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International Peatland Science Conference (iPSC) 2024 in Freising

26. September 2024

Eindrücke der Greensurance Stiftung

Vom 18. bis 21. September 2024 fand an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) in Freising die International Peatland Science Conference (iPSC) statt. Organisiert vom Peatland Science Center, vereinte die Konferenz internationale Fachleute, Forscherinnen und Forscher sowie Praktikerinnen und Praktiker, um die Rolle der Moore für Ökosystemfunktionen, Klimaschutz und Biodiversität zu erörtern. Die Greensurance Stiftung war mittendrin dabei. Wissenschaftliche Konferenzen wie die International Peatland Science Conference (iPSC), bieten nicht nur eine Bühne für den Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern auch eine wichtige Gelegenheit, ExpertInnen aus verschiedenen Disziplinen zusammenzubringen. Die Konferenz hat eindrucksvoll gezeigt, wie bedeutend der Schutz und die Renaturierung von Mooren für die Bewältigung globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel und dem Erhalt der Biodiversität sind.

Die Diskussionen auf der iPSC zeigten klar, dass Moore eine entscheidende Rolle bei der Regulierung von Ökosystemen und dem Klimaschutz spielen. Doch die wissenschaftlichen Erkenntnisse allein reichen nicht aus. Diese Erkenntnisse müssen in die Praxis übertragen werden, um tatsächlich etwas zu bewirken. Dafür braucht es einen effektiven Austausch zwischen den Akteuren in der Wissenschaft, den PraktikerInnen, die direkt vor Ort arbeiten, und politischen EntscheidungsträgerInnen. Dieser Austausch ist unerlässlich, um die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit wissenschaftliche Forschung zu konkreten Maßnahmen führen kann.

Warum der Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis entscheidend ist

Die auf der Konferenz gewonnenen Erkenntnisse machen deutlich, dass der Schutz und die Wiedervernässung von Mooren dringend notwendig sind, um CO₂-Emissionen zu reduzieren und das Artensterben zu stoppen. Doch die Herausforderungen, diese Projekte umzusetzen, sind nicht nur technischer oder ökologischer Natur, sondern oft auch sozial und politisch. Landwirtschaftliche Betriebe, die auf Moorflächen wirtschaften, müssen genauso einbezogen werden wie politische Institutionen, die die rechtlichen Rahmenbedingungen setzen.

Damit wissenschaftliche Forschung in der Praxis ankommt, braucht es einen kontinuierlichen Dialog zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik. Dabei müssen praxisnahe Ansätze entwickelt werden, die nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch tragfähig sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist die sogenannte Paludikultur, die auf der Konferenz thematisiert wurde. Diese innovative Form der Landwirtschaft auf wiedervernässten Mooren ermöglicht eine nachhaltige Nutzung der Flächen, ohne die ökologischen Funktionen der Moore zu beeinträchtigen. Sie zeigt, wie Wissenschaft und Praxis erfolgreich zusammenarbeiten können, um Lösungen zu finden, die sowohl für den Klimaschutz als auch für die Wirtschaft von Vorteil sind.

Greensurance Stiftung: Von der Theorie zur Praxis

Für uns bei der Greensurance Stiftung sind die Erkenntnisse der Konferenz wichtig, denn sie helfen uns dabei, unser Engagement im Moorschutz mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verknüpfen und diese gezielt in unsere Projekte einfließen zu lassen. Wir setzen uns nicht nur für den Schutz der Moore ein, sondern auch für die Förderung nachhaltiger und innovativer Nutzungsformen wie die Paludikultur. Die Konferenz hat uns wertvolle Impulse gegeben, wie wir diesen Weg weitergehen können.

Unsere Arbeit zeigt, dass es möglich ist, wissenschaftliche Forschung erfolgreich in die Praxis umzusetzen. Doch der Weg dorthin ist oft komplex. Es erfordert Mut, neue Ansätze zu verfolgen, und den Willen, verschiedene Akteure – von LandwirtInnen bis zu politischen EntscheidungsträgerInnen – in den Prozess einzubinden. Nur so können nachhaltige Lösungen gefunden werden, die langfristig Bestand haben.

Schneller und in größerem Umfang von der Forschung zur Umsetzung

Wir müssen noch schneller und größer von der Forschung in die Praxis kommen, weil die Zeit drängt. Der Klimawandel schreitet voran, und wir haben nur ein kleines Zeitfenster, um entscheidende Maßnahmen zu ergreifen. Moore gehören zu den effizientesten CO₂-Speichern der Erde. Wenn wir sie nicht schützen, verlieren wir nicht nur wertvolle Ökosysteme, sondern auch eine entscheidende Waffe im Kampf gegen die Erderwärmung.

Um diesen Übergang von der Forschung zur Umsetzung zu beschleunigen, müssen Politik, Wissenschaft und Praxis noch enger zusammenarbeiten. Nur wenn wir gemeinsame Lösungen entwickeln, können wir die Herausforderungen meistern, die der Schutz und die nachhaltige Nutzung von Mooren mit sich bringen. Es ist nicht nur eine ökologische, sondern auch eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Notwendigkeit, den Schutz der Moore als Priorität zu behandeln.

Die International Peatland Science Conference 2024 hat uns erneut gezeigt, wie groß das Potenzial ist. Jetzt liegt es an uns allen, dieses Potenzial zu nutzen – für den Schutz unserer Umwelt, den Erhalt der Biodiversität und den Kampf gegen den Klimawandel.

Ablauf der International Peatland Science Conference 2024

Tag 1: Kommunikation im Moorbereich
Der Auftakt der Konferenz bestand aus praxisnahen Workshops, in denen wir uns für den Workshop rund um die Verbesserung von Kommunikationsstrategien im Bereich Moor-Management entschieden hatten. Unter dem Titel „Kommunikation im Moorbereich“ wurden Methoden und Ansätze vorgestellt, um den Austausch mit verschiedenen Interessengruppen wie Landwirten, Medien und Kunden zu optimieren. Im Fokus stand die zielgruppenorientierte Vermittlung komplexer Themen, insbesondere die Bedeutung des Moorschutzes und die Einbindung derjenigen, die direkt von der Nutzung dieser Flächen abhängig sind.

Tag 2: Fachvorträge und Keynotes
Der zweite Tag startete mit einer Keynote von Dr. Bärbel Thiemeyer vom Thünen-Institut. Sie beleuchtete die Frage „Könnte verbessertes Wassermanagement die Treibhausgasbilanz von Mooren optimieren?“. Im Anschluss folgte der Themenblock „Renaturierungspraxis in verschiedenen Moortypen“, der durch Dr. Cornelia Siuda eingeleitet wurde. Sie teilte ihre umfangreichen Erfahrungen zur „Moorrenaturierung in Bayern“ und gab wertvolle Einblicke in die praktische Umsetzung von Renaturierungsprojekten und verdeutlichte die Herausforderungen und Erfolge in der Moorschutzarbeit.

Zum Einstieg in den Nachmittag gab es eine weitere Keynote von Dr. Gennadi Sushko von der Vitebsk State University in Belarus, der online zur Konferenz hinzugeschalten wurde, zum Thema „Habitatmerkmale und die Biodiversität belarussischer Moore“. Hiernach wurden den Teilnehmenden die Wahl zwischen zwei thematischen Sitzungen geboten. Eine von Raphael Burkhardtsmayer moderierte Sitzung widmete sich der „Stofflichen und energetischen Nutzung von Paludikultur-Biomasse“, wobei der Fokus auf den wirtschaftlichen Möglichkeiten von Feuchtlandpflanzen lag. Parallel dazu leitete Theresa Lehmair vom Bayerischen Landesamt für Umwelt eine Diskussion über die Frage „Wiedervernässte Moore: Biodiversitätshotspot oder neue Ökosysteme?“, in der untersucht wurde, wie wiedervernässte Moore zur Erhaltung der Biodiversität beitragen können.

Der Tag wurde mit der Paludifair abgeschlossen, auf der Unternehmen innovative Produkte aus der Paludikultur präsentierten. Anschließend ging es in das Bräuhaus Weihenstephan, nur wenige Schritte von der Hochschule entfernt, für ein gemeinsames Conferencedinner.

Tag 3: Musik, Wissenschaft und gesellschaftliche Herausforderungen
Am dritten Konferenztag gab es eine besondere musikalische Einstimmung durch das MONAS Art Collective, das ausschließlich Klänge und Geräusche aus dem Moor für seine Kompositionen nutzt. Die Musik, geprägt durch einfache, aber atmosphärische Töne, sorgte für einen stimmungsvollen Beginn des Tages.

Darauf folgten verschiedene Fachvorträge, unter anderem in den thematischen Blöcken „Austausch von Treibhausgasen aus organischen Böden“ (moderiert von Tim Eickenscheidt, HSWT), „Perspektiven für Wälder auf Moorböden“ (moderiert durch einen Vertreter der Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft) und „Soziale und wirtschaftliche Herausforderungen der Moortransformation“ (geleitet von Harald Grethe von Agora Agrar und der Humboldt-Universität). Diese Sitzungen gaben tiefere Einblicke in die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekte der Moornutzung und deren Auswirkungen.

Eine weitere Keynote zum Start in den Nachmittag von Dr. Gerald Jurasinski (GMC) widmete sich der praktischen Umsetzung und den politischen Prozessen bei der Wiedervernässung von Mooren. Anschließend folgten eine Postersession und die Präsentation weiterer wissenschaftlicher Arbeiten, bevor der Tag mit einer Abschlussdiskussion zu Ende ging.

Tag 4: Exkursionen in bayerische Moore
Am letzten Konferenztag fanden Exkursionen zu sechs verschiedenen Mooren in Bayern statt. Die Greensurance Stiftung besuchte hier das renaturierte Schechenfilz, wo unter anderem eine Torfbohrung bis auf 5,70 m durchgeführt wurde. In dieser Tiefe wurde die Sand-Lehm-Schicht gefunden, die das Moor nach unten abdichtet. Direkt über der Sand-Lehm-Schicht befand sich eine Torfschicht aus dem ehemaligen Niedermoor, erkennbar durch  charakteristische Schilfe. Direkt über der Torfschicht des Niedermoors begann dann die Torfschicht des Hochmoors, erkennbar an dem Wollgras, das auch heute noch auf der Fläche wächst. Außerdem wurden Messinstrumente wie der Eddy-Covariance-Tower vorgestellt, der zur Überwachung der Emissionen eingesetzt wird.

Torfbohrung im Schechenfilz

Anschließend ging es weiter ins Moor bei Benediktbeuern, wo der Schwerpunkt auf der Paludikultur lag, also der landwirtschaftlichen Nutzung von Moorflächen. Besonders beeindruckend war die Präsentation zur Haltung von Wasserbüffeln und insbesondere von Hochlandrindern, die sich aufgrund ihrer Leichtfüßigkeit und geringen Belastung des Moorbodens gut für Moorflächen eignen. Außerdem wurde eine Wiese besichtigt, auf der Entwässerungsrohre so modifiziert wurden, dass Landwirte das Wasser gezielt stauen und zur Mahd ablassen können.

Fazit
Die International Peatland Science Conference 2024 in Freising bot eine beeindruckende Plattform für den Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen im Bereich des Moorschutzes. Die internationale Zusammenarbeit und die innovativen Ansätze, die in den Vorträgen und Diskussionen vorgestellt wurden, unterstrichen die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz, die Biodiversität und die nachhaltige Landnutzung.