Eingabehilfen öffnen

Zum Hauptinhalt springen

Greensurance Stiftung zu Gast bei der GDV-Fachtagung „Sustainability Reporting“ in Berlin am 19.11.2025

1. Dezember 2025

Rückblick auf die GDV-Fachveranstaltung vom 19. November 2025
NH Collection Berlin Friedrichstraße

Die diesjährige Fachveranstaltung „Sustainability Reporting“ des GDV bot eine Mischung aus Impulsvorträgen und geführten Paneldiskussionen. Unter der Moderation von Götz Treber (GDV), beleuchteten Expert:innen aktuelle regulatorische Entwicklungen und deren praktische Auswirkungen.

Aktuelle regulatorische Entwicklungen

Den Auftakt gestaltete Anja Krasselt (GDV). Sie verwies auf die weiterhin bestehende Rechtsunsicherheit rund um die Umsetzung von CSRD und CSDDD in Deutschland. Trotz oder wegen dem konträren Handlungsdruck aus Wirtschaft und Politik liegt nach wie vor keine nationale Umsetzung vor.

Im Rahmen der GDV-Verbandskostenerhebung (04/05 2025) zeigte sich zudem, dass die Hauptkosten der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf die Implementierungsphase entfallen. Die tatsächlichen Aufwände der Versicherer liegen dabei deutlich über den ursprünglichen Kostenschätzungen der EFRAG, teils um ein Vielfaches.

Steuerung statt Compliance

Im Anschluss präsentierte Georg Lanfermann (DSRC, EFRAG) neue Erkenntnisse zur CSRD. Eine DSRC-Untersuchung unter DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen ergab, dass die Bereiche E1 (Klimawandel), S1 (Eigene Belegschaft) und G1 (Governance) durchgehend als wesentlich eingestuft werden. Ebenfalls häufig wesentlich sind E5 (Ressourceneffizienz & Kreislaufwirtschaft), S2 (Arbeitnehmer der Wertschöpfungskette) und S4 (Kunden & Endnutzer).

Das Streichen von Datenpunkten durch die Wesentlichkeitsanalyse führt nicht automatisch zu kürzeren Berichten. Zudem zeigte sich, dass das Konzept der Materiality of Information vielfach unklar interpretiert wird.

Stimmen aus Datenanalyse und Regulierung

Aus Sicht der Datenanbieter betonte Simone Ruiz-Vergote (MSCI), dass viele neue Berichtspflichten die Relevanz der gelieferten Daten potenziell überbewerten, da zahlreiche Analysen ohnehin auf Informationen großer börsennotierter Unternehmen basieren. Gleichzeitig warnte sie vor einer Fragmentierung: Erstellen Unternehmen Berichte auf unterschiedlichen Basisebenen, könnten Daten künftig wieder schlechter vergleichbar sein.

Céline Kaszás (GDV) ergänzte Einschätzungen zu den Omnibus-Änderungen der CSRD. Laut einer GDV-Umfrage (05/06 2025) empfinden die meisten Teilnehmenden die vorgesehenen Entlastungen als nicht ausreichend. Am hilfreichsten wären aus Unternehmenssicht eine deutliche Reduktion der Datenpunkte, eine vereinfachte Wesentlichkeitsanalyse sowie ein klarer Fokus auf das True-and-Fair-View-Prinzip.

Praxisberichte der Versicherer

In der anschließenden Paneldiskussion mit Judith Peters (LVM), Susan Liedtke (W&W) und Carolin Scheil (Zürich) wurde deutlich, dass viele Unternehmen 2024 vor allem aufgrund der herrschenden Rechtsunsicherheit und der späten politischen Entwicklungen freiwillig nach CSRD berichteten. Zudem zeigten die Erfahrungsberichte, dass selbst große Versicherer ihre Scope-3-CO₂-Bilanzierung bislang nicht vollständig abdecken.

Fazit

Die Veranstaltung verdeutlichte, dass eine frühzeitige Priorisierung, sorgfältige Datensammlung und enge Abstimmung mit der Wirtschaftsprüfung zentrale Erfolgsfaktoren für eine qualitativ hochwertige Berichterstattung sind. Ebenso wichtig ist die Verankerung des Themas im Vorstand, um die Steuerung und Umsetzung unternehmensweit zu stärken.

Über alle Beiträge hinweg zog sich ein Leitmotiv: Die anhaltende Rechtsunsicherheit wird die Branche auch im Jahr 2026 weiterhin beschäftigen. Gleichzeitig nehmen wir mit, dass Nachhaltigkeit in Unternehmen kein kurzfristiger Trend, sondern eine strategische und wirtschaftlich relevante Zukunftsentscheidung ist.