance Stiftung)

Die Renaturierung ist damit kein einmaliger Eingriff. Sie ist ein Prozess, der beobachtet, kontrolliert und immer wieder angepasst werden muss.

Was bringt Moorrenaturierung?

Die positiven Auswirkungen einer erfolgreichen Moorrenaturierung gehen weit über den Wasserstand eines einzelnen Sees hinaus.

💧 Wasserrückhalt

Ein stabiler Wasserhaushalt ist die Grundlage für ein funktionierendes Moor. Wiedervernässte Flächen können dazu beitragen, Wasser länger in der Landschaft zu halten und Trockenperioden besser abzufedern. Genau deshalb sind Moore auch für die Klimaanpassung interessant. (Greensurance Stiftung)

🌱 Mehr Lebensraum für moortypische Arten

Viele spezialisierte Pflanzen und Tiere sind auf dauerhaft feuchte Lebensräume angewiesen. Werden Moore entwässert, verschwinden diese Bedingungen – und damit häufig auch die daran angepassten Arten.

Durch die Wiedervernässung können sich nach und nach wieder moortypische Pflanzen und Lebensgemeinschaften etablieren. Die Wasserstandsstabilisierung schafft dafür wichtige Voraussetzungen. (Greensurance Stiftung)

🦋 Mehr Biodiversität

Moore gehören zu den besonders wertvollen Lebensräumen für die biologische Vielfalt. Die Weilheimer Moorseen bieten bereits heute zahlreichen Arten einen Lebensraum. So wird dort beispielsweise regelmäßig ein Eisvogel beobachtet; auch Biber haben sich angesiedelt. (Greensurance Stiftung)

Renaturierung bedeutet deshalb immer auch: Lebensräume erhalten, entwickeln und miteinander vernetzen.

🌍 Klimaschutz

Und schließlich haben Moore eine herausragende Bedeutung für den Klimaschutz. In intakten Mooren wird Kohlenstoff über lange Zeiträume im Torf gespeichert. Werden Moore jedoch entwässert, wird der Torf dem Sauerstoff ausgesetzt und kann sich zersetzen – dabei werden Treibhausgase freigesetzt.

Die Wiedervernässung ist deshalb ein zentraler Baustein des natürlichen Klimaschutzes. Die Greensurance Stiftung versteht Moorschutz entsprechend als Klimaschutz vor Ort. (Greensurance Stiftung)

Ein kleiner See mit großer Wirkung

Die Weilheimer Moorseen sind zwei ökologisch wertvolle Flächen, die die Greensurance Stiftung im Jahr 2022 erwerben konnte. Zusammen umfassen sie 4,3 und 1,5 Hektar. Sie sind Lebensraum für seltene Arten und Bestandteil der Moor- und Klimaschutzarbeit der Stiftung. (Greensurance Stiftung)

Was wir heute am Wasserstand beobachten können, ist dabei nur ein kleiner Ausschnitt einer langfristigen Entwicklung.

Renaturierung braucht Zeit.

Ein Moor lässt sich nicht von heute auf morgen wiederherstellen. Wasserstände müssen sich stabilisieren, Pflanzen müssen sich neu etablieren und Lebensgemeinschaften entwickeln sich über Jahre und Jahrzehnte. Gleichzeitig müssen die Maßnahmen regelmäßig überprüft und an die Entwicklung vor Ort angepasst werden.

Umso wichtiger sind sichtbare Veränderungen wie diese: Wenn der Moorsee auch nach Hitze und Trockenheit noch Wasser führt, zeigt sich, dass Maßnahmen zum Wasserrückhalt Wirkung entfalten können.

Klimaschutz zum Anfassen

Genau das ist für uns der besondere Wert unserer Moorprojekte: Klimaschutz bleibt nicht abstrakt.

Man kann ihn sehen.

Man kann ihn besuchen.

Und man kann beobachten, wie sich eine Landschaft durch gezielte Maßnahmen Schritt für Schritt verändert.

Die Greensurance Stiftung setzt sich deshalb für die Renaturierung von Mooren in Deutschland ein – insbesondere in Oberbayern. Die Projekte verbinden Klimaschutz, Klimaanpassung, Wasserrückhalt und Biodiversität direkt vor Ort. (Greensurance Stiftung)

Unterstützen Sie den Moorschutz

Sie möchten selbst dazu beitragen, Moore zu schützen und zu renaturieren?

Mit einer Moorpatenschaft unterstützen Sie die Arbeit der Greensurance Stiftung und leisten einen konkreten Beitrag zum Klima- und Naturschutz. Die Moorprojekte befinden sich in Deutschland und können von MoorPatinnen und MoorPaten besucht werden. (Greensurance Stiftung)

Mehr über Moorpatenschaften erfahren

Denn manchmal beginnt Klimaschutz ganz einfach dort, wo Wasser bleibt.

Video: Unser Moorsee trotz Hitze und Trockenheit

In unserem aktuellen Video zeigen wir den Moorsee direkt vor Ort und geben Einblicke in die Entwicklung der Fläche, die Moorrenaturierung und die Bedeutung des Wasserstands.

Jetzt das Video auf YouTube ansehen

Moor schützen. Wasser halten. Klima bewahren.

#Moorrenaturierung #Moorschutz #Moorsee #Wasserrückhalt #Klimaschutz #Klimaanpassung #Biodiversität #Teichmönch #GreensuranceStiftung #Naturschutz

ASSESI in der aktuellen Ausgabe von Ökologisches Wirtschaften

In der aktuellen Ausgabe 2/2026 der Fachzeitschrift Ökologisches Wirtschaften (oekom Verlag, 41. Jahrgang) ist ein Beitrag zu ASSESI erschienen. Unter dem Titel „Die Versicherungsbranche zwischen EmpCo, Greenwashing und Greenhushing“ ordnen Jessica Reichard (Projektmanagerin Sustainable Finance VfU und Mitglied im ASSESI-Projektbeirat) und unsere Kollegin Martina Gruß-Kilian  für ein Fachpublikum ein, warum nachhaltige Versicherungsprodukte einen eigenen, überprüfbaren Standard brauchen und wie ASSESI diesen entwickelt.

Wir freuen uns, dass ASSESI mit diesem Beitrag Teil der fachlichen Debatte in Ökologisches Wirtschaften ist.

Wer Interesse an dem Voll-Artikel hat, kann sich gerne bei uns melden: info@assesi.eu oder als Abonnent der Zeitschrift über den folgenden Link darauf zugreifen: https://www.oekologisches-wirtschaften.de/index.php/oew/article/view/2173

Hier eine Übersicht aller weiteren Artikel der Ausgabe: https://www.oekologisches-wirtschaften.de/index.php/oew/issue/view/185

Wesentliche Inhalte des Beitrags

Ausgangspunkt ist die EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825, die ab September 2026 die Anforderungen an Nachhaltigkeitsaussagen deutlich verschärft: Umweltbezogene Werbung muss künftig wissenschaftlich fundiert, überprüfbar und transparent sein. Für Versicherungen ist das eine besondere Herausforderung, da Versicherungsprodukte immateriell und komplex sind und ihre Nachhaltigkeitsleistung erst aus dem Zusammenspiel von Leistungen, Schadenprozessen, Prävention, Kapitalanlage und Unternehmensführung ergibt. Zugleich fehlt bislang eine anerkannte, einheitliche Definition eines nachhaltigen Versicherungsprodukts. Dies kann sowohl Greenwashing als auch Greenhushing begünstigen.

Genau hier setzt ASSESI an, initiiert durch die Greensurance Stiftung und gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (AZ 39471/01). Der Beitrag stellt den zweigleisigen Ansatz des Projekts vor:

  • Das ASSESI-Label als ein verbraucherschutzorientiertes Nachhaltigkeitssiegel orientiert an den Vorgaben für Typ-I-Umweltzeichen-Norm ISO 14024, mit KPI-gestützten Prüfkriterien und Bewertung durch unabhängige Dritte.
  • Entwicklung einer DIN-Norm als ein überwiegend prinzipienorientierter, normativer Rahmen für die EmpCo-konforme Entwicklung und Vermarktung von Versicherungsprodukten.

Für die Versicherungswirtschaft entsteht damit ein kohärenter Handlungsrahmen, der Rechtssicherheit im Umgang mit EmpCo schafft und Nachhaltigkeit von einem schwer steuerbaren Kommunikationsrisiko zu einem prüfbaren Qualitätsmerkmal macht.

 

Verfasst wurde der Beitrag in der Ausgabe Ökologisches Wirtschaften von Jessica Reichard (links) und Martina Gruß-Kilian (rechts).

Greensurance Nachhaltigkeitsschulung der Waldenburger Versicherung

Nachhaltigkeitsschulung der Waldenburger Versicherung

Zwei Tage, drei Themenblöcke, eine zentrale Frage: Wie geht die Versicherungsbranche verantwortungsvoll mit dem Klimawandel um? Am 22. und 23. Juli 2026 durften wir dazu wieder die gesamte Belegschaft der Waldenburger Versicherung schulen – von den naturwissenschaftlichen Grundlagen über die Regulatorik der EmpCo bis zur Frage, wie sich Nachhaltigkeit im Kompositgeschäft künftig belastbar nachweisen lässt.

Themenblock 1: Umwelt- und Klimaveränderungen: Ursachen, Ereignisse, Folgen

Bewusst haben wir die Schulung mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen begonnen, bevor es an Regulatorik und Labels ging. Denn bevor man über Siegel, Kriterien und Nachweispflichten spricht, muss der Ernst der Lage klar sein: Der Klimawandel ist kein Zukunftsthema mehr, sondern findet bereits jetzt statt – wir stecken mittendrin!

Ein zentraler Treiber dahinter sind die Weltmeere: Sie fungieren als riesiger Wärmespeicher und haben über 90 % der zusätzlichen Wärme, die der Treibhauseffekt seit Beginn der Industrialisierung erzeugt, aufgenommen. Das erklärt, warum sich die Erderwärmung an Land bislang in Grenzen hält – der Preis dafür sind aber steigende Wassertemperaturen, Versauerung und ein steigender Meeresspiegel. Seit 2023 liegt die globale Meeresoberflächentemperatur außerhalb des historischen Bandes, tagesaktuell nachvollziehbar beim Climate Reanalyzer der University of Maine – ein Hinweis darauf, dass hier möglicherweise bereits ein Kipppunkt überschritten wurde.

Auf diesen erhöhten Sockel setzt ein natürlicher Zyklus auf: El Niño. Seit Juni 2026 gilt eine offizielle NOAA-Advisory, mit über 95 % Wahrscheinlichkeit hält das Ereignis bis in den Winter 2026/27 an. Die Folgen sind globale Dürre in Südostasien, Australien und dem südlichen Afrika, Überschwemmungen in Südamerika, Korallenbleiche, einbrechende Fischbestände.

Quellen:

Themenblock 2: EmpCo-Richtlinie und Greenhushing

Nachdem der erste Themenblock den Ernst der Lage verdeutlicht hat, ging es im zweiten Teil um die Frage, wie die Versicherungsbranche mit diesem Handlungsdruck rechtssicher umgehen kann – denn Nachhaltigkeit zu betreiben ist das eine, glaubwürdig und regelkonform darüber zu kommunizieren das andere. Dafür setzt die EmpCo-Richtlinie nämlich künftig neue Standards.

Die EmpCo-Richtlinie (EU 2024/825 – Directive on empowering consumers for the green transition) wurde bereits am 28. Februar 2024 verabschiedet und ist Teil des europäischen Green Deals. Sie ergänzt das bestehende Lauterkeitsrecht (in Deutschland über die 3. UWG-Novelle umgesetzt) um konkrete Verbote gegen Greenwashing und Social Washing. Wichtig dabei: Die Richtlinie gilt für alle Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen in der EU vermarkten – unabhängig von Branche, Größe oder Herkunftsland. Ab dem 27. September 2026 sind die neuen Vorschriften anzuwenden. Bei Verstößen drohen neben Abmahnungen und Unterlassungsansprüchen Sanktionen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes.

Im Kern verbietet sie unbelegte, pauschale Umweltaussagen wie „nachhaltig“ oder „umweltfreundlich“: Eine Aussage ist nur zulässig, wenn sie sich auf einen konkreten, nachprüfbaren Nutzen zurückführen lässt. Zusätzlich stellt die EmpCo eigene, strengere Anforderungen an Nachhaltigkeitssiegel: Sie dürfen künftig nur noch verwendet werden, wenn dahinter eine unabhängige Drittprüfung, öffentlich einsehbare Kriterien und ein echtes Sanktions- und Zertifizierungssystem stehen. Bei Verstößen drohen Sanktionen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes.

Die Folge dieser wachsenden Regulierungsdichte (EmpCo, UWG-Novelle, CSRD, EU-Taxonomie) ist ein Phänomen, das wir für mindestens so problematisch halten wie Greenwashing: Greenhushing. Dabei verschweigen oder verwässern Unternehmen bewusst ihre tatsächlichen Nachhaltigkeitsleistungen, statt – wie beim Greenwashing – mit unbelegten Aussagen zu werben. Der Grund ist meist schlicht Unsicherheit darüber, was rechtlich noch „sicher“ kommuniziert werden darf. Verstärkt wird dieser Effekt überall dort, wo anerkannte Zertifizierungssysteme fehlen: Ohne Siegel bleiben Unternehmen nur ihre unternehmensinternen Nachweise, und das Abmahnrisiko steigt spürbar. Und für Komposit-Versicherungsprodukte fehlt ein solches Siegel bislang vollständig – mit entsprechend hoher Gefahr für einen Nachhaltigkeits-Backlash in der Versicherungsbranche.

Themenblock 3: Projekt ASSESI

Im dritten und letzten Themenblock ging es um unsere eigene Antwort auf diese Lücke: das ASSESI-Projekt der Greensurance Stiftung, aufgeteilt in drei eng verzahnte Bausteine:

ASSESI-Label: Das Kernstück, für das wir auch die DBU-Förderung erhalten haben, ist die Entwicklung eines EmpCo-konformen Nachhaltigkeits-Produktsiegels für die drei klassischen Retail-Sparten Privathaftpflicht, Wohngebäude und Hausrat. Dabei orientieren wir uns an DIN EN ISO 14024 (Umweltkennzeichen Typ I), erarbeiten jedoch Kriterien über alle ESG-Dimensionen hinweg. Nach außen wird das ASSESI-Label ein einheitliches Siegel ohne sichtbare Niveaustufen sein, dahinter steckt jedoch ein ausgeklügeltes Bewertungssystem: Für alle drei Sparten gelten zunächst übergeordnete K.-o.-Kriterien (etwa zu Vertrieb & Kommunikation), die zwingend erfüllt sein müssen. Darüber hinaus erhält jede Sparte einen eigenen Kriterienkatalog mit einer umfassenden Sammlung nachhaltiger Leistungsbausteine, die je nach Wirkung unterschiedlich gewichtet sind und entsprechend unterschiedlich viele Punkte einbringen. Mit dem ASSESI-Label ausgezeichnet wird ein Produkt dann, wenn es sowohl die übergeordneten K.-o.-Kriterien erfüllt als auch in Summe eine festgelegte Mindestpunktzahl aus dem sparten-spezifischen Kriterienkatalog erreicht. Wer die Mindestpunktzahl deutlich übertrifft, wird dabei zusätzlich belohnt: Statt der regulären Rezertifizierung nach einem Jahr verlängert sich der Zertifizierungszyklus dann auf zwei oder sogar drei Jahre.

Die Kriterien durchlaufen dabei einen mehrstufigen Entwicklungsprozess: interne Abstimmung, KPI-Workshops mit Versicherungsunternehmen, Einbindung des diversen Projektbeirats, eine vorläufige Entscheidung und schließlich eine öffentliche Konsultation – flankiert von laufender Recherche, Analysen und Expert:inneninterviews durch das ASSESI-Projektteam.

ASSESI-Association: Da Lizenzgebühren für das Siegel allein nicht ausreichen werden, um das Label langfristig weiterzuentwickeln und zu pflegen, bauen wir parallel ein europäisches Verbundnetzwerk auf – die Association of European Sustainable Insurers. ASSESI ist jedoch bewusst kein klassischer Verein: ASSESI-Supporter können Versicherer, Makler oder auch Institutionen sein, ausdrücklich auch solche, die (noch) kein Produkt nach dem ASSESI-Label zertifizieren lassen. Statt Mitgliedsbeiträgen gibt es jährliche, nach Bruttobeiträgen gestaffelte Unterstützungsbeiträge. Im Gegenzug profitieren Supporter von gemeinsamer Interessenvertretung gegenüber Regulierung und Politik, exklusiven Events und Webinaren, Wissens- und Ressourcentransfer sowie einem europäischen Netzwerk aus Versicherern.

DIN-Arbeitskreis: Parallel wird von Marcus Reichenberg auch ein DIN-Arbeitskreis für nachhaltige Kompositversicherungsprodukte geleitet. Dort entsteht eine Technische Spezifikation zur ISO 32211 – ein prinzipienorientierter statt regelbasierter Standard. Der Unterschied lässt sich am besten an einem Beispiel zeigen: Ein Prinzip formuliert allgemein, was ein nachhaltiges Kompositprodukt leisten soll – etwa das Prinzip der Lenkungswirkung, also dass ein Produkt Verbraucher:innen aktiv zu nachhaltigerem Verhalten bewegt. Ein regelbasierter Standard wie das ASSESI-Label übersetzt dieses Prinzip dann in ein konkretes, prüfbares Kriterium: Für die Lenkungswirkung könnte das etwa der KPI sein, dass die Schadenanzeige einen Nachhaltigkeitshinweis enthalten muss, der Verbraucher:innen dazu anregt, die nachhaltigen Leistungen des Produkts in Anspruch zu nehmen. Die ISO-TS orientiert sich dabei an der Generationengerechtigkeit nach Brundtland. Als Grundlage für ein Verbrauchersiegel eignet sich eine ISO-TS allerdings nicht: Die zugrundeliegenden Kriterien müssten dafür öffentlich zugänglich sein – DIN-Dokumente sind aber in der Regel nur kostenpflichtig einsehbar. Hinzu kommt, dass sich Prinzipien allein nur schwer auditieren lassen, da ein Audit konkrete, regelbasierte KPIs braucht. Die DIN-TS dient deshalb als fachliche Grundlage, auf der weitere, regelbasierte Standards für ein Verbrauchersiegel – wie eben das ASSESI-Label – entwickelt werden können.

Unser Fazit

Mit kaum einem anderen Unternehmen verbindet uns eine so besondere gemeinsame Geschichte wie mit der Waldenburger Versicherung – umso mehr freut es uns, dass wir wieder eine Nachhaltigkeitsschulung geben durften.

Inhaltlich konnten wir den Bogen über drei Themenblöcke spannen: Die physikalische Realität des Klimawandels zeigt, dass Handeln keine Frage der Zukunft mehr ist. Gleichzeitig sorgt die EmpCo-Richtlinie mit ihren strengen Anforderungen an Umweltaussagen und Nachhaltigkeitssiegel dafür, dass genau in diesem entscheidenden Moment die Kommunikation über echte Nachhaltigkeitsleistungen zu verstummen droht.

Unser Appell: Mut zur Nachhaltigkeit statt Greenhushing! Denn Schweigen ist keine Lösung: Wenn ausgerechnet die Unternehmen verstummen, die tatsächlich etwas zu zeigen haben, verliert der Markt seine Orientierung – und mit ihr das Vertrauen, das Nachhaltigkeitskommunikation eigentlich stärken soll. Wir lesen die EmpCo deshalb bewusst nicht als Bremse, sondern als Einladung: Wer sein Engagement mit belastbaren Nachweisen unterlegt, kann sich damit gerade jetzt glaubwürdig von Anbietern abheben, die es mit der Nachhaltigkeit weniger ernst meinen. Mit dem ASSESI-Label, der Association und dem DIN-Arbeitskreis arbeiten wir genau an dieser Grundlage.

Vielen Dank an die Waldenburger Versicherung für das entgegengebrachte Vertrauen und den spannenden Austausch – gerne wieder!

Machen Sie mit bei ASSESI! Ob als Supporter der Association, als Pilotversicherer für das ASSESI-Label oder als Mitgestalter:in der Kriterien in unseren KPI-Workshops – wer Interesse hat, sich einzubringen, meldet sich gerne unter: rzepecki@assesi.eu

 

 

ASSESI auf der Sustainable Insurance Convention 2026 in Leipzig

Auch in diesem Jahr waren wir wieder bei der Sustainable Insurance Convention in Leipzig – und wie immer restlos begeistert von der familiären, lockeren und mutmachenden Atmosphäre, die diese Veranstaltung so besonders macht. 

Eine ganz besondere Freude war in diesem Jahr, dass die SIC ihr fünfjähriges Jubiläum feierte und wir mitfeiern durften. Es ist wirklich großartig, dass es die SIC gibt – und dass sich die Versicherungsbranche seither einmal im Jahr explizit zwei Tage lang ganz dem Thema Nachhaltigkeit widmet. 

Die Sustainable Insurance Convention (SIC) hat sich in den vergangenen Jahren als zentrale Plattform für nachhaltige Entwicklungen in der Versicherungswirtschaft etabliert. Auch die diesjährige Ausgabe der Fachkonferenz am 9. und 10. Juni 2026 machte deutlich: Nachhaltigkeit ist längst kein Nischenthema mehr, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Zukunft der Branche. 

Die Auswirkungen des Klimawandels, globale Krisen sowie tiefgreifende gesellschaftliche und wirtschaftliche Transformationsprozesse stellen Versicherungsunternehmen zunehmend vor neue Herausforderungen. Steigende Schadensaufkommen, veränderte Risikoprofile und wachsende regulatorische Anforderungen zeigen, dass Nachhaltigkeit weit über den Klimaschutz hinausgeht und zunehmend alle Bereiche des Versicherungsgeschäfts betrifft. 

Unter dem Leitgedanken „Risiko, Impact und Chance“ brachte die SIC 2026 erneut Entscheider:innen, Fachleute und Innovatoren aus der gesamten Versicherungswirtschaft zusammen – von Vertrieb und Kommunikation über Produktentwicklung bis hin zur Kapitalanlage.  

Wir nutzten die Veranstaltung, um auf den aktuellen Entwicklungsstand zu ASSESI bzw. dem ASSESI-Label, den ersten Nachhaltigkeitsstandard für Komposit-Versicherungen, einem breiten Fachpublikum vorzustellen. Daneben haben wir die Gelegenheit genutzt, altbekannte Gesichter wiederzutreffen, uns endlich wieder persönlich statt nur virtuell auszutauschen und mit großer Begeisterung den Vorträgen anderer Referent:innen zu lauschen. 

Mut zur Nachhaltigkeit: ASSESI statt Greenhushing 

Im Rahmen unseres Vortrags „Mut zur Nachhaltigkeit: ASSESI statt Greenhushing“ stellte ASSESI-Projektleiterin Isabell Rzepecki vor, wie Versicherungsunternehmen zukünftig ihre Nachhaltigkeitsleistungen transparent, glaubwürdig und rechtssicher kommunizieren können. 

Im Mittelpunkt stand das derzeit in Entwicklung befindliche ASSESI-Label. Es soll Versicherern künftig dabei helfen, echte Nachhaltigkeitsleistungen sichtbar zu machen und rechtssicher zu belegen. Damit bietet ASSESI eine wichtige Orientierung in einem Umfeld, in dem viele Unternehmen zunehmend zurückhaltend kommunizieren. Dieses sogenannte Greenhushing – das bewusste Verschweigen nachhaltiger Eigenschaften aus Sorge vor Greenwashing-Vorwürfen – gewinnt insbesondere vor dem Hintergrund der bevorstehenden Umsetzung der EmpCo-Richtlinie in deutsches Recht weiter an Bedeutung. 

Wir haben uns sehr über die große Resonanz auf unseren Vortrag gefreut – der Raum war gut gefüllt, und im Anschluss gab es zahlreiche Gespräche mit Branchenexpert:innen, Entscheidungsträger:innen und Nachhaltigkeitspionieren. Das Feedback war durchweg positiv, gleichzeitig spürten wir auch echten Respekt vor der Größe der Aufgabe, die wir uns mit dem ASSESI-Label vorgenommen haben. Beides zeigt uns: Es gibt ein großes Interesse an praktikablen Lösungen für eine glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation – und ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass ein solcher Standard sorgfältig und verantwortungsvoll entwickelt werden muss. 

ASSESI auf den wichtigsten Branchenveranstaltungen vertreten 

Mit der Sustainable Insurance Convention 2026 war ASSESI beziehungsweise das ASSESI-Label innerhalb der vergangenen zwölf Monate auf allen drei bedeutenden Leitveranstaltungen der Versicherungsbranche präsent: 

  • DKM – die Leitmesse der Finanz- und Versicherungswirtschaft
  • InsureNXT – die führende Plattform für Digitalisierung und Innovation in der Versicherungsbranche 
  • Sustainable Insurance Convention (SIC) – die zentrale Fachveranstaltung für Nachhaltigkeit im Versicherungswesen 

Die kontinuierliche Präsenz auf diesen Veranstaltungen unterstreicht die wachsende Relevanz des ASSESI-Labels als zukünftigen Standard für nachhaltige Versicherungsprodukte und eine transparente Nachhaltigkeitsbewertung. 

Netzwerken, Austausch und neue Impulse 

Neben den Fachvorträgen bot die SIC 2026 zahlreiche Gelegenheiten für persönlichen Austausch und interaktive Diskussionen. Die Veranstaltung zeigte einmal mehr, wie wichtig der Dialog zwischen Versicherungsunternehmen, Wissenschaft, Verbänden und Nachhaltigkeitsexpert:innen für die Weiterentwicklung der Branche ist. 

Besonders intensiv diskutiert wurden folgende Themen: 

  • Transparenz und Glaubwürdigkeit in der Nachhaltigkeitsberichterstattung 
  • Innovative Versicherungsprodukte mit ökologischem und sozialem Mehrwert 
  • Regulatorische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Branche 

Die vielen Gespräche und neuen Kontakte lieferten wertvolle Impulse für zukünftige Kooperationen. 

Ausblick: Nachhaltigkeit braucht Transparenz, Standards und Zusammenarbeit 

Die SIC 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, dass die Versicherungswirtschaft den Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit aktiv gestaltet. Gleichzeitig wurde deutlich, dass dieser Weg Mut, Verbindlichkeit und gemeinsame Lösungen erfordert. 

Mit dem ASSESI-Label entwickelt die Greensurance Stiftung einen Standard, der Versicherungsunternehmen dabei unterstützen soll, Nachhaltigkeit nachvollziehbar zu bewerten und glaubwürdig zu kommunizieren. Veranstaltungen wie die Sustainable Insurance Convention leisten dabei einen wichtigen Beitrag, indem sie Wissen bündeln, Akteure vernetzen und den fachlichen Austausch fördern. 

Wir bedanken uns für die zahlreichen inspirierenden Gespräche und freuen uns darauf, gemeinsam mit unseren Partnern die Zukunft nachhaltiger Versicherungen weiter voranzutreiben. 

#SIC2026 #ASSESI #NachhaltigeVersicherungen #GreensuranceStiftung #SustainableFinance #SustainableInsurance #Nachhaltigkeitskommunikation 

Stellungnahme zum GModG – Gebäudemodernisierungsgesetz

Unser Geschäftsführer Marcus Reichenberg hat am 11.05.2026 – innerhalb einer extrem kurzen Frist – eine Stellungnahme zum Referentenentwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) eingereicht.
Damit reiht sich die Greensurance Stiftung in eine Vielzahl von Stimmen ein, die den Entwurf aus fachlicher, regulatorischer und klimapolitischer Perspektive kritisch bewerten.

Zeitdruck statt sorgfältiger Gesetzgebung

Auffällig ist zunächst der zeitliche Rahmen: Für die Einreichung fundierter Stellungnahmen blieb lediglich ein Zeitraum von wenigen Tagen. Ein derart eng gestecktes Fristenregime wirft Fragen hinsichtlich der Qualität und Offenheit des Gesetzgebungsprozesses auf. Gerade bei einem Gesetz mit weitreichenden Auswirkungen auf Klimaschutz, Gebäudebestand und Energieversorgung wäre eine breitere fachliche Einbindung notwendig gewesen. Die Greensurance Stiftung hat ihre Stellungnahme auf Grundlage dieses Dokuments fristgerecht eingereicht – ob sie noch rechtzeitig berücksichtigt wird, bleibt jedoch offen.

Zentrale Kritik: Irreführende Terminologie und Greenwashing-Risiken

Im Mittelpunkt der Kritik steht die Einführung des Begriffs „Bioöl“ im Referentenentwurf. Was zunächst nach einem Schritt in Richtung Nachhaltigkeit klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als problematisch. Die Greensurance Stiftung weist darauf hin, dass der Begriff „Bio“ im rechtlichen und gesellschaftlichen Kontext eindeutig mit ökologischer Produktion und überprüfbaren Nachhaltigkeitsstandards verbunden ist. Die im Gesetz adressierten Brennstoffe erfüllen diese Anforderungen jedoch regelmäßig nicht.

Stattdessen handelt es sich häufig um Produkte:

  • auf Basis konventionell erzeugter Biomasse
  • mit fossilen Vorprodukten (z. B. Methanol aus Erdgas oder Kohle)
  • oder mit Rohstoffen aus globalen Lieferketten, die wiederum erhebliche ökologische Nachteile mit sich bringen können

Die Verwendung des Begriffs „Bio“ suggeriert somit eine Nachhaltigkeit, die faktisch nicht hinreichend belegt ist. Aus Sicht der Greensurance Stiftung entsteht hier ein erhebliches Risiko für Greenwashing, das auch im Widerspruch zur EmpCo-Richtlinie steht, die irreführende Umweltangaben ausdrücklich vermeiden will.

Systemisches Problem: Begriff statt Substanz

Die Kritik geht jedoch über eine bloße Begriffsdiskussion hinaus. Sie betrifft das Grundverständnis von Klimapolitik im Gebäudesektor.

Wenn zentrale Begriffe unscharf oder bewusst positiv aufgeladen sind, entsteht ein politisches Signal, das den tatsächlichen Transformationsbedarf verschleiert. Technologien oder Energieträger erscheinen nachhaltiger, als sie tatsächlich sind – mit der Folge, dass notwendige strukturelle Veränderungen verzögert werden. Die im Entwurf angedeutete sogenannte „Technologieoffenheit“ wird aus dieser Perspektive kritisch interpretiert: Nicht als neutraler Ansatz, sondern als potenzielle Verlangsamung echter Transformation zugunsten bestehender fossiler Strukturen.

Fachlicher Gegenvorschlag: Präzision statt Narrative

Die Greensurance Stiftung schlägt daher einen klaren, fachlich belastbaren Ansatz vor: terminologische Präzisierung.

Konkret wird empfohlen:

  • „Bioöl“ durch„Agraröl“ zu ersetzen
  • „Biomethan“ durch„Agrarmethan“
  • „Biogas“ durch „Agrargas“

Diese Begrifflichkeiten stellen nicht auf eine suggerierte Nachhaltigkeit ab, sondern auf den tatsächlichen Rohstoffursprung.

Damit wird ein zentraler Beitrag geleistet:

  • zur Transparenz für Verbraucher:innen
  • zur Vermeidung irreführender Kommunikation
  • zur regulatorischen Konsistenz im EU-Rahmen

Generationengerechtigkeit und Flächenkonflikte

Über die terminologische Ebene hinaus wirft der Entwurf grundlegende Fragen auf:

  • Woher sollen die Rohstoffe für die künftig verstärkt eingesetzten biogenen Energieträger stammen?
  • Welche Flächen werden dafür genutzt?
  • Und in welchem Verhältnis stehen diese Nutzungen zu Ernährungssicherheit, Biodiversität und globalen Klimazielen?

Bereits in der Vergangenheit – etwa in der sogenannten „Teller-oder-Tank“-Debatte – wurde deutlich, dass die energetische Nutzung landwirtschaftlicher Flächen erhebliche Zielkonflikte erzeugt. Das GModG wird den Ausverkauf unserer landwirtschaftlichen Flächen sowie die Industrialisierung der Landwirtschaft vorantreiben, mit all den damit verbundenen Nachteilen. Die Chemiebranche wird sich freuen, weil auf Pestizide ein weiterer Boom zukommen wird, mit dem Ergebnis des weiteren Biodiversität Verlustes unserer Flora und Fauna.

Stimme aus der Praxis: Fachkongress und gesellschaftliche Debatte

Die kritische Bewertung des GModG-Entwurfs wird auch durch die Diskussionen auf dem 25. Bundeskongress des GIH-Bundesverbands für Energieberatende gespiegelt. Dort wurde deutlich, dass ein erheblicher Teil der Fachöffentlichkeit die vorgelegten Regelungen als unzureichend einstuft.

Gleichzeitig wird sichtbar: Der Diskurs ist nicht rein fachlich – er ist gesellschaftlich. Es geht um Vertrauen in politische Prozesse, um Transparenz und um die Frage, wie ernst Klimaziele tatsächlich genommen werden.

Fazit: Mehr als ein Gesetz – eine Richtungsentscheidung

Der Referentenentwurf zum GModG ist mehr als eine technische Anpassung bestehender Regelwerke. Er setzt klare Signale für die zukünftige Ausrichtung der Energie- und Klimapolitik im Gebäudesektor.

Die Greensurance Stiftung kommt in ihrer Stellungnahme zu einem eindeutigen Ergebnis:

Die derzeit gewählte Terminologie ist fachlich nicht haltbar und birgt erhebliche Risiken für Greenwashing und Verbrauchertäuschung. Eine sachlich präzise, transparente und regulatorisch konsistente Sprache ist kein Detail – sie ist Voraussetzung für wirksame Klimapolitik.

Hinweis zum Bildmaterial

Das zugehörige Blogbild zeigt Marcus Reichenberg  gemeinsam mit Luisa Neubauer auf dem GIH-Bundeskongress der Interessensvertretung der Energieberatenden.

insureNXT 2026: Innovation trifft Nachhaltigkeit – und wir sind mittendrin

Am 20. und 21. Mai 2026 wird Köln erneut zum Hotspot der Versicherungsbranche: Die insureNXT 2026 bringt Entscheider:innen, Start-ups, Technologieanbieter und Vordenker zusammen, um die Zukunft der Versicherung neu zu denken.

Die Veranstaltung ist eine der führenden Plattformen für Innovation in der Branche – mit Expo, Konferenzprogramm und zahlreichen Networking-Formaten. Im Mittelpunkt stehen Themen wie digitale Transformation, Künstliche Intelligenz und kundenzentrierte Geschäftsmodelle.

Greensurance Stiftung vor Ort am Guidewire-Stand

Auch wir sind dieses Jahr Teil der insureNXT: Die Greensurance Stiftung ist am Stand von Guidewire Software vertreten.

Das passt perfekt, denn gerade in der Versicherungswirtschaft gewinnt das Thema Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung. Versicherer stehen vor der Herausforderung, Klimarisiken zu bewerten, Schäden zu minimieren und aktiv zur Transformation beizutragen – genau hier setzen wir an.

Kommt gerne bei uns auf einen Kaffee vorbei! Wir freuen uns auf den Austausch, neue Perspektiven und spannende Gespräche.

Moorrenaturierung: Klimaschutz mit enormem Potenzial

Ein zentrales Thema, das wir mitbringen: Die Moorrenaturierung.

Intakte Moore sind wahre Klimaschützer – sie speichern enorme Mengen CO₂. Werden sie jedoch entwässert, kehrt sich dieser Effekt um, und sie werden zu Emissionsquellen. Die Wiedervernässung von Mooren ist daher eine der effektivsten Maßnahmen im natürlichen Klimaschutz.

Gerade für Versicherungen ist das relevant:

  • Prävention statt Schadensregulierung
  • Naturbasierte Lösungen gegen Extremwetterfolgen
  • Nachhaltige Investments mit messbarem Impact

Wenn ihr wissen wollt, wie sich diese Themen konkret mit Versicherungsmodellen verbinden lassen – sprecht uns an!

Das Moorschutz-Rad: Nachhaltigkeit erlebbar machen

Moorschutz-Rad
Moorschutz-Rad

Ein besonderes Highlight Highlight am Guidewire-Stand F-020: das Moorschutz-Rad.

Hier wird Klimaschutz greifbar und verständlich – auf interaktive Weise zeigen wir, wie Moore funktionieren, warum sie so wichtig sind und welchen Beitrag jede:r leisten kann.

Perfekt für alle, die nicht nur zuhören, sondern Nachhaltigkeit aktiv erleben möchten.

 

Warum sich ein Besuch lohnt

Die insureNXT ist mehr als nur eine Messe: Sie ist ein Ort, an dem neue Ideen entstehen und Partnerschaften wachsen. Über 3.500 Teilnehmende, rund 150 Aussteller und ein hochkarätiges Bühnenprogramm zeigen, wie dynamisch sich die Versicherungswelt aktuell entwickelt.

Ob neue Technologien, innovative Geschäftsmodelle oder konkrete Lösungen für aktuelle Herausforderungen – hier bekommt man einen echten Einblick in die Zukunft der Branche.

Lasst uns ins Gespräch kommen

Die insureNXT lebt vom Austausch – und genau darauf freuen wir uns.

Ob ihr euch für nachhaltige Versicherungsmodelle interessiert, mehr über Moorrenaturierung erfahren möchtet oder einfach neugierig seid, was wir als Greensurance Stiftung machen:

Kommt vorbei, lernt uns kennen und lasst uns gemeinsam über die Zukunft sprechen.

Wir sehen uns in Köln!

Nachhaltigkeit messbar machen: Das ASSESI-Projekt beim VfU Forum Insurance vorgestellt

Im Rahmen des VfU Forum Insurance wurde ein zentrales Zukunftsthema der Versicherungsbranche aufgegriffen: die Frage, wie Nachhaltigkeit in Versicherungsprodukten messbar, vergleichbar und für Kund:innen transparent gemacht werden kann. Im Mittelpunkt stand dabei das ASSESI-Projekt, welches im Rahmen der Veranstaltung von der Projektleitung Isabell Rzepecki stellvertretend vorgestellt wurde.

Nachhaltigkeitslabel: Lücke in der Versicherungsbranche

Verbraucher:innen sind es längst gewohnt, sich an Nachhaltigkeitslabeln zu orientieren. Bekannte Siegel wie der Blauer Engel oder das EU Ecolabel bieten verlässliche Hinweise auf umweltfreundliche Produkte und erleichtern nachhaltige Kaufentscheidungen erheblich.

In der Versicherungsbranche hingegen fehlen vergleichbare Orientierungshilfen in den Kompositsparten Hausrat-, Haftpflicht- und Wohngebäudeversicherung.

Vorstellung ASSESI: Ein Ansatz zur Schließung der Lücke

Vor diesem Hintergrund wurde im VfU-Forum das ASSESI-Projekt vorgestellt. Ziel des Projekts ist es, ein standardisiertes Zertifizierungssystem zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Versicherungsprodukten zu entwickeln. Kernbestandteil sind dabei spezifische Nachhaltigkeits-KPIs, die eine objektive und EmpCo-konforme Einordnung ermöglichen sollen.

Hier erfahren Sie mehr über das Projektvorhaben: Kein Greenwashing in der Versicherung: Entwicklung eines Standards für nachhaltige Versicherungsprodukte – Greensurance Stiftung

Inhaltliche Schwerpunkte im VfU Forum Insurance

Im Rahmen des VfU Forum Insurance wurde das ASSESI-Projekt vorgestellt. Dabei standen folgende Schwerpunkte im Fokus:

  • Vorstellung der Greensurance Stiftung und ihrer Arbeit im Allgemeinen
  • Dringende Notwendigkeit, die bestehende Lücke von Nachhaltigkeitszertifizierungen in der Versicherungsbranche zu schließen
  • EmpCo-Verordnung und ihre Auswirkungen auf die Nachhaltigkeitskommunikation
  • Präsentation des Projektvorhabens inklusive des aktuellen Status Quo
  • Möglichkeiten zur Partizipation und Mitgestaltung

Partizipation als zentraler Erfolgsfaktor

Ein wichtiger Bestandteil des ASSESI-Projekts ist daher die aktive Einbindung von Stakeholdern. Im Rahmen der Veranstaltung wurden die verschiedenen Möglichkeiten zur Partizipation vorgestellt, darunter:

  • Mitgliedschaft im Beirat des Projekts
  • Mitarbeit in der DIN-Arbeitsgruppe zur Entwicklung einer DIN-Norm für nachhaltige Versicherungsprodukte
  • Teilnahme als Pilotversicherer, um das Zertifizierungssystem praxisnah zu testen
  • Feedback zum Konsultationsprozess geben (aktuelle Informationen hierzu werden auf der Projektseite veröffentlicht: Association of European Sustainable Insurers
  • Integration weiterer Expert:innen in die Entwicklung der Nachhaltigkeitskriterien, insbesondere in KPI-Arbeitsgruppen

Impulse aus dem Teilnehmendenkreis

Das ASSESI-Projekt versteht sich bewusst als offener, kollaborativer Prozess mit dem Ziel, ein gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft zu entwickeln und dieses perspektivisch auch geschlossen nach außen zu vertreten. Angestrebt wird eine praxisnahe und zugleich wissenschaftlich fundierte Zertifizierung, die sowohl bei Versicherungsunternehmen als auch auf Kundenseite breite Akzeptanz findet.

Die Rückmeldungen aus dem Teilnehmerkreis unterstreichen insbesondere die Notwendigkeit eines einheitlichen Verständnisses darüber, was ein nachhaltiges Versicherungsprodukt leisten und berücksichtigen sollte. Als zentral wird zudem ein länderübergreifend abgestimmtes Vorgehen gesehen, das mit bestehenden EU-Vorgaben, etwa zu Datenerhebung und Berichtspflichten, konsistent ist.

Gleichzeitig wurde auf eine aktuelle Entwicklung hingewiesen: die zunehmende Gefahr des „Greenhushings“. Bereits rund die Hälfte der Versicherer, die noch vor wenigen Jahren aktiv mit Nachhaltigkeit geworben haben, verzichten inzwischen weitgehend auf entsprechende Kommunikation. Dies deutet auf wachsende Unsicherheit im Markt hin und unterstreicht den Bedarf nach klaren, verlässlichen und anschlussfähigen Standards, die Orientierung bieten und glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation ermöglichen.

Bei Interesse an einer der Partizipationsmöglichkeiten können Sie sich gerne direkt an das Projektteam wenden:

Mail: rzepecki@assesi.eu / info@assesi.eu

Telefon: 0881-9245333-27

 

 

Rückblick auf die DKM 2025

Nachhaltigkeit im Fokus der Versicherungsbranche

Am 28. und 29. Oktober 2025 war die Greensurance Stiftung erneut mit einem eigenen Stand auf der DKM, der Leitmesse der Finanz- und Versicherungswirtschaft, in Dortmund vertreten. Unser Standort in Halle 3 bot dabei nicht nur den Rahmen für die Vorstellung aller Themen und Projekte der Greensurance Stiftung, sondern auch für einen intensiven Austausch mit Besucherinnen und Fachvertreterinnen.

Unsere Themen auf der DKM:

Sustainable Finance, Umsetzung regulatorischer Anforderungen

Die Stiftung präsentierte auf der DKM ihr Leistungsportfolio im Bereich Sustainble Finance. Im Mittelpunkt standen dabei die Wesentlichkeitsanalyse, CO₂-Bilanzierung, CSRD-/VSME-Berichterstattung und die Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien. Die Greensurance Stiftung verknüpft ebenfalls ihre Expertise im Bereich Sustainable Finance mit ihrem Engagement im Moorschutz und bietet Unternehmen Wege zur Klimafinanzierung.

Zahlreiche Besucher:innen informierten sich über die praktischen Umsetzungen unserer Leistungen und deren spezifischen Relevanz für die Versicherungsbranche. Die Gespräche zeigten zunehmend das Interesse nach verlässlichen Lösungen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung und die regulatorischen Anforderungen an Versicherungen.

ASSESI, Geprüfte Nachhaltigkeit: Der neue Standard für (Komposit-) Versicherungsprodukte

Auf der DKM 2025 präsentierte sich ASSESI, die Association of European Sustainable Insurers, erstmals einem breiten Fachpublikum aus Versicherern, Vermittlern und Maklerpools. Ziel des durch die DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) geförderten Projekts ist die Entwicklung eines Nachhaltigkeitsstandards für Sach- und Haftpflichtversicherungsprodukte. Auf der Messe wurde der aktuelle Entwicklungsstand des ASSESI-Labels vorgestellt. Zudem stellte das Projektteam die für das Vorhaben relevanten DIN-Normen vor und informierte über zukünftige regulatorische Veränderungen im Rahmen der Verbraucherschutzrichtlinie EmpCo. Der Stand bot zahlreiche Gelegenheiten zum fachlichen Austausch, zur Diskussion regulatorischer Entwicklungen und zur Vernetzung zwischen Wissenschaft, Praxis und Regulierung. Der Auftritt auf der DKM ermöglichte es, ASSESI einem breiten Fachpublikum der Versicherungswirtschaft vorzustellen und seine Sichtbarkeit im Branchenkontext zu erhöhen. So konnte die Bekanntheit des Projekts deutlich gesteigert und die Relevanz eines verbindlichen Nachhaltigkeitsstandards für die Versicherungsbranche wirkungsvoll unterstrichen werden.

Moorschutz, Investition in wirksamen Klimaschutz

Ein weiterer zentraler Bestandteil unserer Arbeit, der breite Resonanz fand, ist der naturbasierte Klimaschutz durch Moorschutzprojekte. Die belegbare CO₂-Speicherung renaturierter Moorflächen sowie die positive Wirkung auf Biodiversität und regionale Ökosysteme wurden als relevante Optionen im Rahmen unternehmerischer Klimastrategien präsentiert. So stellte die Greensurance Stiftung ihre Moorprojekte sowie das Konzept der Moorpatenschaft einem breiten Publikum vor.

Fazit

Die diesjährige DKM hat gezeigt, dass der Diskurs zu Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft teilweise gereift ist. Inhaltsleere Nachhaltigkeitsnarrative treten zunehmend in den Hintergrund, stattdessen rücken messbare Wirksamkeit, regulatorische Konformität und wissenschaftliche Fundierung in den Mittelpunkt. Die Greensurance Stiftung wird diesen Entwicklungsprozess weiterhin durch anwendungsorientierte Forschung, qualifizierte Beratung sowie innovative Klimaschutzlösungen aktiv begleiten und mitgestalten.

Wir bedanken uns bei allen Besucher:innen für den intensiven Austausch und freuen uns auch zukünftig für eine fortsetzung des Dialoges.

Eure Greensurance Stiftung

Erstes Beiratstreffen – ASSESI-PROJEKT – Nachhaltigkeitskennzeichnung (LABEL) N-Versicherungen

Am 29. September 2025 fand die erste Beiratssitzung des ASSESI-Projekts (Association of European Sustainable Insurers) statt.

Das Treffen markierte einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Etablierung einheitlicher (Mindest-) Standards für Nachhaltigkeit im Versicherungswesen.

Zusammensetzung des ASSESI-Beirats

Der Beirat des ASSESI-Projekts vereint ausgewiesene Expert:innen aus Wissenschaft, Versicherungswirtschaft und Standardisierung. Die Fachgebiete der Mitglieder reichen von Nachhaltigkeit und Klimaforschung über Finanz- und Versicherungswesen bis zu Umweltbewertung und Normung. Durch diese interdisziplinäre Zusammensetzung vereint der Beirat sowohl theoretisch-analytische als auch praxisorientierte Perspektiven.

Projektinformationen: Entwicklung des Produktstandards

Die Ausarbeitung eines Zertifizierungssystems sowie eines darauf aufbauende Prüfprozesses zur Erlangung des Nachhaltigkeitszertifikats befinden sich in der Entwicklung und orientieren sich an relevanten DIN-Normen und den Vorgaben der EmpCo-Richtlinie. Das Label soll den Namen tragen: ASSESI-LABEL. Mit der Vergabe des ASSESI-LABELS erreicht die ASSEKURANZ eine EmpCo-Konformität für einzelne Komposit-Versicherungsprodukte.

Themen und Schwerpunkte der ASSESI-Beiratssitzung

Die Entwicklung des ASSESI-Nachhaltigkeitskennzeichens erfordert die Klärung zentraler organisatorischer Fragen. Dazu zählen vor allem Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten und Verfahren zur Umsetzung, Kontrolle und Weiterentwicklung der Produktzertifizierung. Diskutiert wurde zudem die Organisations- und Zertifizierungsstruktur, mit dem Ziel, ein objektives, mehrstufiges Prüf- und Zertifizierungssystem zu entwickeln. Innerhalb der Sitzung wurde ein best-practice-Projekt, natureplus, vorgestellt.

Ein weiterer wesentlicher Themenschwerpunkt war die Vorstellung und Diskussion relevanter Normen und Standards. Dabei wurden relevante DIN-Normen aus den Bereichen Umweltkennzeichnung (DIN EN ISO 14024), Nachhaltigkeitsscoring (DIN 77236 – 2) und Konformitätsbewertung (DIN EN ISO/IEC 17067 / DIN EN ISO/IEC 17065) sowie deren Inhalte diskutiert.

Im Rahmen der Beiratsdiskussion wurde betont, dass der Konsultationsprozess alle relevanten Stakeholder einbeziehen soll, um ein ausgewogenes, praxisnahes Meinungsbild zu gewährleisten. Hervorgehoben wurde insbesondere die Bedeutung der Verbraucherperspektive, die frühzeitig und kontinuierlich berücksichtigt werden muss. Ein öffentlichkeitswirksam breiter und transparenter Dialog sind dabei von besonderer Bedeutung.

Informieren Sie sich hier über den Konsultationsprozess – https://assesi-label.eu. IHRE Beteiligung ist gefragt!

Ausblick
Für die kommenden Monate ist ein fortlaufender, konstruktiver Austausch zwischen dem Beirat und den Projektbeteiligten vorgesehen. So sollen vielfältige Perspektiven und Expertisen gezielt in die Projektentwicklung mit einbezogen werden, um eine möglichst fundierte Entwicklung des ASSESI-Nachhaltigkeitskennzeichen (ASSESI-LABEL) zu garantieren. Der enge Dialog trägt dazu bei, die Qualität, Praxisrelevanz und Akzeptanz der entstehenden Standards zu sichern und damit den langfristigen Erfolg und die Verstetigung des ASSESI-Projekts zu gewährleisten. Das nächste Beiratstreffen ist für Anfang 2026 geplant.