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Autor: Luca Louis

Nachhaltigkeitsschulung für MitarbeiterInnen der Ostangler Versicherung – Ein weiterer Schritt in eine nachhaltige Zukunft

Ein weiterer Schritt in eine nachhaltige Zukunft

Im norddeutschen Kappeln fand am 14. Und 15.11.24 eine Bildungsveranstaltung statt: Die Greensurance Stiftung besuchte die Ostangler Versicherung, um die MitarbeiterInnen des Unternehmens in zwei intensiven Schulungstagen zum Thema „Nachhaltigkeit & Versicherung“ weiterzubilden. Diese Schulung war nicht nur eine Gelegenheit zur Wissensvermittlung, sondern auch ein wertvoller Austausch untereinander, der alte Perspektiven erweiterte und neue Perspektiven eröffnete.

Nachhaltigkeit als unternehmerische Verantwortung: Ein Blick auf das Humankapital

Die Diskussion rund um das Thema Nachhaltigkeit ist in der heutigen Zeit allgegenwärtig. Doch während oft von nachhaltigen Geschäftsmodellen und umweltfreundlichen Maßnahmen gesprochen wird, wird eine zentrale Ressource des Unternehmens häufig nicht umfassend in den Fokus gerückt: die MitarbeiterInnen. Im Rahmen der Schulung wurden nicht nur konkrete Maßnahmen zur Umsetzung von (ökologischen) Nachhaltigkeitsstrategien behandelt, sondern auch die Bedeutung der MitarbeiterInnen als „Humankapital“ hervorgehoben.

Es ging darum, die MitarbeiterInnen aktiv in die Transformation des Unternehmens hin zu mehr Nachhaltigkeit einzubinden und ihnen gleichzeitig die Möglichkeiten zur Weiterbildung und zum Austausch zu bieten. Dies stärkt nicht nur das Engagement innerhalb des Unternehmens, sondern sorgt auch dafür, dass Nachhaltigkeit als gelebte Praxis in allen Bereichen verankert wird.

Die CSRD-Berichtspflicht 2025: Vorbereitung auf die Zukunft

Ein weiterer zentraler Bestandteil der Schulung war die Vorbereitung der Ostangler Versicherung auf die bevorstehende CSRD-Berichtspflicht (Corporate Sustainability Reporting Directive), die ab 2025 auch für kleinere Unternehmen relevant wird. Hierbei stand insbesondere die Durchführung der Wesentlichkeitsanalyse im Vordergrund, eine methodische Grundlage, die Unternehmen dabei hilft, ihre wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen zu identifizieren und transparent über diese zu berichten.

Aber was genau ist eine Wesentlichkeitsanalyse, und warum ist sie so wichtig? Die Wesentlichkeitsanalyse dient dazu, nachhaltige Themen zu definieren, die nicht nur für die Versicherungsbranche, sondern vor allem für das individuelle Unternehmen und seine StakeholderInnen besonders relevant sind. Sie berücksichtigt dabei nicht nur die Themen, die das Unternehmen selbst betreffen, sondern auch die relevanten Themen rund um die Auswirkungen des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft. Für die Ostangler Versicherung bedeutet dies, dass im ersten Schritt festgelegt wird, welche Nachhaltigkeitsthemen für sie von zentraler Bedeutung sind – seien es beispielsweise die weitere Senkung eigener THG-Emissionen im Bereich Umwelt, die soziale Verantwortung gegenüber der eigenen Belegschaft im Sinne von Diversität und Inklusion oder die Ausübung ethischer Geschäftspraktiken.

Im zweiten Schritt wird diese Analyse durch die Sichtweisen von verschiedenen StakeholderInnen ergänzt und bewertet – darunter KundInnen, MitarbeiterInnen, aber auch die Natur und die Gesellschaft. So entsteht ein umfassendes Bild darüber, welche Faktoren im Hinblick auf Nachhaltigkeit für das Unternehmen und seine PartnerInnen von größter Bedeutung sind.

Das Ziel: Nachhaltigkeit in der Versicherung verständlich machen

Für die Ostangler Versicherung geht es bei der Ausrichtung ihrer Geschäftsstrategie auf Nachhaltigkeit nicht nur um die Festlegung relevanter Schritte im Bereich der Nachhaltigkeit, sondern auch um die Fähigkeit, diese klar nach außen zu kommunizieren. Die Versicherung steht dabei nicht nur als Wirtschaftsunternehmen im Fokus, sondern auch als wichtiger Akteur in der gesellschaftlichen Verantwortung. Die Schulung sollte dabei aufzeigen, wie die Versicherung durch die strategische Ausrichtung ihre Funktion als „ermöglichende Tätigkeit“ – die Ermöglichung nachhaltigen Handels weiterer AkteurInnen durch ihre Versicherungsbedingungen, z.B. durch Reparatur statt Neukauf – wahrnehmen und nach außen transportieren kann.

Die Rolle der Greensurance Stiftung: Externe Nachhaltigkeitsberatung für die Assekuranz

Die Greensurance Stiftung spielte in diesem Prozess eine Rolle als externe Nachhaltigkeitsberatung. Durch ihre Expertise im Bereich der Assekuranz und ihrer speziellen Kenntnis über die Bedürfnisse und Anforderungen von Versicherungsunternehmen konnte sie der Ostangler Versicherung weitere Impulse geben, wie diese sich auf die kommenden Herausforderungen vorbereiten kann.

Neben der fachlichen Beratung half die Stiftung dabei, die Wesentlichkeitsanalyse in die Praxis umzusetzen und die richtigen Kriterien für die Auswahl relevanter Themen zu entwickeln.

Fazit: Eine zukunftsorientierte Schulung für nachhaltiges Wachstum

Die spannenden Diskussionen, die Anregungen und der aktive Austausch zwischen den TeilnehmerInnen zeigen, dass die Ostangler Versicherung auf einem nachhaltigen Weg ist. Dadurch kann sie sich nicht nur den regulatorischen Herausforderungen der CSRD stellen, sondern auch als verantwortungsbewusstes Unternehmen aktiv zur nachhaltigen Entwicklung beizutragen.

Für die MitarbeiterInnen bedeutete die Schulung zudem die Möglichkeit, sich weiterzubilden und die eigene Rolle in einem nachhaltigeren Versicherungssystem besser zu verstehen. Denn letztlich ist es die kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Themen der Nachhaltigkeit und die Einbindung der „Human Resources“, die ein Unternehmen langfristig erfolgreich und zukunftsfähig macht.

Kassel: Treffen kleinerer Erstversicherer zur CSRD-Berichtspflicht – Ein Blick auf Nachhaltigkeit und politische Regulierung

Am 11.11.24 hat sich ein Teil des Teams der Greensurance Stiftung mit der Deutschen Bahn auf den Weg ins hessische Kassel gemacht. Dort fand am 12.11.24 ein Treffen unter kleineren Erstversicherern statt, bei dem sich Vorstände aus verschiedenen Versicherungsunternehmen, aber auch eine Nachhaltigkeitsmanagerin versammelten, um die Herausforderungen und Chancen der neuen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) zu diskutieren. Das halbtägige Meeting, das von der Greensurance Stiftung mit inhaltlichem Input begleitet wurde, sollte ein Forum bieten, um die Auswirkungen, die Risiken, aber auch die Chancen der zukünftigen Berichtspflicht zur Nachhaltigkeit im Sektor Assekuranz zu beleuchten.

Der Hintergrund: CSRD – Neue Pflichten und Chancen für Unternehmen

Bereits seit 2017 sind Unternehmen von öffentlichem Interesse innerhalb der Europäischen Union (EU) verpflichtet, neben ihren finanziellen Lageberichten in einem jährlichen Turnus auch über ihre Nachhaltigkeitspraktiken zu berichten. Seit diesem Jahr, 2024, wird diese Pflicht zur Berichterstattung von der CSRD abgelöst. Vor allem wird die Berichtspflicht jedoch in einem zeitlichen stufenweisen Verfahren im Rahmen bestimmter Größenkriterien auch auf mittlere und kleine Unternehmen ausgeweitet. So sind ab 2026 auch kapitalmarktorientierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dazu angehalten, einen jährlichen Bericht zur Nachhaltigkeit zu erstellen.

Damit ist die CSRD nicht nur ein weiterer Schritt hin zu mehr Transparenz und Verantwortung, sondern auch eine Gelegenheit, Unternehmen sukzessive in eine nachhaltigere Zukunft zu führen.

Ziel des Treffens war es, das Bewusstsein für die Auswirkungen der CSRD auf kleinere (Versicherungs-)Unternehmen zu schärfen und zu verdeutlichen, wie die verschiedenen Standards und Regularien in der Praxis umgesetzt werden können. Ein interessanter Aspekt war dabei die Diskussion über die doppelte Wesentlichkeit: Diese Analyse beleuchtet sowohl die finanziellen Auswirkungen von Nachhaltigkeitsaspekten auf Unternehmen als auch die Auswirkungen, die Unternehmen selbst auf die Umwelt und Gesellschaft haben, beispielsweise im Kontext des Klimawandels.

Der Weg zu einer nachhaltigen Berichterstattung

Während des Treffens wurden die TeilnehmerInnen durch die verschiedenen Berichtsstandards geführt, die im Rahmen der CSRD zur Anwendung kommen. Dabei stand vor allem die Unterscheidung zwischen den Standards ESRS (European Sustainability Reporting Standards), LSME (Listed Small and Medium Sized Enterprises) und VSME (Voluntary Sustainability Standard for Small and Medium Sized Enterprises) im Fokus. Es wurde betont, dass kleinere Unternehmen nach dem Prinzip der Proportionalität nach dem im Vergleich zu den ESRS kleineren LSME-Standard berichten dürfen, der besser an die Größenstruktur dieser Unternehmen angepasst ist. Der VSME-Standard ermöglicht es Unternehmen, die nicht verpflichtet sind zu berichten, ihre Berichterstattung freiwillig, aber dennoch nach angepassten Standards durchzuführen – eine Option, die besonders für kleinere Unternehmen von Interesse ist, um ihr Handeln ebenfalls umfänglich transparent darzustellen. Daneben bietet der VSME-Standard zusätzlich eine Erleichterung in Form einer Hilfestellung, insofern kleinere Unternehmen indirekt selbst Teil der CSRD sind, weil sie als Teil der Wertschöpfungskette größerer Unternehmen Daten zu ihrem eigenen Geschäftsbetrieb liefern müssen.

Ein weiterer wichtiger Punkt war die Ausdehnung der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf die gesamte vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette. Unternehmen müssen nun nicht mehr nur ihre direkten Emissionen gemäß dem Greenhouse Gas Protocol (GHG) dokumentieren, sondern auch indirekte Emissionen in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette erfassen wie z.B. finanzierte Emissionen, die aus den eigenen Investitionen anfallen.

Warum politische Regulierung im Sinne der Nachhaltigkeit sinnvoll ist

Politische Maßstäbe setzen Rahmenbedingungen, die Unternehmen dazu anregen, ihre Geschäftspraktiken langfristig zu hinterfragen und zu optimieren. Bereits die Regularien der letzten Jahre zeigen in gegenüberstellenden Untersuchungen zum Zeitraum vor politischer Regulierung, dass die Einführung der CSRD und ähnlicher Regularien wie der Taxonomieverordnung den Weg für eine nachhaltige Zukunft ebnen, indem sie Unternehmen dazu bringen, sich stärker mit den Auswirkungen ihres Handelns auf Umwelt und Gesellschaft auseinanderzusetzen.

Durch die Verankerung der Wesentlichkeitsanalyse in die Berichterstattung lernen Unternehmen kontinuierlich, wie sie positive und negative Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf die Umwelt und Gesellschaft besser steuern können. Dies führt nicht nur zu einer nachhaltigeren Unternehmensführung, sondern trägt auch dazu bei, wissenschaftlich Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen.

Fazit: Nachhaltigkeit als Chance und Verantwortung

Das Treffen in Kassel verdeutlichte einmal mehr, wie wichtig es auch für Unternehmen der Versicherungsbranche ist, sich aktiv mit den Anforderungen der CSRD auseinanderzusetzen und die Chancen zu nutzen, die eine nachhaltigere Ausrichtung mit sich bringt. Die CSRD stellt zunächst eine regulatorische Herausforderung dar, ist vor allem aber auch eine Chance, um die eigene Nachhaltigkeitsstrategie zu schärfen und sich so langfristige Wettbewerbsvorteile zu sichern.

Für kleinere Unternehmen, die noch nicht verpflichtet sind, die neuen Standards umzusetzen, bietet sich die freiwillige Berichterstattung als eine wertvolle Möglichkeit an, sich auf potenzielle zukünftige Anforderungen vorzubereiten und das Vertrauen von StakeholderInnen wie InvestorInnen und KundInnen zu stärken.

Benötigt Ihre Versicherung ebenfalls Unterstützung bei der Erfüllung der Berichtspflicht nach CSRD – ob beratend oder auch bei der Bilanzierung Ihrer Klimadaten? Wenden Sie sich gerne an uns, entweder über kontakt@greensurance-stiftung.de oder telefonisch an +49881 924533377. Wir freuen uns von Ihnen zu hören!

Moorfachtagung in Wilhelmsdorf: Wiedervernässung von Mooren

Moorfachtagung in Wilheimsdorf

Wiedervernässung von Mooren – Planung und Umsetzung

Die Deutsche Gesellschaft für Moor- und Torfkunde (DGMT), der Schwäbische Heimatbund und die Riedstiftung veranstalteten vom 07. bis 09. November 2024 eine Fachtagung zum Thema „Moorschutz und Wiedervernässung“. Diese fand im Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf (Lkr. Ravensburg/BW) statt. Die Moorlandschaft des angrenzenden Pfrunger-Burgweiler Riedes und die im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes erfolgreich abgeschlossenen Maßnahmen bildeten dabei den idealen Rahmen für den fachlichen Austausch.

Auf der Tagung wurden anschauliche Beispiele für erfolgreich umgesetzte Moorprojekte aus ganz Deutschland vorgestellt. Dabei wurden die Planung, Umsetzung und der Aufwand, der hinter der Wiedervernässung von Mooren steckt, praxisnah und verständlich beleuchtet.

Ein zentrales Thema, welches diskutiert wurde, war, wie Landwirte auf wiedervernässten Flächen künftig Einkommen generieren können. Durch den hohen Wasserstand sind angepasste Bewirtschaftungsformen nötig: Grünland könnte als Nasswiese genutzt werden, während nässetolerante Pflanzen wie Schilf, Rohrkolben oder Torfmoos angebaut werden könnten. Diese spezielle Nutzung nasser Moorböden wird unter dem Begriff Paludikultur zusammengefasst.

Was ist Paludikultur?

Die Paludikultur, abgeleitet von „palus“ (lateinisch für „Sumpf“ oder „Morast“), bezeichnet die land- und forstwirtschaftliche Nutzung von nassen Hoch- und Niedermooren. Moderne und nachhaltige Ansätze beinhalten die energetische Nutzung von Niedermoor-Biomasse, die Verarbeitung von Röhrichten zu innovativen Baustoffen oder den Anbau von Torfmoosen als umweltfreundlichen Ersatz für Torf im Gartenbau.

Die Bewirtschaftung von Moorböden unter nassen Bedingungen trägt zum Klimaschutz bei, indem sie den CO2-Ausstoß reduziert und durch Verdunstung für Kühlung sorgt. Sie bietet zudem Alternativen zu fossilen Rohstoffen, ohne mit der Nahrungsmittelproduktion um Flächen zu konkurrieren. Darüber hinaus stärkt Paludikultur die Biodiversität und fördert weitere ökologische Funktionen von Mooren. Sie eröffnet neue Chancen für Landwirtschaft und Tourismus, insbesondere in strukturschwachen Regionen.

Die Umstellung auf Paludikultur bedeutet für landwirtschaftliche Betriebe eine Neuausrichtung und Spezialisierung ihrer Bewirtschaftungsweise. Gerade deshalb hängt erfolgreicher Moorklimaschutz auch von der Zusammenarbeit und dem Unternehmergeist der LandwirtInnen ab.

Beweidung der Moorflächen

Beweidung gehört seit dem frühen Mittelalter zu den ersten Nutzungsformen feuchter Niedermoorflächen und stellt den natürlichen Zustand der Landschaft dar. Schon vor dem Einfluss des Menschen sorgten Pflanzenfresser wie Hirsche oder Elche dafür, dass neben Wald auch halboffenes Weideland existierte. In den letzten Jahrzehnten führte intensive Landwirtschaft jedoch zu einem Rückgang der Arten- und Lebensraumvielfalt. Im Pfrunger-Burgweiler Ried wird durch Wiedervernässung und extensiver Nutzung versucht, das Moor zu regenerieren und eine artenreiche Landschaft zu fördern. Robuste Rinder, wie beispielsweise Galloways, schottische Hochlandrinder oder Heckrinder spielen dabei als ganzjährige Landschaftspfleger eine wichtige Rolle.

Renaturierung und eine ganzjährige Rinderbeweidung schaffen eine feuchte bis nasse, halboffene Weidelandschaft. Durch die Beweidung der Rinder oder anderer Tiere wie Pferde oder Ziegen entsteht eine vielfältige Landschaft mit einem Mix aus Wiesen, Büschen, Bäumen, Wäldern, Rohböden und Gewässern, die zahlreichen Arten abwechslungsreiche Lebensräume bietet.

Im Pfrunger-Burgweiler Ried werden sechs robuste Rinderrassen zur extensiven Beweidung und Landschaftspflege eingesetzt. Sie sind an die Bedingungen angepasst und bleiben ganzjährig auf der Weide.

Um eine Überweidung und das Wachstum der Herden in Feuchtgebieten zu vermeiden, werden regelmäßig Tiere aus den Herden entnommen. Diese Rinder, die ihr Leben vollständig in ganzjähriger Freilandhaltung verbracht haben, kennen keine Fixierung oder Transporte, was den Stress beim Einfangen erhöht. Daher erfolgt die Entnahme durch einen Weideschuss, der in Zusammenarbeit mit Behörden und der Stiftung Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried durchgeführt wird. Dieses schonende Verfahren minimiert Stress für die Tiere. Anschließend wird das Rind zu einem regionalen Metzger gebracht und weiterverarbeitet.

Das Gundelfinger Moos, ein Teil des schwäbischen Donaumooses liegt, ist als Naturschutzgebiet (NSG) geschützt und umfasst eine Fläche von 224 Hektar. Zudem ist es als Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet ausgewiesen. Auch dort wurden nachhaltige Beweidungssysteme, z.B. mit Exmoor-Ponys, Rindern und Wasserbüffeln eingeführt.

Weitere Moorprojekte

Das Ummendorfer Ried, ein rund 114 Hektar großes Moor in der Nähe der Stadt Biberach, wurde zwischen 2007 und 2022 renaturiert. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurde der oberflächennahe Grundwasserspiegel angehoben, um die verbliebenen naturnahen Moorbereiche zu stabilisieren. Ziel war es, die moortypischen Lebensgemeinschaften wiederherzustellen, die durch frühere Torfgewinnung und Entwässerung beeinträchtigt worden waren. Zusätzlich konnte durch die Renaturierung der ökologische Wert des Gebiets gesteigert werden.

Die Allgäuer Moorallianz ist ein Naturschutzgroßprojekt, dessen Ziel es ist, deutschlandweit bedeutende Landschaften und Lebensräume zu bewahren und für kommende Generationen zu sichern. Im Fokus steht der Schutz und die Erhaltung der biologischen Vielfalt in den Moorlandschaften des Allgäus. Gleichzeitig leisten die vielfältigen Moorschutzmaßnahmen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Hochwasservorsorge. Das Projekt wird im Rahmen des Programms „chance.natur – Bundesförderung Naturschutz“ vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördert und läuft bis zum Jahr 2030.

Moormobil des Naturschutzzentrums
Moormobil des Naturschutzzentrums

Fazit

Die Beweidung im Pfrunger-Burgweiler Ried zeigt exemplarisch, wie LandwirtInnen künftig auf nassen Moorflächen wirtschaftlich erfolgreich sein können. Mit gezielter Kommunikation, Aufklärung und einer offenen Herangehensweise bietet sich die Chance, diese Flächen nachhaltig zu bewirtschaften – ein Ansatz, der angesichts der wachsenden Dringlichkeit immer wichtiger wird.

Insgesamt bot die Tagung einen umfassenden Einblick in erfolgreich abgeschlossene Moorprojekte und vermittelte Zuversicht, dass die Renaturierung von Mooren ein zunehmend präsentes und aktiv angegangenes Thema ist. Ein wiederkehrendes Problem jedoch sind die oft langwierigen Projektphasen. Bereits die Genehmigungsverfahren nehmen häufig mehrere Jahre in Anspruch, was deutlich zu viel Zeit kostet. In Zukunft müssen Moorprojekte zügiger umgesetzt werden, um ihre positiven Auswirkungen schneller entfalten zu können.

Besonders ermutigend war die unerwartet hohe Teilnehmerzahl, die selbst die Veranstalter positiv überraschte und das große Interesse an diesem wichtigen Thema unterstrich.

Quellen
Moorwissen: Paludikultur – Moorwissen de
Naturschutzzentrum Wilhelmsdorf: Landschaftspflege durch extensive Beweidung im Pfrunger-Burgweiler Ried
Allgäuer Moorallianz: Über uns – Allgäuer Moorallianz

Fachtagung Netzwerk Rechte der Natur

Berlin, den 11.11.2024

Wie wunderbar, dass das »Netzwerk Rechte der Natur« sich so aktiviert, dass Menschen jeden Alters intrinsisch motiviert zusammenfinden, um für die Rechte der Natur zu kämpfen und sich somit für »zukünftige Generationen« einsetzen. Denn zur Anthropozentrik gehört nicht nur der heute lebende Mensch – sondern auch alle Kinder von Morgen – denen es eine lebenswerte Umwelt zu bewahren gilt.
Ziel des Zusammenschlusses vieler Organisationen, natürlicher und juristischer Personen ist, der Natur Rechte zuzusprechen, so dass die Natur vom Rechts-Objekt zum Rechts-Subjekt wird. Als Rechtssubjekt kann die Natur sich rechtlich durch Dritte vertreten lassen, so wie beispielsweise Eltern die Rechte ihrer Kinder vertreten.
Der Natur eine Rechtspersönlichkeit zuzusprechen bedeutet nicht, dass Justitia der Natur immer Vorrang geben muss. Ganz im Gegenteil – die Natur muss wie jede Rechtsperson für ihr Recht kämpfen, also gute Argumente und das Recht auf seiner Seite haben. Bis heute kann die Natur sich nicht durch Dritte vertreten lassen, außer dass interessierte Kreise bei Planfeststellungsverfahren ihre Bedenken äußern können. Ein direktes Klagerecht hat die Natur in Deutschland und Europa nicht – bis auf eine einzige Ausnahme. Hierzu siehe unseren Blogbeitrag zum »Präzedenzfall Mar Menor beeinflusst deutsche Rechtsprechung« (Gesetz 19/2022 vom 30. September 2022 zur Anerkennung der Rechtspersönlichkeit der Lagune Mar Menor und ihres Beckens).
Prof. Betram Lomfeld von der Freien Universität stellte es in der Netzwerkdiskussion pragmatisch dar. Angst davor zu haben, die Natur würde als Rechtssubjekt immer Recht erhalten, wäre für Menschen ziemlich kontraproduktiv, weil es der Natur wahrscheinlich am besten gehen würde, wenn der Mensch sie, also die Natur, gar nicht beeinflussen würde. Hätte die Natur das Recht, Rechte für sich einklagen zu können, würde es eine zukunftsorientierte Rechtsprechung geben, die auf Abwägung der verschiedenen rechtlichen Interessen beruhen würde. Die große Innovation dabei ist, dass die Natur nicht grundsätzlich alles akzeptieren muss, was der oftmals kurzfristig denkende Mensch, der von reiner Ökonomie getrieben ist, an Schaden anrichtet.
Dr. Anna von Rebay und Dr. Nina Kerstensteiner von Ocean Vision Legal stellen das Gutachten: »Rechte des Schweinswales – von Gutachten zur Praxis« vor. Der Schweinswal wurde auserwählt, da es nur noch 500 Exemplare seiner Art in der Ostsee gibt. Rechtstechnisch könntem dem Schweinswal jederzeit Rechte zugesprochen werden, so Dr. Nina Kerstensteiner, wie z.B. ein Recht auf Leben und/oder ein Recht auf Bewegungsfreiheit. Das Gutachten definiert zwei Wege, um zur Zielerreichung zu kommen. Erstens könnte versucht werden Rechte der Natur allgemein zur Anerkennung zu bringen oder es kann versucht werden eine Rechtsverordnung für z.B. ein einzelnes Tier zu erwirken. Um eine Rechtsverordnung zu erlangen, braucht es jedoch eine Ermächtigungsgrundlage.
Prof. Betram Lomfeld beschreibt, dass es aufbauend auf dem Zivilrecht viele Rechtsentscheidungen geben könnte, auf Verfassungsebene es aber nur einen großen Wurf geben darf. Deshalb bedarf es der Vernetzung und der Absprache. Dr. Andreas Gutmann stimmt zu und betont: es sollte alles auf eine konkrete Klage begrenzt werden. Ein Vorschlag aus dem Netzwerk ist, dass sinnvollerweise eine anerkannte »Ökologische Person«, wie das Mar Menor, die Aufgabe übernehmen könnte, die Rechtsprechung in Europa oder Deutschland weiterzuentwickeln.
Rechtsanwalt Dr. Bernd Söhnlein beschreibt mögliche Vorgehensweisen, wie die Rechte der Natur auf den Weg gebracht werden können. Offene Fragen, welcher Gerichtszweig, welche Kläger:innen und Gegensand der Klage (gegen oder für ein Gesetz, gegen eine Behördenentscheidung, gegen eine Privatperson oder ein Unternehmen) werden im Netzwerk zur Diskussion gestellt.
Rechtsanwalt Peter Mohr erläutert, dass erstmals 1988 am Verwaltungsgericht Hamburg mit einer Umweltverbandsklage „Robben gegen die Verklappung von Dünnsäure“ versucht wurde, Tieren Rechte einzuräumen. Damals klagten u.a. Greenpeace und der B.U.N.D. im Namen der Robben gegen die »Bayer AG«, u.a. um eine weitere »Einbringung von Abfallstoffen auf hoher See« gerichtlich zum Verbot zu bringen. Heute unvorstellbar, dass jährlich 300.000 Tonnen chemischer Abfälle wie Dünnsäure einfach verklappt wurden – hat das Verwaltungsgericht Hamburg die Klage seiner Zeit abgelehnt. Die Klage hat jedoch so viel öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt, dass daraufhin die Verklappung durch die Politik verboten wurde.
Im Netzwerk werden verschieden Rechtsgrundlagen aufgegriffen, die helfen können. So z.B. die Aarhus-Konvention als EU-Umweltinformationsrecht. Über die Bürgerbeteiligungsrechte der Aarhus-Konvention, welche auf drei Säulen beruht (1) Zugang zu Umweltinformationen (2) Öffentlichkeitsbeteiligung im Umweltschutz (3) Zugang zu Gerichten in Umweltangelegenheiten könnte z.B. ein Auskunftsrecht erwirkt werden, dass Landwirt:innen darüber Auskunft geben müssen, welche Agrar-Gifte sie auf Feldern versprühen. Auch die UN-Kinderrechtskonvention, als Regelwerk zum Schutz der Kinder weltweit, kann herangezogen werden, um die Lebensgrundlage zukünftiger Generationen zu schützen, da die Vertragsstaaten in größtmöglichem Umfang das Überleben und die Entwicklung des Kindes gewährleisten müssen.
Dr. Carsten Berg und Emmanuel Schlichter beschreiben die Möglichkeiten die EU-Bürger:innen haben, um das EU-Recht zu gestalten. Zur partizipativen Mitgestaltung der Demokratie wurde die Verordnung (EU) 20219/788 vom 17. April 2019 über die Europäische Bürgerinitiative (EBI) verabschiedet. EU-Bürger:innen haben somit ein Initiativrecht, mit allerdings relativ hohen Hürden. Mindestens sieben natürliche Personen aus verschiedenen Mitgliedsstaaten müssen mindestens eine Millionen Unterschriften (Unterstützungsbekundungen) sammeln, damit eine EBI gestartet werden kann. Ein EBI kann jedoch eine Möglichkeit sein, für die Rechte der Natur zu kämpfen. Mehr Informationen finden sich unter https://citizens-initiative.eu/.
Auch ein Vorschlag, den es zu durchdenken gilt, ist, die Natur in Vorstände oder Beiräte von Unternehmen zu berufen. Bei der Greensurance Stiftung könnte das eine Vertreter:in des Beirates sein, die die Interessen unserer Moore vertritt.
Vieles könnte über das Netzwerktreffen noch geschrieben werden. Dieser Blogbeitrag ist nur ein kleiner Mitschnitt von all den Ideen, die Zukunft nachhaltiger über die Rechte der Natur zu gestalten. Es gilt dem Dank dem Vorstand unseres Netzwerkes insbesondere Frau Christine Ax, die mit vollem Engagement das Netzwerk federführend realisiert hat.
Next steps der Greensurance Stiftung:
  1. Wir suchen eine/n Werkstudenten:in der/die Jura studiert und ab 2025 mindestens zwei Jahre einen Minijob,
    auch zum Thema Rechte der Natur bearbeiten möchte. Bewerbung bitte an: reichenberg@greensurance-stiftung.de
  2. Wir intensivieren die Suche nach zweckgebundenen Spendengeldern »Rechte der Natur« um eine Musterklage im Netzwerk vorantreiben zu können. Spenden bitte an: DE62703900000004537866 – VIELEN DANK!
  3. Wir werben um weitere Mitglieder für das Netzwerk Rechte der Natur – denn: „Machen ist wie wollen – nur viel krasser“ !

Netzwerk der Organisationen – die die Veranstaltung in Berlin ermöglicht haben:

  • Netzwerk Rechte der Natur e.V.
  • Rechte der Natur e.V.
  • Rechte der Natur – Das Volksbegehren
  • Greenlegalimpact
  • Freie Universität Berlin
  • Winter Stiftung für Rechte der Natur
  • Resolvency
  • Selbach Umwelt Stiftung
  • Unikassel For Sustainbility
  • Greensurance
  • Greensurance Stiftung Für Mensch und Umwelt

Netzwerk Rechte der Natur

Unser Besuch im Mar Menor – das erste europäische Rechtssubjekt

Rechtssubjekt Mensch versus Rechtssubjekt Natur

Die Lagune Mar Menor, ein einzigartiges Ökosystem im Süden Spaniens, steht im Zentrum einer bahnbrechenden rechtlichen Entwicklung. Seit 2021 besitzt die Lagune als erstes europäisches Ökosystem den Status einer »Rechtsperson«, wodurch ihr grundlegende Rechte wie Schutz, Erhaltung und Wiederherstellung zugesprochen wurden. Dies markiert einen bedeutenden Schritt in der rechtlichen Anerkennung von Umweltinteressen. Das Beispiel Mar Menor zeigt deutlich den Konflikt zwischen dem Schutz der Natur und wirtschaftlichen Interessen – eine Debatte, die weit über die Grenzen Spaniens hinausreicht.

Die Krise Mar Menor: Ein bedrohtes Ökosystem

Mit einer Fläche von 135 km² und einer einzigartigen Biodiversität war das Mar Menor lange Zeit ein Ökosystem von besonderer Bedeutung. Doch im Jahr 2019 kam es zu einem ökologischen Desaster: Die Lagune „kippte“, ausgelöst durch eine Kombination aus intensiver landwirtschaftlicher Nutzung, Klimawandel und der damit einhergehenden Erwärmung des Wassers. Dies führte zu einem massiven Artensterben, das sowohl das Ökosystem als auch den Tourismus, eine der Haupteinnahmequellen der Region, schwer beeinträchtigte. Tote Fische an den Stränden und stinkende Algen im Wasser wurden zum Symbol einer verfehlten Umweltpolitik.

Ein Ökosystem als Rechtsperson: Ein juristisches Novum

Die Anerkennung der Lagune als „Rechtsperson“ erfolgte nach intensiven Anstrengungen von Umweltschützern und Bürgerinitiativen. Ein Volksbegehren mit über 600.000 Unterschriften zwang die spanische Regierung zum Handeln. Mit der Verabschiedung des Gesetzes „19/2022“ im September 2021 erhielt das Mar Menor den Status einer Rechtsperson, womit es nicht länger nur ein schützenswertes Objekt, sondern ein Rechtssubjekt wurde. Die Lagune hat nun das Recht auf Erhalt, Schutz, Pflege und gegebenenfalls Wiederherstellung, und jedes Verhalten, das diesen Rechten zuwiderläuft, kann rechtlich verfolgt werden.

Agrarwirtschaft und Umweltzerstörung: Die Wurzel des Problems

Neben dem Klimawandel stellt die intensive Landwirtschaft in der Region Murcia die größte Bedrohung für das Mar Menor dar. Die Region ist bekannt für ihre großflächigen Agrarbetriebe und Massentierhaltung, insbesondere in der Schweineproduktion. Diese Agrarpraktiken tragen massiv zur Nitratbelastung der Böden und des Grundwassers bei. Rund 3 Tonnen Nitrat fließen täglich in die Lagune und führen zu einer Eutrophierung, die das Ökosystem destabilisiert. Bereits 2019 zeigte ein Bericht des spanischen Umweltministeriums, dass die intensive Schweinehaltung für etwa 17% der Stickstoffbelastung im Grundwasser verantwortlich ist.

Drohnenaufnahmen und Untersuchungen deckten schwerwiegende Verstöße auf: Schweinegülle wird oft unsachgemäß gelagert, wodurch giftige Stoffe in den Boden und schließlich in die Lagune gelangen. Trotz dieser alarmierenden Situation zeigen die Behörden wenig Bereitschaft, gegen die expandierende Schweineindustrie vorzugehen. Die wirtschaftlichen Interessen der Landwirtschaft stehen dabei häufig über dem Schutz der Natur.

Mar Menor Algen
Algenwuchs an den Stränden von Mar Menor

Widerstand und politischer Konflikt

Das Gesetz zur Anerkennung der Lagune als Rechtsperson wurde nicht von allen als Fortschritt im Naturschutz angesehen. Besonders die rechtspopulistische Partei Vox stellt sich gegen die neuen Regelungen. Sie argumentiert, dass diese das Recht auf Privateigentum und Berufsfreiheit einschränken und die landwirtschaftlichen Aktivitäten der Region gefährden. Dieser Widerstand hat zu heftigen politischen Auseinandersetzungen geführt, die den Interessenskonflikt zwischen Umweltschutz und wirtschaftlichem Fortschritt verdeutlichen.

Im Januar 2022 eskalierte der Konflikt, als Schweinebauern ein Parlamentsplenum stürmten, um gegen strengere Vorschriften zu protestieren, die Mindestabstände zwischen Wohnhäusern und Schweinemastbetrieben festlegen sollten. Diese Vorfälle zeigen, wie tief der Widerstand gegen Umweltschutzmaßnahmen in der Region verankert ist.

Mar Menor als globales Symbol: Ein Präzedenzfall in Deutschland

Die rechtliche Anerkennung des Mar Menor als »Rechtsperson« hat weltweit Aufmerksamkeit erregt und stellt einen Präzedenzfall in Europa dar. Der Fall inspirierte auch die deutsche Justiz. Im August 2024 griff ein Gericht in Erfurt erstmals diese spanische Rechtsprechung auf. In einem Verfahren im Zusammenhang mit dem Dieselskandal erkannte das Gericht die Natur als geschädigte Partei an. Dieses Urteil ist wegweisend, da in Deutschland bisher keine rechtliche Grundlage existierte, die es ermöglicht, im Namen der Natur zu klagen. Richter Dr. Martin Borowsky nutzte Artikel 37 der Grundrechtscharta der Europäischen Union, um die Rechte der Natur in das deutsche Zivilrecht zu integrieren und eine neue Ära des Umweltschutzes in der Rechtsprechung einzuleiten.

Eine globale Bewegung für die Rechte der Natur

Das Beispiel des Mar Menor ist Teil einer wachsenden globalen Bewegung, die darauf abzielt, der Natur rechtliche Anerkennung zu verleihen. Ähnliche Initiativen gibt es in Ländern wie Ecuador, wo die Natur in der Verfassung als Rechtssubjekt anerkannt ist. Dort kämpfen indigene Bevölkerungsgruppen gegen die Ausbeutung der Natur durch multinationale Konzerne, und im Fall des Nebelwaldes konnten bereits entscheidende Erfolge für den Schutz des Ökosystems erzielt werden.

Auch in Deutschland wird diese Debatte immer relevanter. Der Präzedenzfall des Mar Menor könnte Vorbild für zukünftige juristische Entwicklungen sein und den Weg für eine umfassendere rechtliche Anerkennung von Ökosystemen ebnen. Die Frage, ob die Natur denselben rechtlichen Stellenwert wie der Mensch in unserer Gesellschaft einnehmen kann, bleibt jedoch offen.

Ein neuer Weg im Umweltschutz: Musterklage und Engagement

Die Greensurance Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, den Schutz der Natur weiter voranzutreiben. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern, wie der grünen Rechtsschutzversicherung Greensurance®, plant die Stiftung eine Musterklage, um die Rechte der Natur noch tiefer im deutschen Rechtssystem zu verankern. Dieses juristische Vorgehen könnte eine weitere wichtige Entwicklung im internationalen Umweltschutz darstellen und den Schutz von Ökosystemen zu einer globalen Verantwortung machen.

Wir haben das Mar Menor besucht

Im Juli 2024 haben wir das Mar Menor (ohne das Flugzeug zu benutzen,…) besucht, um uns einen eigenen Eindruck zu machen. Es war erschreckend die Lagune zu erleben. Menschen badeten unbekümmert in einem viel zu warmen Wasser und wir hatten das Gefühl, als könnte die Katastrophe jeden Moment wieder passieren – das Umkippen des Mar Menors. Hier der Link zu unserem subjektiven Eindruck: https://vimeo.com/1026058109

Fazit: Mar Menor – Ein Symbol für den weltweiten Kampf um den Naturschutz

Der Fall Mar Menor verdeutlicht, dass der Schutz der Natur nicht nur eine ökologische, sondern auch eine juristische und ethische Verantwortung ist. Die Anerkennung des Ökosystems als Rechtsperson markiert einen historischen Fortschritt im Umweltschutz und stellt einen wichtigen Präzedenzfall dar, der weltweit Wellen schlägt. Der jüngste deutsche Rechtsstreit, der die Natur ebenfalls als geschädigte Partei anerkennt, unterstreicht die wachsende Bedeutung dieses Ansatzes.

Es ist an der Zeit, dass die Rechte der Natur weltweit ernst genommen werden. Der Schutz unserer Ökosysteme darf nicht länger hinter wirtschaftlichen Interessen zurückstehen, sondern muss als zentrale Herausforderung unserer Zeit anerkannt werden. Die Anerkennung von Ökosystemen als Rechtssubjekte stellt einen bedeutenden Schritt in die richtige Richtung dar und muss als Modell für zukünftige juristische und gesellschaftliche Entwicklungen dienen.

Mehr Informationen zum Mar Menor

Das Mar Menor hat den Autor – Samuel Reichenberg – so bewegt, dass ein größerer Bericht mit mehr Hintergrundfakten hier zu lesen ist: PDF – Das Mar Menor

Spenden für die angestrebte Klimaschutzklage mit Verwendungszweck »Klage Rechtssubjekt« bitte an:

Greensurance Stiftung Für Mensch und Umwelt
IBAN: DE62703900000004537866 

Vielen Dank für Ihre/Eure Unterstützung!

Ein Moortag mit Systemiq – Gemeinsam für eine nachhaltigere Zukunft

Moorlandschaften gehören zu den wertvollsten Ökosystemen unseres Planeten. Sie speichern Kohlenstoff, fördern die Biodiversität und bieten wertvollen Lebensraum für viele bedrohte Arten. Doch durch menschliche Eingriffe, wie den Abbau von Torf, wurden viele dieser wichtigen Biotope geschädigt. Umso bedeutender sind Initiativen, die sich für die Renaturierung dieser Flächen einsetzen. Ein Beispiel hierfür ist der Social Day von Systemiq, der kürzlich im Ameisen-Moor und an den Weilheimer Moorseen stattfand.

Wer ist Systemiq?

Systemiq ist ein globales Unternehmen, das sich auf die Förderung systemischer Veränderungen hin zu einer nachhaltigen Zukunft spezialisiert hat. Mit einem klaren Fokus auf die Bekämpfung der Klimakrise und den Schutz der Biodiversität arbeitet Systemiq eng mit Partnern aus verschiedenen Sektoren zusammen, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Bei diesem Moortag war das Unternehmen mit 17 engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vertreten, die tatkräftig an der Renaturierung einzigartigen Moorbiotops des Ameisen-Moors mitwirkten.

Moorführung: Einblicke in ein bedrohtes Ökosystem

Der Tag begann mit einer geführten Tour an den Weilheimer Moorseen. Den Teilnehmenden von Systemiq wurde hier ein Einblick in die Besonderheiten der Moorseen gegeben, die durch den langjährigen Torfabbau in dieser Gegend entstanden sind. Über Jahrzehnte wurde in dieser Region Torf abgebaut, was tiefe Senken hinterließ, die sich nach und nach mit Wasser füllten und so das heutige Biotop formten. Die Führung sollte verdeutlichen, wie tiefgreifend menschliche Eingriffe das Landschaftsbild verändern können, und sollte den Teilnehmenden gleichzeitig die Bedeutung von Mooren als natürliche Kohlenstoffspeicher näherbringen.

Renaturierung im Ameisen-Moor: Ein aktiver Beitrag von Systemiq

Nach dem Besuch der Moorseen ging es weiter zum Ameisen-Moor, einem weiteren Beispiel für die komplexe Geschichte der Torfabbaugebiete in der Region. Bis in die 1960er Jahre wurde hier Torf abgebaut, allerdings in geringerem Umfang als an den Moorseen. Das Grundstück des Ameisen-Moors war früher in viele kleine Parzellen unterteilt, die in der Vergangenheit an ärmere Bevölkerungsteile verschenkt wurden, damit diese dort Brennstoff abbauen konnten. Manche dieser Parzellen wurden genutzt, andere nicht, weshalb das Gelände heute recht uneben ist.

Seit dem Ende des Torfabbaus hat sich im Ameisen-Moor ein Moorwald entwickelt. Allerdings führten die damals gezogenen Gräben, die das Moor entwässern sollten, dazu, dass sich trockenheitsliebende Baumarten wie die Fichte ausbreiten konnten – ein für Moore untypischer Anblick. Fichten gelten als Trockenheitsanzeiger im Moor und verdrängen mit der Zeit moortypische Vegetation.

Im Rahmen des Social Days unterstützten die Mitarbeitenden von Systemiq die Greensurance Stiftung dabei, die Fichten im Moor zu entfernen. Ziel der Aktion war es, die Ausbreitung der Fichten zu stoppen und dem Moor zu ermöglichen, seine natürlichen Eigenschaften zurückzugewinnen.

Tatkräftiger Einsatz für die Natur

Hier setzte die Arbeit des Systemiq-Teams an. Kleinere Fichten wurden mit Äxten und Handsägen gefällt, während größere Bäume mit Unterstützung eines professionellen Baumschneiders entfernt wurden. Die gefällten Fichten wurden anschließend entastet und in kleinere Teile zersägt.

Der Arbeitseinsatz konzentrierte sich auf den östlichen Teil des Moors. In Zukunft sollen jedoch auch die Fichten im Westen des Moorwaldes entfernt werden. Einige Bäume am Rand des Ameisen-Moors werden jedoch stehen gelassen, um als Windschutz zu dienen und so die übrige Vegetation – darunter Birken, Pappeln und Kiefern – zu stabilisieren. Diese Maßnahme soll verhindern, dass die Bäume durch Winddruck umfallen und das fragile Ökosystem weiter beschädigen.

Diese intensive Arbeit mit Systemiq markiert einen wichtigen Schritt in der Renaturierung des Ameisen-Moors.

Fazit: Nachhaltigkeit als gemeinschaftliche Aufgabe

Der Social Day von Systemiq war ein voller Erfolg. Wir als Greensurance Stiftung sind mehr als beeindruckt und dankbar für die tatkräftige Unterstützung. Systemiq hat am Moortag einmal mehr bewiesen, wie wichtig es ist, durch konkrete Maßnahmen zur ökologischen Wiederherstellung beizutragen. Die Mitarbeitenden des Unternehmens haben nicht nur tatkräftig angepackt, sondern auch ein tieferes Verständnis für die ökologischen Herausforderungen gewonnen, vor denen Moorlandschaften stehen. Durch ihren Einsatz im Ameisen-Moor konnten sie einen direkten Beitrag zum Klimaschutz und zur Förderung der Biodiversität leisten – ein inspirierender Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft.