Autor: Kevin von Chaulin
Schatzfund im Moor
Heute melden wir uns mit einem kleinem, etwas anderem Beitrag. Bei unseren Renaturierungsarbeiten in einer unserer Moorflächen sind wir über einen kleinen Moorschatz, zumindest für alteingesessene Weilheimer, gestolpert. Dabei handelt es sich um gut erhaltene Bierflaschen der bereits 1986 geschlossenen Weilheimer Brauerei Bräuwastl.


Die Bräuwastl Brauerei, gegründet 1685 von der Familie Hipper, war über Jahrhunderte ein fester Bestandteil des Weilheimer Stadtlebens. Ihr Bier, einst in der Fischergasse gebraut, war weit über die Stadtgrenzen hinaus beliebt. Nach mehr als 300 Jahren Brautradition schloss die Brauerei 1986 endgültig ihre Pforten – das Bier wird heute nach dem selben Rezept unter Produktionsleitung des Finkbeiner GmbH & Co.KG Getränkevertriebs in Langenau gebraut. Umso faszinierender ist es, originale, unbeschädigte Glasflaschen aus dieser Ära zu finden.
Ein wahrer Schatz, der die Geschichte Weilheims auf ganz besondere Weise wieder lebendig macht. Eine Frage aber bleibt: Wer hat diesen Moorschatz zurückgelassen? Torfstecher, Wanderer oder jemand komplett anderes? Das lässt sich leider nicht mehr sicher herausfinden.

Neophytenentfernung im Ameisen-Moor: Riesen-Bärenklau

Ende Juni gab es im Ameisen-Moor einen besonderen Arbeitseinsatz: An einer bestimmten Stelle musste der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) entfernt werden. Diese imposante Pflanze kann in Deutschland Höhen von 2 bis 3,5 Metern erreichen und wirkt auf den ersten Blick durchaus beeindruckend. Allerdings ist sie aus ökologischer Sicht äußerst problematisch. Der Riesen-Bärenklau gehört zu den invasiven Neophyten, stammt ursprünglich aus dem Kaukasus und hat sich inzwischen in Deutschland sowie in vielen weiteren Regionen Europas stark ausgebreitet.
Warum muss die Pflanze entfernt werden?
Die Bekämpfung des Riesen-Bärenklaus ist aus mehreren Gründen von hoher Bedeutung. Einerseits stellt er ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko für Menschen dar: Sein Pflanzensaft enthält phototoxische Inhaltsstoffe, die bei Hautkontakt in Verbindung mit Sonneneinstrahlung schwere Verbrennungen, Blasenbildung und langanhaltende Hautschäden hervorrufen können. Besonders gefährdet sind Kinder und empfindliche Personen, da schon ein kurzer Kontakt mit der Pflanze schmerzhafte Reaktionen auslösen kann. Beim Entfernen der Pflanze ist daher das Tragen vollständiger Schutzkleidung, einschließlich Gesichtsschutz, dringend angeraten.
Zusätzlich wirkt sich der Riesen-Bärenklau auch negativ auf die Umwelt aus. Er wächst außergewöhnlich schnell und bildet dichte Bestände, die einheimische Pflanzenarten verdrängen und damit die Artenvielfalt deutlich verringern. Stirbt die Pflanze ab, bleibt der Boden häufig unbewachsen, wodurch das Risiko von Bodenerosion merklich steigt.


Wie kann die Pflanze entfernt werden?
Aus diesen Gründen war ein rasches Eingreifen erforderlich, um eine weitere Ausbreitung des Riesen-Bärenklaus zu verhindern. Um den direkten Kontakt mit der giftigen Pflanze zu vermeiden, kam für die Entfernung ein Moorbagger zum Einsatz. Neben dem Abschneiden der Blütendolden, die zahlreiche Samen enthalten, ist es entscheidend, auch die im Boden liegenden Wurzelknollen zu beseitigen. Bleibt die Knolle im Erdreich, treibt die Pflanze im Folgejahr erneut aus – selbst wenn der oberirdische Teil zuvor abgeschnitten oder gemäht wurde. Die wirkungsvollste Bekämpfungsmethode besteht daher darin, die Wurzelknolle vollständig auszugraben oder mindestens 10 bis 15 Zentimeter unterhalb des Vegetationspunkts sauber abzutrennen. Genau aus diesem Grund wurde an der betroffenen Stelle der Boden abgetragen, um die Knollen zuverlässig zu zerstören.
Da die Samen des Riesen-Bärenklaus über viele Jahre hinweg im Boden keimfähig bleiben, sind mehrjährige Nachkontrollen erforderlich, um neu aufkommende Pflanzen rechtzeitig zu entfernen.
Renaturierung im Ameisen-Moor: Wasserpegel setzen für die Zukunft des Moores
Analog zu unseren Renaturierungsarbeiten im Brandfilz konnten wir Anfang Juni auch im Ameisen-Moor insgesamt fünf Wasserpegel (Materialkosten von circa 4.000 €) aufbauen. Dieser Schritt ist zunächst wichtig, um den Ist-Stand und die Fluktuation der Grundwasserstände observieren zu können. Dies wiederum hilft dabei weitere Renaturierungsmaßnahmen zu planen und den Effekt dieser Anstauungsmaßnahmen zu quantifizieren. Die Pegelsetzung verlief dabei analog zu der Pegelsetzung im Brandfilz ab. Dieser Artikel baut auf dem dazugehörigen Blogbeitrag auf, in dem die Methodik näher beschrieben ist.
Edelmannbohrer

Um die Pegel zu setzen, müssen als erstes Löcher gebohrt werden. Dafür wird zunächst mit dem handbetriebenen Edelmannbohrer vorgebohrt. Der Edelmannbohrer ist ein klassisches Werkzeug für die Bodenuntersuchung und eignet sich besonders gut für weiche, feuchte Böden wie Moore. Durch seine spezielle Form kann der Bohrer Bodenproben entnehmen, ohne das Bodenprofil stark zu beschädigen. Allerdings ist das Instrument nicht optimal geeignet, um die Schichtung des Bodens zu erkennen.
Moorklappsonde

Deshalb wird anschließend mit der ebenfalls handbetriebenen Moorklappsonde nachgebohrt. Die Moorklappsonde ist speziell für den Einsatz in Mooren entwickelt worden. Sie ermöglicht es, Bodenproben aus größeren Tiefen zu entnehmen und das Bodenprofil zu analysieren. Die Sonde kann dabei geöffnet werden, um das Bodenmaterial aufzunehmen, und anschließend wieder verschlossen werden, um die Probe an die Oberfläche zu bringen. So lassen sich die verschiedenen Schichten des Moores genau dokumentieren, was für die Festlegung der Pegeltiefe entscheidend ist, da es wichtig ist, die gesamte Torfschicht zu durchdringen, um den Grundwasserstand zuverlässig messen zu können.
Filtermaterialien

In die entstehenden Löcher werden dann die Filterrohre unter Zusatz der drei verschiedenen Filtermaterialen Filterkies, Filtersand und Quellton (in dieser Reihenfolge) eingeführt. Filterkies sorgt für eine grobe Vorfilterung von Sedimenten und Schwebstoffen und verhindert, dass diese größere Partikel in das Filterrohr gelangen. Filtersand dient als feinere Filterschicht und hält kleinere Sedimente zurück. Außerdem wird so ein gleichmäßiger Grundwasserzufluss in das Filterrohr gewährleistet. Wie der Name schon sagt quillt der Quellton bei Kontakt mit Wasser auf und verschließt das Bohrloch zuverlässig. Dadurch wird ein ungewollter Wasseraustausch zwischen Oberfläche und Messstelle verhindert, was die Genauigkeit der Grundwassermessung erhöht.



