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Autor: Marcus Reichenberg

Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft: Impulse von der insureNXT 2026

Im Mai 2026 wurde auf der insureNXT in Köln eines besonders deutlich:
Nachhaltigkeit ist in der Versicherungswirtschaft angekommen – sie ist jedoch insbesondere in der Beratung am Kunden sowie in der konkreten Ausgestaltung von Versicherungslösungen bislang noch kein durchgängiger Treiber.

Gerade deshalb ist es entscheidend, dass Akteure der Branche gemeinsam Impulse setzen, Orientierung geben und konkrete Lösungen aufzeigen.

Umso mehr haben wir uns als Greensurance Stiftung über die Einladung der Guidewire Software, Inc. gefreut. Auf dem Messestand von Guidewire hatten wir die Möglichkeit, Klimaschutz und Klimaanpassung im Sinne unseres Ansatzes »Klimaschutz zum Anfassen« zu präsentieren. So konnten wir dazu beitragen, Nachhaltigkeit erlebbar zu machen und die Versicherungswirtschaft für eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema zu sensibilisieren.

Nachhaltigkeit erlebbar machen: Das Glücksrad für Klimaschutz und Klimaanpassung

Ein Element des Messestandes war das »Glücksrad der Nachhaltigkeit«, das Fachbesucherinnen und Fachbesuchern eine aktive Beteiligung ermöglichte. Mit jeder Drehung wurde über die Verwendung des von Guidewire im Rahmen eines Moorsponsorings bereitgestellten Betrags für Klimaschutz und Klimaanpassung mitentschieden. Der Betrag ist über eine Moorpatenschaft in konkrete Projekte der Greensurance Stiftung geflossen.

Das Moorsponsoring wurde im Anschluss an die Messe gezielt in Natur- und Klimaschutzprojekte umgesetzt:

Das Format hat dazu beigetragen, die Verbindung zwischen abstrakten Nachhaltigkeitsthemen und konkreten Maßnahmen greifbar zu machen.

Nachfolgend ein Video unseres Glücksrads der Nachhaltigkeit:

Technologie und Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft: Eine Einordnung

Die Gespräche auf der insureNXT haben gezeigt, dass Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft zunehmend als relevantes Handlungsfeld wahrgenommen wird, die Umsetzung im operativen Geschäft jedoch noch in der Entwicklung ist. Im Rahmen der Veranstaltung wurde sichtbar, dass Unternehmen wie die Guidewire Software, Inc. auf unterschiedlichen Ebenen Beiträge leisten können. Dazu gehört zum einen die Unterstützung einzelner Initiativen im Bereich Klimaschutz und Biodiversität – wie im konkreten Fall durch die Bereitstellung eines Moorsponsorings für Projekte der Greensurance Stiftung.

Moore sind wie ein Schwamm - KlimaanpassungZum anderen wurde deutlich, welche Rolle technologische Systeme für die Weiterentwicklung der Branche spielen können. Lösungen, wie sie im Markt durch Anbieter wie Guidewire Software bereitgestellt werden, können Versicherer dabei unterstützen,

  • Klimarisiken differenzierter zu analysieren,
  • Risiken im Underwriting systematischer zu berücksichtigen,
  • Schadenprozesse effizienter zu gestalten sowie
  • auf zunehmende Naturereignisse strukturierter zu reagieren.

Damit entstehen Voraussetzungen dafür, Nachhaltigkeitsaspekte perspektivisch stärker in operative Prozesse zu integrieren – sowohl in der Risikobewertung als auch in der Ausgestaltung von Versicherungsleistungen.

Vor dem Hintergrund steigender Schadenbelastungen durch Naturereignisse wird deutlich, dass neben strategischen Zielsetzungen insbesondere die praktische Umsetzbarkeit im operativen Geschäft an Bedeutung gewinnt.

Versicherungswirtschaft und Klimawandel: Zwischen Risiko und Verantwortung

Die Gespräche auf der insureNXT haben zugleich verdeutlicht, dass Versicherer in einer besonderen Position sind. Sie agieren sowohl als:

  • Investoren, die Kapitalströme beeinflussen, als auch als
  • Risikoträger, die die finanziellen Folgen klimabedingter Schäden absichern.

Diese doppelte Rolle unterstreicht die potenzielle Bedeutung der Branche für Klimaschutz und Klimaanpassung. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Integration entsprechender Aspekte in Produkte, Beratung und Prozesse weiterhin vorangetrieben werden muss.

Ein besonderer Moment: Die KlimaUhr Time 2° Act erreicht die 1,5 Grad Grenze

KlimaUhr Time 2° Act mit Marcus Reichenberg
Am 20.05.2026 wurde die 1,5 Grad Grenze der KlimaUhr Time 2° Act überschritten.

Neben dem fachlichen Austausch fiel die insureNXT 2026 mit einem besonderen Zeitpunkt zusammen:
Am 20. Mai 2026zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen – ist die KlimaUhr – Time 2° Act der Greensurance Stiftung zur 1,5 Grad Grenze (Anmerkung: Grenze – kein Ziel!) rechnerisch ausgelaufen. Um 22:33 Uhr wurde das verbleibende CO2 Budget erstmals negativ.

Für Marcus Reichenberg war dieser Moment auch vor dem Hintergrund der vielen Gespräche am Messestand ein prägender Zeitpunkt, in dem die abstrakte Dimension des globalen CO Budgets konkret erfahrbar wurde. Am Abend verfolgten rund 30 geladene Stakeholder – darunter auch Vertreter aus der Versicherungswirtschaft sowie von Guidewire – im Rahmen einer Pressekonferenz diesen Wendepunkt.

👉 Seit dem 20.05.2026 gilt damit:
Die Menschheit lebt rechnerisch über ihr generationengerechtes CO Budget hinaus.
Die KlimaUhr läuft seit diesem Zeitpunkt ins Negative.

insureNXT 2026: Austausch zu Klimarisiken und nachhaltigen Versicherungslösungen

Der Messestand bot über die gesamte Dauer der insureNXT hinweg Raum für Gespräche und Austausch. Dabei konnten insbesondere:

  • Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Versicherungswirtschaft verdeutlicht,
  • Herausforderungen in der praktischen Umsetzung diskutiert sowie
  • Ansätze für eine stärkere Integration von Nachhaltigkeit in Prozesse und Produkte erörtert werden.

Betreut wurde der Stand seitens der Greensurance Stiftung von Floriane und Marcus Reichenberg.

Floriane und Marcus Reichenberg

Fazit: Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft weiter in die Praxis überführen

Die insureNXT 2026 hat gezeigt, dass die Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft weiter zunimmt, die Überführung in das operative Geschäft jedoch noch weiterentwickelt werden muss. Formate wie der gemeinsame Messeauftritt tragen dazu bei, die bestehenden Ansätze sichtbar zu machen, den Austausch zu fördern und konkrete Anwendungsbeispiele aufzuzeigen. Die Greensurance Stiftung versteht sich in diesem Kontext als Impulsgeber im Sinne eines »Change Agents« (nach: WBGU) – mit dem Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen und branchenspezifische Anforderungen miteinander zu verbinden.

 

 

Glücksrad-Mugglsteine – ein Beitrag für Mensch und Umwelt

Die KlimaUhr läuft ab – ein rechnerischer Wendepunkt für die 1,5‑Grad‑Grenze

Am Mittwoch, den 20. Mai 2026, um ca. 22:33 Uhr (MESZ) erreicht die www.KlimaUhr.info der Greensurance Stiftung einen symbolisch wie wissenschaftlich bedeutsamen Zeitpunkt: Rein rechnerisch ist zu diesem Moment das verbleibende globale CO₂‑Budget für die Einhaltung der 1,5‑Grad‑Grenze aufgebraucht.

Hintergrund: Pariser Klimaabkommen und CO₂‑Budget

Das Pariser Klimaabkommen, beschlossen am 12. Dezember 2015 und in Kraft getreten am 04. November 2016, verpflichtet die Staatengemeinschaft, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, idealerweise auf 1,5 °C, zu begrenzen.

Die zentrale wissenschaftliche Größe hierfür ist das sogenannte globale CO₂‑Restbudget: Es beschreibt jene Menge an Treibhausgasemissionen, die weltweit noch ausgestoßen werden darf, bevor die Temperaturgrenzen mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit überschritten werden.

Genau dieses Budget macht die KlimaUhr.info der Greensurance Stiftung sichtbar. Seit ihrem Start mit Inkrafttreten des Abkommens zählt sie kontinuierlich die verbleibende Zeit und Emissionsmenge herunter. Sie verdeutlicht damit anschaulich, dass es sich bei den Klimazielen nicht um abstrakte Vorgaben handelt, sondern um endliche, physikalisch begrenzte Restbudgets.

Wissenschaftliche Grundlage und kontinuierliche Aktualisierung

Die KlimaUhr basiert auf wissenschaftlichen Modellierungen und Budgetansätzen, wie sie insbesondere durch den Weltklimarat (IPCC) publik gemacht wurden.

Prof-Dr-Stefan-EmeisProf. Dr. Stefan Emeis, Diplom‑Meteorologe, apl. Professor für Meteorologie an der Universität Köln und Mitglied des Stiftungsbeirats der Greensurance Stiftung, hat die KlimaUhr wissenschaftlich begleitet und die zugrunde liegenden Daten regelmäßig überprüft und aktualisiert.

Damit wurde sichergestellt, dass die Darstellung stets dem aktuellen Stand der Klimawissenschaft entspricht und die zugrunde liegenden Emissionsentwicklungen realitätsnah abgebildet werden.

Rolle der Greensurance Stiftung

Die Greensurance Stiftung hat die KlimaUhr seit ihrem Beginn kontinuierlich getragen und weiterentwickelt.

Gemäß ihrer Satzung verfolgt die Stiftung insbesondere folgende Ziele:

  • Schutz des globalen Klimas
  • Schutz und Wiederverbesserung der Biodiversität
  • Umsetzung nachhaltiger Entwicklung
  • Förderung von Green Lifestyle und Green Management
  • Prägung einer zukunftsfähigen Versicherungs- und Finanzbranche

Die KlimaUhr ist dabei ein zentrales Instrument der Aufklärung zum Schutz des globalen Klimas. Sie übersetzt komplexe Klimamodelle in eine verständliche, konkrete Zeitdimension – und macht damit den Handlungsdruck unmittelbar sichtbar.

Der Zeitpunkt: 20. Mai 2026

Mit dem Erreichen des genannten Zeitpunkts wird keine physikalische Schwelle „schlagartig überschritten“. Vielmehr markiert die KlimaUhr einen rechnerischen Schwellenwert, der auf den aktuell bekannten Emissionspfaden und Budgetannahmen basiert.

Der Zeitpunkt steht damit symbolisch für die Tatsache, dass das verbleibende CO₂‑Budget für das 1,5‑Grad‑Ziel unter den gegebenen Emissionstrends vollständig ausgeschöpft ist. Jede weitere Emission erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass diese Grenze überschritten wird.

Politische Konsequenzen und Forderungen

Vor diesem Hintergrund fordert die Greensurance Stiftung ein deutlich konsequenteres Handeln.

Die Stiftung hat hierzu eine politische Stellungnahme an das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) zum Thema
CO₂‑Restbudget und Einordnung der 1,5‑Grad- und 2‑Grad‑Grenzen“ übermittelt.

Die Kernbotschaft:
Klimapolitische Entscheidungen müssen sich stärker an den noch verfügbaren Restbudgets orientieren – und nicht allein an langfristigen Zielmarken ohne verbindlichen Budgetbezug.

Verantwortung von Politik und Gesellschaft

Marcus Reichenberg, Gründer und Geschäftsführer der Greensurance Stiftung, betont in diesem Zusammenhang:

Neben der Politik ist auch die Gesellschaft insgesamt gefordert. Es braucht ein erneuertes Bewusstsein für die Endlichkeit des CO₂‑Budgets und eine größere Bereitschaft, aktiv zum Schutz des globalen Klimas beizutragen.

Der Ablauf der KlimaUhr ist damit nicht als Endpunkt zu verstehen, sondern als dringender Weckruf:
Das verbleibende Zeitfenster zur Begrenzung der Erderwärmung ist nicht theoretisch unbegrenzt – es ist konkret berechenbar und nahezu ausgeschöpft.

Fazit:

Die KlimaUhr macht sichtbar, was wissenschaftlich längst belegt ist: Klimaschutz ist eine Frage von Zeit, Budget und Konsequenz. Mit dem 20. Mai 2026 wird ein markanter, rechnerischer Punkt erreicht – die eigentliche Entscheidung über die Einhaltung der Klimaziele liegt jedoch weiterhin in der Hand von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Presseerklärung kurz (großer Presseverteiler): PDF

Presseerklärung von Prof. Dr. Stefan Emeis: PDF

Politische Stellungnahme an das BMWE: PDF

Logo KlimaUhr - TIME 2° ACT
TIME 2° ACT: Unsere KlimaUhr TIME 2° ACT als Logo sagt alles aus – wir müssen die CO2-Emissionen nicht nur stoppen – sondern über naturbasierte Lösungen wieder einfangen! 

Marcus Reichenberg wird Leiter des neuen DIN-Arbeitskreises nachhaltige Komposit-Versicherungsprodukte

In meiner Funktion als Geschäftsführer der Greensurance Stiftung für Mensch und Umwelt wurde ich am 25.09.2024 zur Mitarbeit an der DIN-Normierung entsandt.

Diese Entsendung entspricht unserem satzungsgemäßen Zweck: »Prägung einer zukunftsfähigen Versicherungs- und Finanzbranche«.

Grundlage hierfür war ein von mir – Marcus Reichenberg – eingereichter Normungsvorschlag (25.09.2024) mit dem Titel: »Standard für Komposit-Versicherungsprodukte im Sinne der Nachhaltigkeit«.

Der Vorschlag wurde von DIN positiv beschieden. Am heutigen Tag, dem 17.11.2025, wurde der Arbeitsausschuss offiziell gegründet – gemeinsam mit interessierten Kreisen (Stakeholdern). In diesem Ausschuss darf ich die Leitung übernehmen, worauf ich mich sehr freue. Zugleich rufe ich alle interessierten Kreise herzlich zur Mitwirkung auf.

Der Vollständigkeit und Transparenz halber sei auch auf die Arbeit der Greensurance Stiftung zur Etablierung eines Nachhaltigkeitssiegels (Label) für die Komposit-Versicherungsbranche hingewiesen. Auch hier laden wir zur aktiven Teilnahme im Verbundnetzwerk ASSESI® (https://assesi.eu) ein. ASSESI® steht für: »Association of European Sustainable Insurers«.

Der Wunsch, ein Nachhaltigkeitskennzeichen (Label) für Komposit-Versicherungsprodukte bereitzustellen, entstand faktisch zeitgleich mit dem Wunsch nach einer DIN-Normierung.
Beide Initiativen werden nun parallel vorangetrieben, sodass der Assekuranz künftig beides zur Verfügung steht:

  • Die DIN-Norm als regelbasierte Grundlage
  • Das ASSESI-Label als anerkanntes Verbraucherschutzsiegel im Rahmen eines Netzwerks nachhaltiger Versicherer (https://assesi-label.eu).

Das Projekt ASSESI® wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Die Arbeit im DIN erfolgt pro bono.

Wir rufen daher alle interessierten Kreise (Stakeholder) auf: Machen Sie mit!
Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen.