Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft: Impulse von der insureNXT 2026
Im Mai 2026 wurde auf der insureNXT in Köln eines besonders deutlich:
Nachhaltigkeit ist in der Versicherungswirtschaft angekommen – sie ist jedoch insbesondere in der Beratung am Kunden sowie in der konkreten Ausgestaltung von Versicherungslösungen bislang noch kein durchgängiger Treiber.
Gerade deshalb ist es entscheidend, dass Akteure der Branche gemeinsam Impulse setzen, Orientierung geben und konkrete Lösungen aufzeigen.
Umso mehr haben wir uns als Greensurance Stiftung über die Einladung der Guidewire Software, Inc. gefreut. Auf dem Messestand von Guidewire hatten wir die Möglichkeit, Klimaschutz und Klimaanpassung im Sinne unseres Ansatzes »Klimaschutz zum Anfassen« zu präsentieren. So konnten wir dazu beitragen, Nachhaltigkeit erlebbar zu machen und die Versicherungswirtschaft für eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema zu sensibilisieren.
Nachhaltigkeit erlebbar machen: Das Glücksrad für Klimaschutz und Klimaanpassung
Ein Element des Messestandes war das »Glücksrad der Nachhaltigkeit«, das Fachbesucherinnen und Fachbesuchern eine aktive Beteiligung ermöglichte. Mit jeder Drehung wurde über die Verwendung des von Guidewire im Rahmen eines Moorsponsorings bereitgestellten Betrags für Klimaschutz und Klimaanpassung mitentschieden. Der Betrag ist über eine Moorpatenschaft in konkrete Projekte der Greensurance Stiftung geflossen.
Das Moorsponsoring wurde im Anschluss an die Messe gezielt in Natur- und Klimaschutzprojekte umgesetzt:
- 60 % → Ameisenmoor (Moorrenaturierung)
- 20 % → Moorseen (Eisvogel-Projekt)
- 20 % → Moor-Streuwiese (Streuwiesen-Ökosystem)
Das Format hat dazu beigetragen, die Verbindung zwischen abstrakten Nachhaltigkeitsthemen und konkreten Maßnahmen greifbar zu machen.
Nachfolgend ein Video unseres Glücksrads der Nachhaltigkeit:
Technologie und Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft: Eine Einordnung
Die Gespräche auf der insureNXT haben gezeigt, dass Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft zunehmend als relevantes Handlungsfeld wahrgenommen wird, die Umsetzung im operativen Geschäft jedoch noch in der Entwicklung ist. Im Rahmen der Veranstaltung wurde sichtbar, dass Unternehmen wie die Guidewire Software, Inc. auf unterschiedlichen Ebenen Beiträge leisten können. Dazu gehört zum einen die Unterstützung einzelner Initiativen im Bereich Klimaschutz und Biodiversität – wie im konkreten Fall durch die Bereitstellung eines Moorsponsorings für Projekte der Greensurance Stiftung.
Zum anderen wurde deutlich, welche Rolle technologische Systeme für die Weiterentwicklung der Branche spielen können. Lösungen, wie sie im Markt durch Anbieter wie Guidewire Software bereitgestellt werden, können Versicherer dabei unterstützen,
- Klimarisiken differenzierter zu analysieren,
- Risiken im Underwriting systematischer zu berücksichtigen,
- Schadenprozesse effizienter zu gestalten sowie
- auf zunehmende Naturereignisse strukturierter zu reagieren.
Damit entstehen Voraussetzungen dafür, Nachhaltigkeitsaspekte perspektivisch stärker in operative Prozesse zu integrieren – sowohl in der Risikobewertung als auch in der Ausgestaltung von Versicherungsleistungen.
Vor dem Hintergrund steigender Schadenbelastungen durch Naturereignisse wird deutlich, dass neben strategischen Zielsetzungen insbesondere die praktische Umsetzbarkeit im operativen Geschäft an Bedeutung gewinnt.
Versicherungswirtschaft und Klimawandel: Zwischen Risiko und Verantwortung
Die Gespräche auf der insureNXT haben zugleich verdeutlicht, dass Versicherer in einer besonderen Position sind. Sie agieren sowohl als:
- Investoren, die Kapitalströme beeinflussen, als auch als
- Risikoträger, die die finanziellen Folgen klimabedingter Schäden absichern.
Diese doppelte Rolle unterstreicht die potenzielle Bedeutung der Branche für Klimaschutz und Klimaanpassung. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Integration entsprechender Aspekte in Produkte, Beratung und Prozesse weiterhin vorangetrieben werden muss.
Ein besonderer Moment: Die KlimaUhr Time 2° Act erreicht die 1,5 Grad Grenze

Neben dem fachlichen Austausch fiel die insureNXT 2026 mit einem besonderen Zeitpunkt zusammen:
Am 20. Mai 2026 – zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen – ist die KlimaUhr – Time 2° Act der Greensurance Stiftung zur 1,5 Grad Grenze (Anmerkung: Grenze – kein Ziel!) rechnerisch ausgelaufen. Um 22:33 Uhr wurde das verbleibende CO2 Budget erstmals negativ.
Für Marcus Reichenberg war dieser Moment auch vor dem Hintergrund der vielen Gespräche am Messestand ein prägender Zeitpunkt, in dem die abstrakte Dimension des globalen CO₂ Budgets konkret erfahrbar wurde. Am Abend verfolgten rund 30 geladene Stakeholder – darunter auch Vertreter aus der Versicherungswirtschaft sowie von Guidewire – im Rahmen einer Pressekonferenz diesen Wendepunkt.
👉 Seit dem 20.05.2026 gilt damit:
Die Menschheit lebt rechnerisch über ihr generationengerechtes CO₂ Budget hinaus.
Die KlimaUhr läuft seit diesem Zeitpunkt ins Negative.
insureNXT 2026: Austausch zu Klimarisiken und nachhaltigen Versicherungslösungen
Der Messestand bot über die gesamte Dauer der insureNXT hinweg Raum für Gespräche und Austausch. Dabei konnten insbesondere:
- Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Versicherungswirtschaft verdeutlicht,
- Herausforderungen in der praktischen Umsetzung diskutiert sowie
- Ansätze für eine stärkere Integration von Nachhaltigkeit in Prozesse und Produkte erörtert werden.
Betreut wurde der Stand seitens der Greensurance Stiftung von Floriane und Marcus Reichenberg.

Fazit: Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft weiter in die Praxis überführen
Die insureNXT 2026 hat gezeigt, dass die Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Versicherungswirtschaft weiter zunimmt, die Überführung in das operative Geschäft jedoch noch weiterentwickelt werden muss. Formate wie der gemeinsame Messeauftritt tragen dazu bei, die bestehenden Ansätze sichtbar zu machen, den Austausch zu fördern und konkrete Anwendungsbeispiele aufzuzeigen. Die Greensurance Stiftung versteht sich in diesem Kontext als Impulsgeber im Sinne eines »Change Agents« (nach: WBGU) – mit dem Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen und branchenspezifische Anforderungen miteinander zu verbinden.
Glücksrad-Mugglsteine – ein Beitrag für Mensch und Umwelt

Prof. Dr. Stefan Emeis, Diplom‑Meteorologe, apl. Professor für Meteorologie an der Universität Köln und Mitglied des Stiftungsbeirats der Greensurance Stiftung, hat die KlimaUhr wissenschaftlich begleitet und die zugrunde liegenden Daten regelmäßig überprüft und aktualisiert.


